Braucht Hil­den ein neu­es Wald­stück?

Rheinische Post Hilden - - Hilden Haan - Chris­[email protected]­ni­sche-post.de to­bi­[email protected]­ni­sche-post.de

Der An­trag der CDU kommt nicht von un­ge­fähr. In die­sem Jahr wäh­len die Hil­de­ner ei­nen neu­en Stadt­rat. Auch das Stadt­ober­haupt steht zur Wahl. Und da möch­ten nicht nur die Christ­de­mo­kra­ten bei den Wäh­lern punk­ten. Mit ei­nem neu­en Wald geht das gut, be­son­ders in Zei­ten, wo um je­den Baum ge­strit­ten wird, der ge­fällt wer­den soll. Mit dem neu­en Wald möch­ten die Po­li­ti­ker aber auch ei­ne im­mer mal wie­der dis­ku­tier­te Be­bau­ung des Ge­län­des zwi­schen Bahn und Hof­stra­ße ein für al­le mal ver­hin­dern. Ge­baut wer­den soll, wenn über­haupt, nur an der Hof­stra­ße. Al­les an­de­re ist auch nicht ge­sund, hat das Kreis­ge­sund­heits­amt mit Blick auf den Ei­sen­bahn­lärm schon mehr­fach fest­ge­stellt.

Das scheint mir auch das wich­tigs­te und stärks­te Ar­gu­ment für die An­pflan­zung ei­nes neu­en Wal­des zu sein. Kei­nen „ur­ba­nen“Wald, wie es in der Sit­zungs­vor­la­ge heißt (da­von hat Hil­den in sei­ner Um­ge­bung mehr als ge­nug), son­dern ei­ne grü­ne Lärm­schutz­wand für die vom Bahn­lärm ge­plag­ten An­woh­ner des Hil­de­ner Sü­dens. Da­zu müss­te man na­tür­lich schnell­wach­sen­de Bäu­me aus­wäh­len. Und mit hei­ßen Som­mern und Tro­cken­heit soll­ten sie auch zu­recht kom­men, da­mit der neue Wald nicht al­le Jah­re wie­der aufs neue an­ge­pflanzt wer­den muss. Vi­el­leicht könn­te man dar­aus ein lo­ka­les Kli­ma-Wan­de­lund Lärm­schutz-Pro­jekt mit wis­sen­schaft­li­cher Be­glei­tung durch Stu­den­ten ei­ner be­nach­bar­ten Uni­ver­si­tät ma­chen. Das könn­te auch da­zu bei­tra­gen, die nö­ti­ge Auf­fors­tungs­ge­neh­mi­gung der über­ge­ord­ne­ten Be­hör­den zu be­kom­men.

Was soll der Quatsch? Ein fast lü­cken­lo­ser Grün­ring um­gibt Hil­den, zum Wald sind es höchs­tens zwei Ki­lo­me­ter – egal von wel­chem Fleck der Stadt aus. Da­zu kom­men Park­an­la­gen, Klein­gär­ten und an­de­re Grün­flä­chen, an de­nen es in Hil­den nicht gera­de man­gelt. War­um soll­te jetzt an der Gü­ter­stre­cke ein neu­er Wald an­ge­pflanzt wer­den? Brau­chen die An­woh­ner ein neu­es Nah­er­ho­lungs­ge­biet? Nein, denn nur ei­nen St­ein­wurf ent­fernt be­gin­nen di­rekt hin­ter dem Bahn­über­gang die weit­läu­fi­gen Fel­der im Kar­nap mit ei­nem wun­der­vol­len Wald­ge­biet und dem Oerk­haus­see. Ein Traum. Ein paar Qua­drat­me­ter mehr Bäu­me ma­chen die Hil­de­ner auch nicht glück­li­cher. Ein wei­te­res Ar­gu­ment der Be­für­wor­ter: Durch den Wald ent­steht ein na­tür­li­cher Lärm­schutz. Das mag stim­men. Aber es dau­ert meh­re­re Jahr­zehn­te, bis die Stäm­me und das Laub­werk den Lärm der rat­tern­den Gü­ter­zü­ge schlu­cken. Bis da­hin wer­den die Plä­ne für die­ses

Ge­biet wahr­schein­lich noch mehr­mals an­ge­passt. Die ak­tu­el­len An­woh­ner wer­den wohl nichts mehr von dem Lärm­schutz ha­ben.

Und auf dem Weg zum ech­ten Wald wer­den vie­le der an­ge­pflanz­ten Bäu­me an­ge­sichts des Kli­ma­wan­dels auf der Stre­cke blei­ben, auch wenn spe­zi­ell an­ge­pass­te Ar­ten ge­nutzt wer­den. Die oh­ne­hin schon dar­ben­de Land­wirt­schaft in Hil­den wird durch den Weg­fall der Flä­chen zu­dem wei­ter ge­schwächt.

Bei der an­ge­spann­ten Haus­halts­la­ge soll­te das Geld für ein na­he­zu über­flüs­si­ges Wald­stück bes­ser in Bil­dung für al­le in­ves­tiert wer­den. Und nicht in Wahl­kampf­ge­schen­ke, von de­nen nur ei­ne Hand­voll Men­schen

et­was hat.

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