Rat­haus brüs­kiert die Fran­zo­sen

Das Part­ner­schafts­ko­mi­tee fuhr zur Ju­bi­lä­ums­fei­er 40 Jah­re Städ­te­part­ner­schaft nach Sées in der Nor­man­die. Dass we­der Bür­ger­meis­ter, sei­ne Stell­ver­tre­ter, Spit­zen aus Ver­wal­tung oder Stadt­rat da­bei wa­ren, fiel un­an­ge­nehm auf.

Rheinische Post Krefeld Kempen - - Willich / Tönisvorst - VON HERIBERT BRINKMANN

TÖNISVORST/SEES 40 Jah­re be­steht die Städ­te­part­ner­schaft zwi­schen Sées in der Nor­man­die und Tönisvorst. Ei­gent­lich ein schö­ner Grund zu fei­ern. Das Part­ner­schafts­ko­mi­tee or­ga­ni­sier­te ei­ne gro­ße Fahrt mit über 100 Teil­neh­mern, doch das Tref­fen blieb nicht oh­ne Pan­nen. Da der jet­zi­ge Tö­nis­vors­ter Bür­ger­meis­ter Tho­mas Go­ßen „auf­grund ei­ner Er­kran­kung ei­nes na­hen An­ge­hö­ri­gen“nicht an der Ju­bi­lä­ums­fahrt teil­neh­men konn­te und we­der ein of­fi­zi­el­ler Ver­tre­ter noch ein Ab­ge­sand­ter aus der Ver­wal­tungs- oder Rats­spit­ze mit­ge­reist noch an­we­send war, wird die Un­ter­schrift un­ter die Ju­bi­lä­ums­ur­kun­de wohl im nächs­ten Jahr in Tönisvorst nach­ge­holt. Das Feh­len ei­nes of­fi­zi­el­len Ver­tre­ters aus dem Rat­haus oder dem durch die Bür­ger­schaft ge­wähl­ten Rat wur­de nicht nur von den „of­fi­zi­el­len Sée­sern“und den Gast­ge­bern, son­dern auch von den mit­rei­sen­den Tö­nis­vorstern zu­tiefst be­dau­ert, ja teils so­gar kri­tisch kom­men­tiert.

Ei­ne gro­ße Grup­pe von über 100 Mit­rei­sen­den war mit zwei Rei­se­bus­sen und meh­re­ren Pri­vat­wa­gen aus Tönisvorst in die fran­zö­si­sche Part­ner­stadt Sées in der grü­nen Nor­man­die ge­reist, um das 40-jäh­ri­ge Städ­te­part­ner­schafts­ju­bi­lä­um in Sées zu fei­ern. Bei ih­rem Tref­fen im ver­gan­ge­nen Jahr in Tönisvorst hat­ten die bei­den Part­ner­schafts­ko­mi­tees ge­mein­sam aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen und fi­nan­zi­el­len Grün­den ver­ein­bart, 2019 die Fei­er­lich­kei­ten in Sées und 2020 in Tönisvorst aus­zu­rich­ten.

Ei­nen Rei­se­bus stellte das Part­ner­schafts­ko­mi­tee Tönisvorst-Sees, der an­de­re Rei­se­bus war be­setzt mit ei­ner gro­ßen Mann­schaft jun­ger Sport­ler der St. Tö­niser Tur­ner­schaft. Das Part­ner­schafts­ko­mi­tee Tönisvorst-Sees, an­ge­führt vom Duo Syl­vie Gü­lich und Micha­el Steeg, und die jun­gen Sport­ler der St. Tö­niser Tur­ner­schaft mit ih­rem Vor­sit­zen­den Chris­ti­an Hülse­mann wur­den of­fi­zi­ell vom Sée­ser Bür­ger­meis­ter Je­an-Yves Hous­se­mai­ne und dem Sée­ser Part­ner­schafts­ko­mi­tee-Vor­sit­zen­den Fre­de­ric Re­nault will­kom­men ge­hei­ßen.

Schon wäh­rend die­ses Emp­fangs hat­te man sich viel zu er­zäh­len, von frü­he­ren Tref­fen, die je­des Jahr, ab­wech­selnd in Sées oder Tönisvorst statt­fin­den. 40 Jah­re be­steht die­se Städ­te­part­ner­schaft und wird durch die Tref­fen im­mer wie­der auf­ge­frischt und auch durch neue mit­rei­sen­de Er­wach­se­ne oder jun­ge Be­su­cher er­neu­ert. Die Fei­ern zu die­sem run­den Ju­bi­lä­um be­stimm­ten den dies­jäh­ri­gen Auf­ent­halt der Tö­nis­vors­ter Be­su­cher.

Nach der ers­ten Nacht in den Gast­fa­mi­li­en ging es dann nach Sain­te Su­zan­ne, ei­ni­ge Dut­zend Ki­lo­me­ter von Sées ent­fernt. Ei­ne Grup­pe be­sich­tig­te die ein­zi­ge Pa­pier­müh­le in Nord­frank­reich. Sehr in­ter­es­sant war ein Ate­lier zur Her­stel­lung von Pa­pier nach tra­di­tio­nel­ler Me­tho­de, wie sie zwi­schen dem 13. und 18. Jahr­hun­dert ge­nutzt wur­den. Die an­de­ren nutz­ten ei­nen Rund­gang auf dem Müh­len­weg. Das frü­he­re Le­ben in In­dus­trie und Hand­werk. Im 18. Jahr­hun­dert be­stimm­te die Er­ve, die durch Sain­te Su­zan­ne fließt. An ihr la­gen 17 Was­ser­müh­len, die von Mül­lern, Ger­bern, Pa­pier­her­stel­lern und Tuch­ma­chern ge­nutzt wur­den.

