Ma­roh: Der Auf­stieg das Al­ler­wich­tigs­te

Zu­min­dest aus sport­li­cher Sicht und für den KFC Uer­din­gen, doch für den 31 Jah­re al­ten ehe­ma­li­gen slo­we­ni­schen Na­tio­nal­spie­ler ste­hen an­de­re Wer­te ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te: Lie­be, Treue und Hei­mat.

Rheinische Post Krefeld Kempen - - Sport Lokal - THO­MAS SCHULZE BE­RICH­TET AUS DEM TRAI­NINGS­LA­GER IN BE­LEK

Das Trai­ning ist für zehn Uhr an­ge­setzt. Als die meis­ten Spie­ler ei­ne Vier­tel­stun­de vor Be­ginn zum Platz kom­men, ar­bei­tet ei­ner schon dort mit Tor­hü­ter Tim Schnei­der: Do­mi­nic Ma­roh. Der in­ter­na­tio­nal er­fah­re­ne Rou­ti­nier schießt den Nach­wuchs­kee­per warm.

Ma­roh lacht gern, aber er ist kein Witz­bold, son­dern ei­ner, dem es ernst ist: als Mensch und Pro­fi, ei­ner mit Tief­gang und Rei­fe. Ent­spre­chend re­flek­tiert sind sei­ne Ge­dan­ken über sein Le­ben. „Na­tür­lich ist in der Drit­ten Li­ga al­les ein biss-

„Wenn es den Men­schen

um mich her­um gut geht, bin ich zu­frie­den“

Do­mi­nic Ma­roh

Ab­wehr­spie­ler

chen an­ders“, sagt er. „Von da­her hat die Um­stel­lung et­was Zeit ge­braucht. Aber ich den­ke, dass ich mich sport­lich gut ein­ge­fügt ha­be, wo­bei es mir die Man­schaft sehr ein­fach ge­macht hat.“

Ma­roh: 31 Jah­re alt, her­vor­ge­gan­gen aus der Ju­gend des SSV Reut­lin­gen, 133 Bun­des­li­ga- und 85 Zweit­li­ga­spie­le für Nürn­berg und Köln, mit bei­den Ver­ei­nen in die höchs­te Klas­se auf­ge­stie­gen, Köln nach 25 Jah­ren erst­mals wie­der in ei­nen in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb ge­führt, sie­ben Län­der­spie­le für Slo­we­ni­en – seit Sep­tem­ber beim KFC Uer­din­gen in der Drit­ten Li­ga.

Zu ver­dan­ken hat der KFC das dem 1. FC Köln. Nach sechs Jah­ren wur­de sein Ver­trag dort nicht ver­län­gert. Ma­roh wä­re frei­wil­lig wohl nie ge­gan­gen, ob­wohl er ein Imi ist. So nen­nen sie in Köln Bür­ger, die ur­sprüng­lich nicht aus der Dom­stadt kom­men – en­ne imi­tee­te Köl­sche.

Doch er ist dort in­zwi­schen nicht nur hei­misch ge­wor­den, son­dern ei­ner von ihnen. Drei Mal durf­te er schon beim Ro­sen­mon­tags­zug mit­fah­ren, was in der Dom­stadt ei­nem Rit­ter­schlag gleich­kommt; er ist re­gel­mä­ßig Eh­ren­gast der Nip­pe­ser Bür­ger­wehr und mit sei­nem bes­ten Freund, dem FC-Tor­hü­ter Timo Horn, bei der Grup­pe Qu­er­beat. „Nie mehr Fa­s­tel­ovend“, ist ei­ner ih­rer Hits, den Ma­roh auf sei­nem Smart­pho­ne hat und oft hört. Er ge­nießt die Wert­schät­zung, die ihm auch heu­te noch zu­teil wird, wenn er durch die Stadt geht. Vor al­lem aber liegt ihm die köl­sche Men­ta­li­tät: „In Reut­lin­gen war das Glas im- mer halb leer, in Köln ist es im­mer halb voll.“Und er fei­ert ger­ne Kar­ne­val:„Wenn ei­ne gan­ze Stadt ta­ge­lang so happy ist, das ist ein­fach schön.“

Das ist auch bei ei­nem Auf­stieg der Fall, das hat er in Nürn­berg und Köln er­lebt. „Auf­zu­stei­gen, das ist et­was ganz Be­son­de­res“, sagt er.„Wir müs­sen es in die­ser Sai­son nicht, soll­ten es aber un­be­dingt. Das muss un­ser Ziel sein. Das ist schwie­rig, aber wun­der­bar. Der Auf­stieg ist das Al­ler­wich­tigs­te, und es scha­det si­cher nicht, wenn Spie­ler da­bei sind, die wis­sen, wie es geht.“

Dass der Ab­wehr­spie­ler nicht ein, zwei Li­gen hö­her, son­dern in Kre­feld ge­lan­det ist, ver­dankt der KFC aber nicht nur Ma­rohs Lie­be zur Dom­stadt, son­dern auch sei­ner Frau Mad­len, die er 2009 in Nürn­berg ken­nen ge­lernt hat. „Auch mei­ne Frau ist in Köln sehr glück­lich, woll­te ger­ne in dem Um­feld blei­ben und dort wei­ter ih­rer Ar­beit nach­ge­hen“, sagt Ma­roh und er­klärt, was er bei ei­nem Wech­sel be­denkt, dass es da­bei nicht al­lein um ihn geht: „Es ist die Be­reit­schaft, die Ent­schei­dung für den Partner mit zu tref­fen. Ich möch­te das mei­ne Frau glück­lich ist.Wenn es den Men­schen um mich her­um gut geht, bin ich zu­frie­den.“So be­trach­tet, sei er be­schei­den, aber sport­lich eben enorm ehr­gei­zig.

Be­stän­dig­keit und Treue sind für ihn kei­ne Wort­hül­sen, son­dern ge­leb­te Wer­te, wes­halb er zu­vor nur bei drei Ver­ei­nen war. Und des­halb schätzt er auch Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne. So er­in­nert er sich dar­an, dass er als Kind wö­chent­lich die Bun­des­li- gata­bel­le mit Co­la-Do­sen ge­steckt hat und Uer­din­gen da­bei war. „Die Ent­schei­dung zum KFC zu ge­hen, war definitiv rich­tig“, sagt er. Und mit den Jah­ren wird er auch Kre­feld schät­zen ler­nen. Zahl­rei­che Im­pres­sio­nen mit vie­len Fo­tos aus dem Trai­nings­la­ger des Dritt­li­gis­ten in Be­lek gibt es auch im In­ter­net. Dort fin­den Sie auch al­le Bei­trä­ge zum KFC Uer­din­gen un­ter: www.rp-on­li­ne. de/sport/fussball/kfc-uer­din­gen

FO­TO: JEN­NI­FER SCHIMS

Ei­ne ty­pi­sche Sze­ne aus dem gest­ri­gen Test­spiel in Be­lek ge­gen den ru­mä­ni­schen Erst­li­gis­ten AFC Du­narea Cala­ra­si: Do­mi­nic Ma­roh als sou­ve­rä­ner Ab­wehr­chef.

FO­TO: SCHULZE

Do­mi­nic Ma­roh, jetzt mit dem KFC-Lo­go auf der Ja­cke, ist als Spie­ler mit 1. FC Köln Zweit­li­ga­meis­ter ge­wor­den und auf­ge­stie­gen. Das von ihm mit un­ter­schrie­be­ne Tri­kot für das Ho­tel Ma­xx Roy­al in Be­lek ist im Klub­haus am Trai­nings­platz aus­ge­stellt.

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