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Ei­ne ge­schnitz­te Fi­gur aus dem Erz­ge­bir­ge gab vie­le Rät­sel auf. Klaus Reiners hat den Lich­ter­trä­ger von Gre­ta Weh­ner an das Ruhr-Mu­se­um auf Zoll­ver­ein ver­ge­ben. Der Is­su­mer Jo­chen Por­beck ging auf Spu­ren­su­che.

Rheinische Post Kevelaer - - Aus Dem Gelderland - VON BI­AN­CA MOKWA

Der Mann ist nicht groß, et­was höl­zern, macht aber je­de Men­ge Ein­druck.„Das ist schon ei­ne ir­re Ge­schich­te“, sagt Pro­fes­sor Hein­rich Theo­dor Grüt­ter an­er­ken­nend. Der Di­rek­tor des Ruhr Mu­se­ums hält den Brief in der Hand, den Klaus Reiners und der Is­su­mer Jo­chen Por­beck samt Fi­gur zum Tref­fen mit Pro­fes­sor Dr. Hans-Pe­ter Noll, de­mVor­stands­vor­sit­zen­de der Stif­tung Zoll­ver­ein, mit­ge­bracht ha­ben.

Der höl­zer­ne Berg­mann hat ei­ne län­ge­re Rei­se hin­ter sich. Der ehe­ma­li­ge Gel­der­ner Reiners kennt sie ziem­lich ge­nau. Die ge­schnitz­te Fi­gur war ein Weih­nachts­ge­schenk von Gre­ta Weh­ner, der Frau von Herbert Weh­ner. Be­kannt ist der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de un­ter an­de­rem für sei­ne Wort­ge­fech­te mit Franz-Jo­sef Strauß. „Er war Wi­der­stands­kämp­fer im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus und ne­ben Wil­ly Brandt Bau­meis­ter der Ost­po­li­tik“, er­klärt Reiners, wasWeh­ner un­ter an­de­rem aus­zeich­ne­te. Und aus des­sen Haus­halt kam die­se Fi­gur.

„Mit die­sem Berg­mann aus dem Erz­ge­bir­ge, den ich in Öland von ei­nem Brett ab­ge­sägt ha­be, möch­te ich Euch fro­heWeih­nach­ten wün­schen“, schrieb Gre­ta Weh­ner 1994 in ih­rem Brief an Fa­mi­lie Reiners.

Aber ab­ge­sägt? Tat­säch­lich gibt es ein Fo­to, das, wie Reiners es nennt, „das En­sem­ble“zeigt. Auf ei­nem Brett steht der höl­zer­ne Berg­mann, da­ne­ben ein klei­nes Deck­chen aus ge­klöp­pel­ter Spit­ze. Ein St­ein, wo­mög­lich ein Stück Erz und ei­ne wei­te­re gold­far­be­ne Form ver­voll­stän­di­gen das En­sem­ble, aus dem der Berg­mann stammt und nun ja, her­aus­ge­sägt wur­de.

Wo­her stammt der Berg­mann aber nun wirk­lich? Beim Is­su­mer Jo­chen Por­beck wur­de der For­scher­drang ge­weckt. Er war jah­re­lang als In­ge­nieur im St­ein­koh­le­berg­bau tä­tig und ging auf Spu­ren­su­che. „Die Wur­zeln de volks­tüm­li­chen Schnit­zens im Erz­ge­bir­ge sind im Berg­bau zu fin­den“heißt es in dem Buch, das Auf­schluss gibt über „Schnit­zen im Land­kreis Annaberg“. Por­beck wand­te sich au­ßer­dem an die Deut­sche Stif­tung Denk­mal­schutz. Von da kam der Ver­weis auf das Stadt­und Berg­bau­mu­se­um in Freiberg und das Erz­ge­birgs­mu­se­um in Annaberg.

Die Su­che ging wei­ter. Nach ei­ner ers­ten Ein­schät­zung aus Annaberg-Buch­holz stam­me die Schnitz­ar­beit aus dem Raum Schnee­berg. Mit Claus Leich­sen­ring war ein Au­tor ge­fun­den, der sich sehr in­ten­siv mit der Ma­te­rie be­schäf­tig­te. Tat­säch­lich konn­te der Schnit­zer des „Weh­ner­schen Berg­manns“aus­ge­macht wer­den. Rolf Hil­de­brand soll im Zen­trum Erz­ge­bir­gi­sche Volks­kunst be­schäf­tigt ge­we­sen sein um 1980. „Das war ei­ne kom­mu­na­le Ein­rich­tung (ge­gen­über dem Mu­se­um), wo Schnitz­ar­bei­ten und ge­drech­sel­te Fi­gu­ren pro­du­ziert wur­den.“Die In­for­ma­tio­nen stam­men von Bernd Spar­mann aus Schnee­berg, der den Schnit­zer noch selbst kann­te“, heißt es im Schrei­ben vom Stadt- und Berg­bau­mu­se­um Freiberg.

Mit so viel In­for­ma­tio­nen hat­te Por­beck nicht ge­rech­net und ist glück­lich. Er und Reiners sind sich ei­nig, dass die Fi­gur nicht in ei­nem Schrank ver­stau­ben darf. Des­we­gen über­gab Reiners sie bei ei­nem Tref­fen mit Pro­fes­sor Noll an Pro­fes­sor Grüt­ter, mit dem Brief von Gre­ta Weh­ner und ei­nem Fo­to von Herbert Weh­ner vor der Ze­che Mo­no­pol. Die Fi­gur des Lich­ter­trä­gers im Schnee­ber­ger Ha­bit wird nicht in der Dau­er­aus­stel­lung zu se­hen sein, aber zu be­son­de­ren Ge­le­gen­hei­ten, ver­spricht Pro­fes­sor Grüt­ter. Auf je­den Fall ist sie in gu­ten Hän­den. Und vor sei­nerVer­ab­schie­dung tauf­te Reiners den höl­zer­nen Berg­mann schnell noch auf den Na­men „Herbert“. Und das al­les am Bar­ba­ra­tag, dem 4. De­zem­ber, Fest der Schutz­pa­tro­nin der Berg­leu­te.

FO­TO: LOH­MANN/STIF­TUNG ZOLL­VER­EIN

Hein­rich Theo­dor Grüt­ter, Jo­chen Por­beck, Hans-Pe­ter Noll und Klaus Reiners (von links) bei der Über­ga­be des höl­zer­nen Berg­manns.

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