Am Sams­tag­mor­gen be­such­ten vie­le den Sée­ser Wo­chen­markt, auf dem Pro­duk­te der Re­gi­on meist di­rekt von Bau­ern ver­kauft wur­den. Auch die Sée­ser Ka­the­dra­le, weit über Sees be­kannt, war nur ei­ne der vie­len Se­hens­wür­dig­kei­ten, die man auf­such­te und be­trach­te­te. Ei­ni­ge an­de­re nutz­ten die Ge­le­gen­heit, die schö­ne, grü­ne Nor­man­die zu be­sich­ti­gen und Na­tur pur zu er­le­ben.

Bei­de Part­ner­schafts­ko­mi­tees, ein­mal aus Sees, ein­mal aus Tönisvorst tra­fen sich dann im Sit­zungs­saal des Rat­hau­ses. Da­bei wur­den zu­künf­ti­ge, ge­mein­sa­me Ak­ti­vi­tä­ten be­spro­chen und fest ver­ein­bart. Für das kom­men­de Jahr, al­so 2020, steht ein Ge­gen­be­such der See­ser-De­le

gati­on in Tönisvorst an. Dort wird dann das 40-jäh­ri­ge Städ­te­part­ner­schafts­ju­bi­lä­um mit ei­nem Fest­akt und ei­nem Be­sich­ti­gungs­pro­gramm ge­fei­ert. Dar­über wur­den ers­te Ab­spra­chen ge­trof­fen und ver­bind­lich der Ter­min auf den 21. Mai 2020 fest­ge­legt.

Nach der ge­mein­sa­men Ko­mi­tee­sit­zung wur­de es dann sehr fest­lich. Der Sée­ser Bür­ger­meis­ter Je­an-Yves Hous­se­mai­ne und sein Stell­ver­tre­ter Re­my Du­val hat­ten die bei­den Ko­mi­tees, die Gäs­te und de­ren Gast­ge­ber, so­wie Ver­tre­ter aus In­dus­trie, Han­del und Ge­sell­schaft und Ab­ge­sand­te aus dem Kreis Or­ne in den Eh­ren­saal des Sée­ser Rat­hau­ses ge­la­den. Dort fand der of­fi­zi­el­le Fest­akt zur 40-jäh­ri­gen Städ­te­part­ner­schaft in ei­nem wür­di­gen Rah­men statt. Nach fest­li­chen An­spra­chen, vom Sée­ser Bür­ger­meis­ter Je­anY­ves Hous­se­mai­ne, ei­nem schrift­li­chen Gruß­wort vom Tö­nis­vors­ter Bür­ger­meis­ter Tho­mas Go­ßen, Re­den vom Sée­ser Part­ner­schafts­vor­sit­zen­den Frédé­ric Re­nault und sei­nen Tö­nis­vors­ter Kol­le­gen Syl­vie Gü­lich und Micha­el Steeg wur­den die Ur­kun­den zum Ju­bi­lä­um un­ter­zeich­net und ge­gen­sei­tig Ge­schen­ke aus­ge­tauscht. Un­ter­zeich­ner der Ur­kun­den, text­lich auf Deutsch und Fran­zö­sisch ver­fasst, wa­ren da­ne­ben auch die Eh­ren­vor­sit­zen­den der bei­den Ko­mi­tees Si­mo­ne Du­mage (Sées) und An­ge­la Fre­se (Tönisvorst).

Bei Grün­dung der Städ­te­part­ner­schaft im Jah­re 1979 war in Sées Bür­ger­meis­ter An­dré Du­buis­son in Amt. Er er­in­ner­te an sei­nen Tö­nis­vors­ter Kol­le­gen, den Tö­nis­vors­ter Bür­ger­meis­ter Richard Be­ckers. Die Ju­bi­lä­ums­ur­kun­de un­ter­zeich­ne­te jetzt auch sei­ne Toch­ter Ma­ri­ta Gent­ges-Be­ckers. Sie ist auch seit kur­zem ak­ti­ves Mit­glied des Tö­nis­vors­ter Part­ner­schafts­ko­mi­tees.

Beim Ab­schluss­abend mit küh­lem deut­schen Bier und köst­li­che­mWein oder Cal­va­dos, dem Ap­fel­brannt­wein aus der Nor­man­die, wur­den die ver­gan­ge­nen, ge­mein­sa­men schö­nen Ta­ge noch mal in Er­in­ne­rung ge­bracht. Ei­ne gro­ße Über­ra­schung war dann auch die gro­ße „Ge­burts­tags­tor­te“, die die Gast­ge­ber zum 40. jäh­ri­gen Städ­te­part­ner­schafts­ju­bi­lä­um hat­ten an­fer­ti­gen las­sen.

FO­TOS (2) MICHA­EL STEEG

Bür­ger­meis­ter Je­an-Yves Hous­se­mai­ne emp­fing die Tö­nis­vors­ter De­le­ga­ti­on in Sées. Lie­be­voll wa­ren die Fei­er­lich­kei­ten zur 40-jäh­ri­gen Städ­te­part­ner­schaft vor­be­rei­tet wor­den.In Tönisvorst wird das Ju­bi­lä­um erst im nächs­ten Jahr ge­fei­ert.

Im Rat­haus von Sées wur­den die Gäs­te aus Tönisvorst emp­fan­gen.

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