Me­tro-Chef: 30 Re­al-Märk­te wer­den ge­schlos­sen

Der Düs­sel­dor­fer Kon­zern muss noch mal 237 Mil­lio­nen Eu­ro auf sei­ne Wa­ren­haus­ket­te ab­schrei­ben und macht 34 Mil­lio­nen Ver­lust.

Rheinische Post Hilden - - Wirtschaft - VON GE­ORG WINTERS

DÜS­SEL­DORF Kurz vor ih­rem Ver­kauf hat die Su­per­markt­ket­te Re­al ih­rer Mut­ter­ge­sell­schaft Me­tro noch mal ei­nen di­cken Ver­lust ein­ge­brockt. Vor al­lem we­gen ei­ner Wert­be­rich­ti­gung von 237 Mil­lio­nen Eu­ro auf Re­al macht die Me­tro im ers­ten Quar­tal des Ge­schäfts­jah­res (Ok­to­ber bis De­zem­ber 2019) ein Mi­nus von 34 Mil­lio­nen Eu­ro. Und das Re­al-Ge­schäft ist zwi­schen Ok­to­ber und De­zem­ber noch mal schlech­ter ge­lau­fen. Auch das ist ein Grund da­für, dass der Me­tro aus dem fast si­che­ren Ver­kauf an das Kon­sor­ti­um aus SCP und X+Bricks net­to nur 300 Mil­lio­nen statt der zu­vor er­war­te­ten 500 Mil­lio­nen Eu­ro zu­flie­ßen.

Um­so er­leich­ter­ter wird Me­tro-Chef Olaf Koch sein, dass der De­al jetzt we­nigs­tens rei­bungs­los über die Büh­ne zu ge­hen scheint. Bei der Haupt­ver­samm­lung am Frei­tag soll die Zu­stim­mung der Me­tro-Gre­mi­en ver­kün­det wer­den, deu­te­te der Ma­na­ger am Don­ners­tag in ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz an. Er be­dank­te sich aus­drück­lich bei al­len Re­al-Be­schäf­tig­ten und sprach von Fre­quenz- und Um­satz­stei­ge­run­gen im Markt­hal­len-Kon­zept. Durch ei­nen neu­en Ta­rif­ver­trag sei­en auch leich­te Kos­ten­ver­bes­se­run­gen er­zielt wor­den. Doch das sei nicht aus­rei­chend für die öko­no­mi­sche Trag­fä­hig­keit des Re­al-Ge­schäfts ge­we­sen, so Koch.

Nun dür­fen sich an­de­re an dem Vor­ha­ben ver­su­chen – das Käu­fer-Kon­sor­ti­um, das 50 Märk­te für min­des­tens zwei Jah­re wei­ter be­trei­ben will, und die Bran­chen­kon­kur­ren­ten, an die nach den ak­tu­el­len Pla­nun­gen bis zu 200 Märk­te wei­ter­ge­reicht wer­den sol­len. Zwar wer­tet der Me­tro-Chef die Tat­sa­che, dass nach ge­gen­wär­ti­gem Stand „nur“30 statt der zu­vor er­war­te­ten 40 bis 50 Märk­te schlie­ßen, als Er­folg. Wel­che Märk­te das im Ein­zel­nen sind, ist noch of­fen. Für Tau­sen­de Be­schäf­tig­te heißt das, dass sie re­la­tiv schnell ih­ren Job ver­lie­ren. Von de­nen, die Fi­lia­len oder Fi­li­al­pa­ke­te über­neh­men, will die Me­tro ei­ne Art Über­nah­me­ga­ran­tie für Re­al-Be­schäf­tig­te. Für wie lan­ge das gel­ten könn­te, bleibt of­fen.

