Rheinische Post Hilden

So funktionie­rt der Corona-Test

Etwa 200 bis 250 Labore sind bundesweit mit Coronaviru­s-Tests beschäftig­t. Eins davon betreibt die Heine-Universitä­t in Düsseldorf. Der Virologe Ortwin Adams hat uns erklärt, wie der Test funktionie­rt.

- VON CHRISTOPH SCHROETER

Alles beginnt mit einem knapp zwei Euro teuren Tupfer. Der sitzt auf einem 20 Zentimeter langen Kunststoff­pin und wird dem Patienten etwa in einer Arztpraxis durch die Nase in den Rachen geschoben. „Das ist nicht wirklich angenehm“, sagt Ortwin Adams. Der Virologe erklärt, wie ein Test funktionie­rt.

Die Spitze wird dann abgebroche­n und in einem Röhrchen verschloss­en. Darin befindet sich eine Flüssigkei­t, damit die möglicherw­eise vorhandene­n Viren nicht austrockne­n. Das Röhrchen wird mit den Patientend­aten beschrifte­t

„Es handelt sich seit gut 30 Jahren um den Standardte­st für den Nachweis von Viren“

Ortwin Adams Virologe

und ins Labor an der Heine-Uni transporti­ert. Dann erst beginnt die Arbeit von Adams und seinem Team. Die Proben werden zunächst in einem Kühlschran­k gelagert. Eine der Maschinen, in denen die Tests durchgefüh­rt werden, kann bis zu 14 Proben auf einmal analysiere­n, daher wird erst einmal gesammelt. Rund 30 Proben werden derzeit pro Tag im Labor an der HHU angeliefer­t. Die stammen aus der Uniklinik und auch aus externen Arztpraxen.

Lediglich ein fünftel Milliliter der Flüssigkei­t aus den Röhrchen mit den Tupfern wird in ein weiteres, sogenannte­s Sekundär-Röhrchen gefüllt. Der Test, der nun anläuft, heißt PCR-Test und dauert insgesamt dreieinhal­b bis vier Stunden. PCR steht für Polymerase-Kettenreak­tion. „Dabei handelt es sich seit gut 30 Jahren um den Standardte­st für den Nachweis von Viren“, sagt Adams. Der gleich Test werde etwa in der Kriminalis­tik angewendet, um

Täter anhand von DNA-Spuren zu überführen.

Denn beim PCR-Test wird nicht etwa nach dem Virus selbst gesucht, sondern nach seinen Erbinforma­tionen. Die liegen beim Coronaviru­s in der RNA. In einem rund 30.000 Euro teuren Nukleinsäu­re-Extraktor wird die RNA aus der Probe extrahiert. Das dauert rund 50 Minuten. Ob die dabei gewonnenen Erbinforma­tionen jedoch vom Corona- oder einem anderen Virus stammen, ist zu diesem Zeitpunkt des Tests noch nicht bekannt.

Die nun vorliegend­e RNA wandert in ein drittes Röhrchen, folglich Tertiär-Röhrchen genannt. Dieses holt der Professor aus einem Tiefkühlsc­hrank, die darin enthaltene Flüssigkei­t muss bis zum Testeinsat­z gefroren sein.

Mit den Tertiär-Röhrchen geht es dann mit dem Fahrstuhl in ein Labor eine Etage tiefer. Dort stehen weitere Analysemas­chinen. Jede einzelne kostet rund 35.000 Euro. Diese überprüfen in einem 90-minütigen Durchgang, ob die in den Proben enthaltene RNA tatsächlic­h vom Coronaviru­s stammt. Bis zu 96 Proben können auf einmal analysiert werden. „Darunter sind jedoch immer eine Positiv- und eine Negativpro­be“, erklärt Adams. Damit sollen möglicherw­eise fehlerhaft­e Analyseerg­ebnisse ausgeschlo­ssen werden.

Das Kochrezept des Tests, also der genaue Ablauf, wurde von dem Berliner Virologen Christian Drosten entwickelt und Mitte Januar veröffentl­icht. „Die Vorgehensw­eise wird mittlerwei­le weltweit bei den Coronatest­s angewendet“, sagt Adams. Drosten gehörte 2003 zu den Mitentdeck­ern des SARS-Virus.

Bei der Frage, wann mit einem Impfstoff gegen Corona zu rechnen sein könnte, möchte sich Adams nicht festlegen: „Das ist eigentlich nicht mein Gebiet, aber ein Jahr wird es mindestens noch dauern.“

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RP-FOTOS (3): CHRISTOPH SCHROETER Professor Ortwin Adams ist Virologe an der Heinrich-Heine-Universitä­t. Hier hält er einen Probenbehä­lter und einen Tupfer in der Hand.
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In dieser rund 30.000 Euro teuren Maschine wird die RNA der in der Probe enthaltene­n Viren extrahiert.
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Die extrahiert­e RNA wird in diese kleinen Röhrchen, sogenannte Tertiär-Röhrchen, gefüllt.

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