Mehr als nur der Kof­f­e­in­schub am Mor­gen

Rheinische Post Hilden - - Freizeit & Genuss -

Der Düs­sel­dor­fer Kaffee-Som­me­lier über Ge­schmä­cker, Aro­men und die bes­te Art der Zubereitun­g des be­lieb­tes­ten Heiß­ge­tränks.

Kaffee ist das be­lieb­tes­te Heiß­ge­tränk der Deut­schen. Da­bei sind die Men­schen seit Jahr­zehn­ten an ei­nen be­stimm­ten Ge­schmack ge­wöhnt wor­den. Al­les was an Kaffee in den Su­per­markt­re­ga­len steht, ist auf Mas­sen­taug­lich­keit ge­trimmt. Al­ler­dings geht bei die­sen Stan­dard­pro­duk­ten je­de Men­ge an Ge­schmack, an In­di­vi­dua­li­tät der ver­schie­de­nen An­bau­ge­bie­te ver­lo­ren.

Ich kann ver­ste­hen, dass je­mand mor­gens ei­nen Kaffee ha­ben möch­te, da­mit er we­gen des Kof­f­e­in­schubs die Au­gen auf­be­kommt. Dem muss ich nichts über Aro­men der Kaf­fees aus dem Je­men, Äthio­pi­en oder In­do­ne­si­en er­zäh­len. Aber wenn man Zeit hat und auch in ge­sel­li­ger Run­de zu­sam­men­sitzt, kann und soll­te man Kaffee ge­nie­ßen und sich von den ver­schie­de­nen Ge­schmacks­rich­tun­gen

zwi­schen säu­er­lich, scho­ko­la­dig, nus­sig, fruch­tig bis zu den Rösta­ro­men ver­füh­ren las­sen.

Frü­her war Kaffee ja ein Lu­xus­gut, ein Ge­nuss­mit­tel für die ge­ho­be­ne Ge­sell­schaft. Es kommt aus exo­ti­schen Län­dern und konn­te nur mit dem Schiff über wei­te Stre­cken trans­por­tiert wer­den. Das kos­te­te und schlug sich auch im Ver­kaufs­preis nie­der.

Das hat sich ja kom­plett ge­än­dert, und Kaffee ist für je­der­mann na­he­zu über­all ver­füg­bar, aber meist auf un­te­ren Qua­li­täts­stu­fen. Das, was man all­ge­mein als Kaf­fee­ge­schmack

be­zeich­net, sind star­ke, oft bit­te­re Rösta­ro­men. Ei­ne star­ke Rös­tung über­deckt aber al­le an­de­ren Ge­schmacks­stof­fe in der Kaf­fee­boh­ne, die je nach An­bau­ge­biet, Hö­hen­la­ge, Re­gen­men­ge, Son­nen­ein­strah­lung, Bo­den­be­schaf­fen­heit und Pflan­zen­art sehr un­ter­schied­lich sein kön­nen. Der größ­te Teil des­sen, was man in der Tas­se schmeckt, kommt durch die Ar­beit des Kaf­fee­far­mers. Wir als Rös­ter ver­edeln nur. Wir kau­fen die Kaf­fee­boh­nen di­rekt von den Far­men oh­ne Zwi­schen­händ­ler. Wir ken­nen die Kaf­fee­far­mer per­sön­lich und bei ei­ni­gen neh­men wir die kom­plet­te Ern­te ab. So ha­ben wir bei uns die Kaf­fees von Mo­han Ra­jes aus In­di­en, Es­ton Ngo­za aus Ma­la­wi, Ab­dul­ma­jeed Mus­lot aus Ye­men oder Te­ka­lign Ta­desse Cho­ri­to aus Äthio­pi­en im An­ge­bot. De­ren Er­zeug­nis­se schme­cken un­ter­schied­lich.

Gut 90 Pro­zent un­se­rer Kaf­fees ge­hö­ren zur Spe­zi­es Ara­bi­ca, zehn Pro­zent sind Ro­bus­tas. Ro­bus­ta hat durch­schnitt­lich mehr Kof­f­e­in. Aber die An­ga­be der Kaf­fee­spe­zi­es sagt nicht viel über den Ge­schmack aus. Vie­les ist Mar­ke­ting und ver­spricht mehr als es hal­ten kann. Ara­bi­ca wird un­ter an­de­rem in Bra­si­li­en, Viet­nam,

Ko­lum­bi­en, In­do­ne­si­en oder Ke­nia an­ge­baut. Über­all gibt es ver­schie­de­ne Be­din­gun­gen, un­ter de­nen die Pflan­ze wächst.

Egal, wo der Kaffee her­kommt, beim Auf­brü­hen ist die „Oma-Me­tho­de“die bes­te Zu­be­rei­tungs­art. Al­so per Hand durch ei­nen Pa­pier­fil­ter mit 96 Grad hei­ßem Was­ser. Was­ser zum Ko­chen brin­gen, 30 Se­kun­den war­ten, dann den Filter durch­spü­len, da­mit Pa­pier­rest­stof­fe ent­fernt wer­den, Kaffee in den Filter ge­ben, mit we­nig Was­ser zum Qu­el­len brin­gen und an­schlie­ßend auf­gie­ßen.

Wir sind aber kei­ne Kaffee-Pu­ris­ten. Wer Es­pres­so aus ei­nem Voll­au­to­ma­ten oder Lat­te Mac­chia­to, Cap­puc­ci­no oder ein­fach ei­nen Kaffee mit Milch trin­ken möch­te, ger­ne. Je­der soll Kaffee so trin­ken, wie es ihm schmeckt. (tino)

FOTO: PRIVAT

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