Gleich­zei­tig ist die Me­tro auch oh­ne Re­al noch längst nicht auf Ro­sen ge­bet­tet. Das Ge­schäft wächst nur mä­ßig, das Er­geb­nis vor Steu­ern ist we­gen Ab­schrei­bun­gen und steu­er­li­cher Ef­fek­te um 70 Mil­lio­nen auf 121 Mil­lio­nen Eu­ro ge­sun­ken. Der Um­satz leg­te zwar um 2,2 Pro­zent auf 7,5 Mil­li­ar­den Eu­ro zu, aber flä­chen­be­rei­nigt bleibt nur noch ein Plus von ei­nem Pro­zent üb­rig. Im Deutsch­land-Ge­schäft sin­ken die Er­lö­se so­gar leicht, We­st­eu­ro­pa mel­det ein dün­nes Wachs­tum und litt zu­letzt un­ter den Ge­ne­ral­streiks in Frank­reich. In Russ­land, das lan­ge we­gen Kon­sum­schwä­che und Ru­bel­kri­se der Schwach­punkt des Ge­schäfts war, sin­ken die flä­chen­be­rei­nig­ten Um­sät­ze im­mer noch um 5,3 Pro­zent.

So­mit blei­ben als nen­nens­wer­te Wachs­tums­re­gio­nen für den Kon­zern der­zeit nur noch Ost­eu­ro­pa (oh­ne Russ­land) und Asi­en üb­rig, doch das ist zu we­nig, um dem Kon­zern ein deut­li­ches Wachs­tum zu ver­schaf­fen. Dass die Ak­tie ges­tern 1,8 Pro­zent an Wert ein­ge­büßt hat, gilt als In­diz da­für, dass die Wachs­tums­stra­te­gie des Un­ter­neh­mens die Bör­sia­ner im­mer noch nicht rest­los über­zeugt. Am Ran­de: Auch die Ver­kaufs­kan­di­da­ten Chi­na-Ge­schäft und Re­al ha­ben sich im letz­ten Vier­tel­jahr 2019 nicht ge­ra­de vor Wachs­tum über­schla­gen: 0,1 Pro­zent ins­ge­samt, 0,6 Pro­zent flä­chen­be­rei­nigt.

We­nigs­tens ei­ne po­si­ti­ve Nach­richt gab es im Zu­sam­men­hang mit dem Bör­sen­kurs aber dann doch: Die Staats­an­walt­schaft Düs­sel­dorf hat die Er­mitt­lun­gen ge­gen Olaf Koch, den Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­den Jür­gen St­ei­ne­mann und an­de­re we­gen des Ver­dachts auf In­si­der­han­del und Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on ein­ge­stellt. Der Ver­dacht war im Zu­sam­men­hang mit der Auf­spal­tung der al­ten Me­tro vor mehr als zwei­ein­halb Jah­ren ent­stan­den. Beim Vor­wurf der Kurs­ma­ni­pu­la­ti­on ging es dar­um, dass die Me­tro mög­li­cher­wei­se ih­re Ad-hoc-Mel­de­pflicht ver­letzt ha­ben könn­te, in­dem sie die Ab­sicht, den Kon­zern auf­zu­spal­ten, zu spät ver­öf­fent­licht ha­ben soll­te. Für sol­che Mel­dun­gen ist in der Re­gel der Vor­stand zu­stän­dig. Dem ge­hör­ten im März 2016 ne­ben Koch der Ar­beits­di­rek­tor Hei­ko Hut­ma­cher, Fi­nanz­vor­stand Mark Fre­se, der spä­te­re Ce­co­no­my-Chef Pie­ter Haas und Pie­ter Boo­ne an.

Das Un­recht sei „sehr ge­ring“, er­klär­te die Staats­an­walt­schaft. Die Ver­fah­ren ge­gen Koch und an­de­re Ma­na­ger sei­en ge­gen Geld­auf­la­gen ein­ge­stellt wor­den, die sich zwi­schen 5000 und 20.000 Eu­ro be­weg­ten. Das Ver­fah­ren ge­gen St­ei­ne­mann sei ganz oh­ne Auf­la­gen ein­ge­stellt wor­den, er­klär­te die Düs­sel­dor­fer Be­hör­de.

FOTO: DPA

Re­al-Markt in Köln

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