Hat „AKK“es ge­schafft

Rheinische Post Kevelaer - - Cdu-parteitag -

14.13 Uhr Die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin führt die Eti­ket­ten auf, die ihr an­ge­hef­tet wur­den: „Mi­ni“, „Ko­pie“, „Wei­ter so“. Dem setzt sie ent­ge­gen: „Ich ste­he hier als Mut­ter, als ehe­ma­li­ge Mi­nis­ter­prä­si­den­tin, als Frau, die den Men­schen und die­sem Land 18 Jah­re ge­dient hat.“

14.15 Uhr Die Kan­di­da­tin be­en­det ih­re Re­de fast ex­akt nach 20 Mi­nu­ten mit ei­nem flam­men­den Ap­pell, sie zu wäh­len:„Wir kön­nen, wir wol­len, wir wer­den.“Ihr Mot­to als wo­mög­lich künf­ti­ge CDU-Che­fin.

14.16 Uhr Nach ei­ner ful­mi­nan­ten und un­er­war­tet star­ken Re­de ist nun Fried­rich Merz ge­for­dert.

14.20 Uhr Die Re­de ist zu­nächst kein Feu­er­werk. Merz be­ginnt sehr ner­vös. Zu­gleich gibt es leich­te Schwie­rig­kei­ten mit der Mi­kro­fon­an­la­ge. Der Ton hallt et­was nach.

14.25 Uhr Der Kan­di­dat wird grund­sätz­lich: „Wir sind in Eu­ro­pa viel­leicht die letz­te gro­ße christ­li­che Volks­par­tei. Wir ha­ben ei­ne Ver­ant­wor­tung, die über uns selbst hin­aus­reicht. Kei­ne an­de­re Par­tei in Deutsch­land und Eu­ro­pa ist da­zu bes­ser ge­eig­net als die CDU.“

14.30 Uhr Er blickt weit zu­rück: in die Jah­re 1990 bis 1994. Da­mals herrsch­te, so Merz, un­ge­trüb­ter Op­ti­mis­mus, es war die Re­de vom En­de der Ge­schich­te, vom kom­men­den Zeit­al­ter der De­mo­kra­tie und des Wohl­stands. „Es ist aber an­ders ge­kom­men“, sagt Merz. Und: „Wir konn­ten uns das da­mals nicht vor­stel­len, dass ein Ent­wick­lungs­land na­mens Chi­na zur öko­no­mi­schen Welt­macht wird, dass es ge­walt­sa­me Ver­schie­bung von Gren­zen ge­ben wird, dass je­mand wie Trump zum US-Prä­si­den­ten ge­wählt wird.“

14.32 Uhr Mit der Zeit fängt sich Merz, der von al­len drei­en als bes­ter Red­ner gilt. Er räumt ein, dass sich in der Zeit un­ter Mer­kel vie­les im Land ver­bes­sert ha­be.

14.34 Uhr Doch dann kommt wie­der die An­kla­ge, die man von ihm von den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen kennt: Die Volks­par­tei­en ver­lö­ren an Stim­men, dass die rechts­las­ti­ge AfD die stärks­te Op­po­si­ti­ons­par­tei im Bund ist, sei un­er­träg­lich, die Um­welt­po­li­tik sei vol­ler Wi­der­sprü­che, Ju­gend­li­che er­leb­ten mehr Ge­walt als frü­her, vom Brut­to der Flei­ßi­gen blei­be zu we­nig Net­to. Und dann legt er doch ei­ni­ge rhe­to­ri­sche Le­cker­bis­sen vor. Sei­ne Spit­ze in Rich­tung Do­nald Trump: „Die Ame­ri­ka­ner brau­chen hin und wie­der ei­ne kla­re An­sa­ge. Sie ak­zep­tie­ren Stär­ke und kei­ne Schwä­che.“Und sein Ver­spre­chen an den Os­ten Deutsch­lands: „Wir über­las­sen den Os­ten un­se­res Lan­des nicht den Po­pu­lis­ten von rechts und links.“

14.38 Uhr Merz hat sich in Fahrt ge­re­det, der Ap­plaus wird fre­ne­tisch – vor al­lem von den ei­ge­nen An­hän­gern, die in jün­ge­rer Zeit un­glaub­lich mo­bil­ge­macht ha­ben.

14.43 Uhr Der Red­ner hat schon acht Mi­nu­ten über­zo­gen. Aber sei­ne Schluss­se­quenz kommt an: „Für uns gilt im­mer: Das Land geht vor der Par­tei, und die Par­tei vor je­dem Ein­zel­nen von uns.“Der lan­ge Ap­plaus ver­deckt, dass er schwach be­gon­nen hat.

14.46 Uhr Was bleibt für den schon fast ab­ge­schrie­be­nen Spahn? Er be­ginnt fu­ri­os. Er be­schreibt zu­nächst die vie­len Rat­schä­ge, die er in jüngs­ter Zeit er­hal­ten hat: „Du hast noch so viel Zeit. Nur et­was Ge­duld.“Und dann – Rau­nen im Saal – ver­gleicht er sei­ne Un­ge­duld und sei­ne Kan­di­da­tur mit der deut­schen Ein­heit.

