Ein She­riff, der Ge­weh­re liebt

Scott Jenk­ins, Po­li­zei­chef ei­ner klei­nen Stadt im US-Bun­des­staat Vir­gi­nia, ist für vie­le sei­ner Mit­bür­ger zum Hel­den ge­wor­den. Jenk­ins will je­den Stadt­be­woh­ner auf Wunsch zum Hilfs­she­riff er­nen­nen. Ein Trick, um stren­ge­re Waf­fen­ge­set­ze aus­zu­he­beln.

Rheinische Post Hilden - - Weitsicht -

war im Mai der Amok­lauf ei­nes Man­nes, der in ei­nem Ver­wal­tungs­ge­bäu­de in Vir­gi­nia Beach, ei­ner Küs­ten­stadt am At­lan­tik, zwölf ehe­ma­li­ge Kol­le­gen er­schoss. Schon da­mals ver­sprach die Re­form­frak­ti­on strik­te­re Pa­ra­gra­fen, jetzt soll Kon­kre­tes fol­gen.

In Zu­kunft will man Waf­fen­händ­ler ver­pflich­ten, aus­nahms­los al­le Kun­den mit Hil­fe ei­nes com­pu­ter­ge­steu­er­ten Zen­tral­re­gis­ters auf even­tu­el­le Vor­stra­fen zu über­prü­fen, auch auf bis­her un­kon­trol­lier­ten, spon­tan or­ga­ni­sier­ten Waf­fen­märk­ten. Der Po­li­zei soll er­laubt wer­den, vor­über­ge­hend die Schieß­ei­sen von Men­schen zu kon­fis­zie­ren, von de­nen nach An­sicht ei­nes Ge­richts Ge­fahr für das ei­ge­ne Le­ben oder das Le­ben an­de­rer aus­geht. Oft han­delt es sich um Leu­te, de­ren An­ge­hö­ri­ge an­ge­sichts of­fen ge­äu­ßer­ter Selbst­mord­ab­sich­ten Alarm ge­schla­gen ha­ben. Schließ­lich soll nie­mand mehr als ei­ne Schuss­waf­fe pro Mo­nat er­wer­ben dür­fen. Schon die An­kün­di­gung reich­te, um mas­si­ve Pro­tes­te aus­zu­lö­sen.

„One Gun a Month!“(ei­ne Schuss­waf­fe pro Mo­nat) ist im Sin­ne ei­ner An­kla­ge auf Pla­ka­ten der Fl­in­ten­lob­by zu le­sen, ne­ben der Zei­le, dass es sich um ei­nen An­griff auf gott­ge­ge­be­ne Frei­heits­rech­te han­delt. Flug­blät­ter wer­ben für ei­ne Be­we­gung, de­ren Ziel es ist, ei­ne Ge­mein­de nach der an­de­ren of­fi­zi­ell zur „Zufluchts­stät­te“zu ma­chen, in der das Se­cond Amend­ment nicht an­ge­tas­tet wer­den darf. Je­ner zwei­te Zu­satz­ar­ti­kel zur Ver­fas­sung, der pri­va­ten Waf­fen­be­sitz ga­ran­tiert – un­ein­ge­schränk­ten Waf­fen­be­sitz, wie die NRA, die Na­tio­nal Rif­le As­so­cia­ti­on, den Wort­laut in­ter­pre­tiert.

Es ist ein Fall, in dem sich das kon­ser­va­ti­ve Ame­ri­ka ei­nen Be­griff des links­li­be­ra­len Ame­ri­kas zu ei­gen macht. Me­tro­po­len wie New York, Los An­ge­les oder San Fran­cis­co hat­ten sich einst zu „Sanc­tua­ry Ci­ties“er­klärt, zu Zufluchts­or­ten für il­le­ga­le Ein­wan­de­rer, in de­nen Po­li­zis­ten, et­wa bei Ver­kehrs­kon­trol­len, nicht nach dem Auf­ent­halts­sta­tus fra­gen dür­fen. In den „Se­cond Amend­ment Sanc­tua­ries“sol­len die Lo­kal­be­hör­den durch Nicht­be­ach­tung ins Lee­re lau­fen las­sen, was im­mer das Par­la­ment in Richmond zum The­ma strik­te­re Waf­fen­kon­trol­le be­schließt.

Auch Cul­pe­per Coun­ty hat sich den Sta­tus zu­ge­legt. Vor gut ei­nem Mo­nat war das, ein Tri­umph für den She­riff. Nun al­so, einst­wei­len noch theo­re­tisch, die Sa­che mit Scott Jenk­ins‘ Stell­ver­tre­tern. 5000 Hilfs­she­riffs, schätzt der Mann in der ocker­brau­nen Uni­form, kä­men ganz si­cher zu­sam­men, oh­ne dass er sich auf ei­ne Ober­gren­ze fest­le­gen wol­le. „Es gibt kein Limit für die Zahl der Leu­te, de­nen ich den Eid ab­neh­men kann.“

FO­TO: AFP

She­riff Scott Jenk­ins re­det auf ei­ner Kund­ge­bung von Waf­fen­be­sit­zern in Richmond, der Haupt­stadt des US-Bun­des­staats Vir­gi­nia.

FO­TO: HERRMANN

Rech­te Mi­li­zio­nä­re, ei­ni­ge mit ver­mumm­ten Ge­sich­tern und be­waff­net, neh­men an der Kund­ge­bung mit She­riff Jenk­ins teil.

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