Stadt be­stellt Pa­pier­berg – so hoch wie die Zug­spit­ze

Rheinische Post Hilden - - Düsseldorf­er Stadtpost - VON CHRIS­TI­NE WOLFF

Pa­pier ist ge­dul­dig – und auch der Kampf ge­gen die Flut von Blät­tern braucht in der Ver­wal­tung Zeit: Ob­wohl sich das Rat­haus um das Ein­spa­ren von Pa­pier be­müht, will die Ver­wal­tung jetzt für zwölf Mo­na­te stol­ze 32 Mil­lio­nen A4-Blät­ter be­stel­len. Ei­ne Mil­li­on we­ni­ger als 2018. In der Aus­schrei­bung der Stadt, auf die sich Un­ter­neh­men jetzt mel­den kön­nen, wird „Ko­pier­pa­pier aus 100% Re­cy­cling“ge­sucht. Lie­fer­bar ab 1. Mai – nach ei­nem Jahr ist der Auf­trag be­en­det. Ge­braucht wer­den die Blät­ter laut ei­nem Stadt­spre­cher von al­len Äm­tern. Für den in­ter­nen Ge­brauch – aber auch als Brief­pa­pier für „Kn­öll­chen“oder al­le an­de­ren Brie­fe, die von der Stadt bei den Bür­gern ein­tru­deln. Die 32 Mil­lio­nen Blät­ter sol­len in Kar­tons von je fünf 500 Blatt-Pa­ckun­gen ge­lie­fert wer­den. So ein 2500-Blatt-Pa­ket (et­wa 23 Zen­ti­me­ter hoch) hat laut Stadt ei­nen Markt­wert zwi­schen knapp 10 und 11 Eu­ro. Es geht um Kos­ten von rund 130.000 bis 140.000 Eu­ro für 12.800 Kar­tons. Wür­de man die sta­peln, kä­me ein 3000 Me­ter-Turm raus – in et­wa so hoch wie die Zug­spit­ze. Ist das be­son­ders viel Pa­pier? Bei ei­ner Stu­die des Un­ter­neh­mens Ca­ya tauch­te Düs­sel­dorf als ei­ne der Städ­te mit den höchs­ten Druck­kos­ten (Pa­pier und Pa­tro­nen) pro Ein­woh­ner auf: Sie lan­det nach Mön­chen­glad­bach und Kiel auf dem drit­ten Platz und da­mit weit vor Ber­lin, Frank­furt oder Ham­burg, die laut der Um­fra­ge im Ver­hält­nis we­sent­lich we­ni­ger Geld für Pa­pier und Tin­te aus­ga­ben.

Wie die Ver­wal­tung auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on mit­teil­te, ver­brauch­te sie 2017 noch rund 38 Mil­lio­nen Blatt A4-Pa­pier, 2018 sei­en es rund 33 Mil­lio­nen ge­we­sen. So sagt die Ver­wal­tung, dass ihr „zen­tra­les stra­te­gi­sches Ziel“die „Di­gi­ta­li­sie­rung von Ver­wal­tungs­pro­zes­sen“sei. Al­so: mehr on­li­ne – we­ni­ger be­druck­tes Pa­pier.

Vor al­lem in­tern sieht man da Po­ten­zi­al, wie aus ei­ner Stadt­rats-Vor­la­ge her­vor geht. So plan­te man da­mals ein Mit­ar­bei­ter­por­tal, über das man zum Bei­spiel Ur­laubs­an­trä­ge ein­rei­chen kann. In et­li­chen Fir­men ist das nor­mal – aber in man­chen Pa­pier-Punk­ten ist das Rat­haus noch et­was zu­rück. Im­mer­hin wer­den in­zwi­schen Stadt­rats-Un­ter­la­gen – wie bis vor ei­ni­gen Jah­ren üb­lich – nicht mehr auf far­bi­gem Pa­pier ge­druckt und von Bo­ten in den Frak­tio­nen und Lo­kal­re­dak­tio­nen ver­teilt. In­zwi­schen ist al­les di­gi­tal.

Die Ver­wal­tung wird aber auch krea­tiv, wenn’s ums Pa­pier-Spa­ren geht. Ne­ben der – na­he­lie­gen­den – Vor­ga­be, dass Do­ku­men­te im­mer dop­pel­sei­tig aus­ge­druckt wer­den sol­len, be­nann­te De­zer­nent Andre­as Mey­er-Fal­cke noch ei­nen in­ter­es­san­ten Punkt: So soll­ten Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te und Tisch­dru­cker re­du­ziert wer­den, die „in Ar­beits­platz­nä­he ste­hen“. Der Gang zum wei­ter weg ge­le­ge­nen Dru­cker­raum so­zu­sa­gen als er­zie­he­ri­sche Maß­nah­me.

Im­mer­hin: Im Ver­gleich zur nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­ver­wal­tung hat die Stadt Düs­sel­dorf ei­nen ge­rin­gen Be­darf. Für 2018/2019 hat­te die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on zen­tral 946 Mil­lio­nen Blatt Pa­pier ein­ge­kauft. Bis 2025 soll die Lan­des­ver­wal­tung laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag der schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on voll­stän­dig di­gi­ta­li­siert sein. Ei­ne Nach­richt, die zu­min­dest Groß­händ­ler für Bü­ro­pa­pier trau­rig ma­chen dürf­te.

RP-FOTO: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

Die Stadt hat 32 Mil­lio­nen Blatt A4-Pa­pier be­stellt. Dar­auf wer­den die Mit­ar­bei­ter schrei­ben, aber auch Buß­geld­be­schei­de aus­dru­cken.

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