14.52 Uhr Spahn wird et­was ru­hi­ger. Er lis­tet die Pro­ble­me auf und zeigt Lö­sun­gen. „Wir wol­len Jobs und nicht Ar­beits­lo­sig­keit or­ga­ni­sie­ren. Wir brau­chen ei­nen mo­der­nen Pa­trio­tis­mus.“Und: „Die Frei­heit ist un­ter Druck – von lin­ken Mora­lis- ten, von rech­ten Ra­di­ka­len, von re­li­giö­sen Fa­na­ti­kern.“

14.55 Uhr Die­ser Satz Spahns er­klärt sei­ne Ein­stel­lung, nicht zu­rück­zu­zie­hen, ob­wohl ihn vie­le da­zu auf­for­der­ten: „Es fühlt sich rich­tig an, hier zu ste­hen. Und ich lau­fe nicht weg, wenn es eng wird.“

14.58 Uhr Spahn ist so lo­cker, dass er es so­gar mit Hu­mor ver­sucht. „Deutsch­land muss wei­ter von der CDU re­giert wer­den“, ruft er den De­le­gier­ten zu. Die re­agie­ren nicht. „Hier war in mei­ner Re­de Ap­plaus vor­ge­se­hen.“Er hat die La­cher auf sei­ner Sei­te.

15 Uhr Hin­ten im Saal steht ein Men­schen­pulk um ei­nen groß­ge­wach­se­nen Mann her­um. Vi­ta­li Klitsch­ko, Ex-Box-Le­gen­de, Bür­ger­meis­ter von Kiew und Mer­kel-Fan, ist ge­kom­men. Ob er ei­nen Fa­vo­ri­ten hat, will er nicht sa­gen. „Er wä­re auch ein gu­ter Kan­di­dat“, scherzt ein De­le­gier­ter.

15.08 Uhr Rie­si­ger Ap­plaus für Spahn. Die Stim­mung:„AKK“knapp über den Er­war­tun­gen, Merz dar­un­ter, Spahn hält die bes­te, emo­tio­nals­te und mit­rei­ßends­te Re­de. Er war auch am ge­las­sens­ten.

15.10 Uhr Fra­ge­run­de an die Kan­di­da­ten. Er­staun­lich vie­le Fra­gen an Kramp-Kar­ren­bau­er.„Merk­wür­dig“, sagt ein Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter. Der Ap­plaus für die Saar­län­de­rin ist aber deut­lich. Hin­ter den De­le­gier­ten­rei­hen ap­plau­diert ein jun­ger Mann be­son­ders en­ga­giert für „AKK“. Es ist der Sohn von Re­gie­rungs­spre­cher Steffen Sei­bert. Ein klei­nes Zei­chen, wo die Sym­pa­thi­en im Mer­kel-La­ger lie­gen.

17.08 Uhr Fried­rich Merz gra­tu­liert der Sie­ge­rin. Er wünscht Kramp-Kar­ren­bau­er „viel Er­folg und Got­tes Se­gen“. Merz: „Ich ha­be zwar ver­lo­ren, aber es hat in den ver­gan­ge­nenWo­chen trotz­dem Spaß ge­macht.“Er kün­digt aber kei­ne Kan­di­da­tur für ein Spit­zen­amt an.

17.09 Uhr Auch Jens Spahn reiht sich in die Gra­tu­lan­ten ein.„Wir wa­ren in den ver­gan­ge­nen Wo­chen wie ei­ne Rock­band, die durch Deutsch­land tour­te.“Er will für das Prä­si­di­um er­neut kan­di­die­ren.

17.11 Uhr Kramp-Kar­ren­bau­er bit­tet die bei­den Mit­be­wer­ber auf die Büh­ne, um ein Bild der Ei­nig­keit zu pro­du­zie­ren.

17.25 Uhr Glück­wün­sche gibt es auch vom Ehe­mann der neu­en Par­tei­che­fin, Helmut Kar­ren­bau­er: „Ich bin über­wäl­tigt und su­per­glück­lich. Ich ha­be es mir so für sie ge­wünscht, auch wenn es jetzt wei­ter­hin heißt: Helmut al­lein zu Haus.“

20.30 Uhr Ganz so har­mo­nisch wie auf der Büh­ne läuft der Wech­sel im Par­tei­vor­sitz bei den ein­fa­chen Mit­glie­dern nicht. Un­mit­tel­bar nach der Wahl Kramp-Kar­ren­bau­ers ha­be es die ers­ten Par­tei­aus­trit­te ge­ge­ben, be­rich­ten De­le­gier­te aus Ba­den-Würt­tem­berg. Be­grün­dung: Die neue Vor­sit­zen­de ha­be Po­si­tio­nen der CDU im Hand­streich über Bord ge­wor­fen und Ver­spre­chen in Wahl­kämp­fen ge­bro­chen. Bei Twit­ter gibt es schon ei­nen Hash­tag„Par­tei­aus­trit­te“.

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An­ge­la Mer­kel gra­tu­liert ih­rer Nach­fol­ge­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er.

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Die un­ter­le­ge­nen Kan­di­da­ten Fried­rich Merz (r.) und Jens Spahn ver­las­sen die Par­tei­tags­büh­ne. NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent Ar­min La­schet spricht zu den De­le­gier­ten.

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Haupt­sa­che ge­heim: De­le­gier­te hin­ter ih­ren Tisch-Wahl­ka­bi­nen.

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Box-Le­gen­de Vi­ta­li Klitsch­ko macht ein Sel­fie mit De­le­gier­ten.

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