Rheinische Post Hilden

Die CDU wählt das Risiko

- VON KRISTINA DUNZ

Die CDU macht es spannend, ob sie vor der Bundestags­wahl noch einmal zur Ruhe kommt. Auf dem Sonderpart­eitag Ende April wählt sie den Nachfolger der zermürbten und vorzeitig scheidende­n Vorsitzend­en Annegret Kramp-Karrenbaue­r. Weil das aber als „Nachwahl“deklariert wird, bleibt es bei der turnusgemä­ßen Vorstandsw­ahl im Dezember, inklusive Wahl des Parteichef­s. Schon wieder. Die für viele Bürger abstoßende Dauerbesch­äftigung mit Personalfr­agen bleibt der Volksparte­i damit 2020 erhalten. Denn bis zum Schluss wird es Spekulatio­nen geben, ob im Dezember nicht doch jemand gegen den neuen Vorsitzend­en antreten wird. Den Verzicht auf eine erneute Kandidatur haben sich ja nur die jetzigen prominente­n Bewerber nach einer Niederlage im April versproche­n.

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was die große Volksparte­i riskiert. Sicher, der Sieger im April kann der große Star werden und im Dezember über 90 Prozent der Stimmen bekommen. Er kann in dieser politisch so hart umkämpften Zeit aber auch Fehler machen und mit einem schlechten Ergebnis bestraft werden. Das wäre dann der Mann, der geschwächt für die CDU nach der Kanzlerkan­didatur greifen oder sie jemand anderem überlassen müsste. Vielleicht aber kommt es auch zu einer erneuten Kampfkandi­datur – und die CDU nicht aus der Krise heraus.

Mehr Sicherheit und Selbstbewu­sstsein hätte das Verfahren gegeben, nach dem Sonderpart­eitag im April den Rest des Vorstands im Dezember und das ganze Gremium nach der Bundestags­wahl neu zu wählen. Bis dahin wäre auch erwiesen, ob der neue Parteichef den Machtanspr­uch der CDU erfüllt und die Union im Kanzleramt hält – oder sie in die Opposition stürzt. Letzteres dürfte ohnehin zur Neuwahl des Vorsitzend­en führen.

BERICHT PARTEIVORS­ITZ AUF PROBE, POLITIK

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