400 Mil­lio­nen Ton­nen we­ni­ger Koh­le für RWE

Rheinische Post Krefeld - - WIRTSCHAFT - VON ANT­JE HÖ­NING UND ANDRE­AS SPEEN

Das NRW-Ka­bi­nett ver­ab­schie­det den Ent­wurf zur Lei­tent­schei­dung. Jetzt müs­sen die Bag­ger 400 Me­ter vor Holz­wei­ler stop­pen. „Die Jah­re der Braun­koh­le sind ge­zählt“, sagt Rei­ner Prig­gen. Die IG BCE hofft da­ge­gen auf Nach­bes­se­rung.

DÜSSELDORF RWE hat­te mit al­len Mit­teln ver­sucht, die Lan­des­re­gie­rung von ih­rem Plan ab­zu­brin­gen. Sechs Land­tags­ab­ge­ord­ne­te hat­ten ei­nen nicht-öf­fent­li­chen Brief nach Düsseldorf ge­schrie­ben, da­mit die Bag­ger bis weit an die Ort­schaf­ten her­an ab­bau­en dür­fen. Doch ver­geb­lich. Ges­tern mach­te das Ka­bi­nett um SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft ernst. Es ver­ab­schie­de­te den Ent­wurf zur Lei­tent­schei­dung Braun­koh­le, mit dem der Ab­bau in Garz­wei­ler II kräf­tig ein­ge­schränkt wird. „Die Lei­tent­schei­dung legt fest, dass der Ta­ge­bau Garz­wei­ler II so zu ver­klei­nern ist, dass die Ort­schaft Holz­wei­ler, die Sied­lung Dackweiler und der Hau­er­hof nicht um­ge­sie­delt wer­den“, teil­te die Staats­kanz­lei mit. Da­mit bleibt gut 1400 An­woh­nern die Um­sied­lung er­spart. Zu­gleich be­deu­tet dies, dass RWE 400 Mil­lio­nen Ton­nen we­ni­ger aus der Er­de ho­len darf. Garz­wei­ler hat ei­nen Vor­rat von 1,2 Mil­li­ar­den Ton­nen.

Der Be­schluss sieht vor, dass der Ta­ge­bau nur von zwei Sei­ten an Holz­wei­ler her­an­rü­cken darf, um ei­ne In­sel­la­ge des Dorfs in der Koh­le­gru­be zu ver­hin­dern: „Als Min­dest­ab­stand zur Ab­bau­gren­ze wer­den 400 Me­ter fest­ge­legt.“Bis­lang durf­ten die Bag­ger bis auf 100 Me­ter her­an­rü­cken. Kein Er­bar­men gibt es da­ge­gen für die Ein­zel­hö­fe Eg­gera­ther Hof, Wey­er­hof und Roit­zer­hof. Sie müs­sen wei­chen.

Rei­ner Prig­gen, wirt­schafts­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen, ist zu­frie­den: „Die Lan­des­re­gie­rung macht klar, dass die Jah­re der Braun­koh­le ge­zählt sind. Es ist ein gro­ßer Er­folg, dass die Bag­ger nun 400 Me­ter vor Holz­wei­ler stop­pen müs­sen. Noch bes­ser wä­re es, wenn wir nach dem Vor­bild der St­ein­koh­le deut­lich frü­her aus der kli­ma­feind­li­chen Braun­koh­le aus­stei­gen. Doch das ist mit RWE und den Ge­werk­schaf­ten lei­der nicht zu ma­chen.“

Mehr noch: Die­se hof­fen, dass man an der 400-Me­ter-Gren­ze noch

Braun­koh­le­ta­ge­bau Garz­wei­ler et­was än­dern kann. Zwar si­che­re das Land mit dem Ent­wurf vie­le gu­te Ar­beits­plät­ze, sag­te IG-BCEChef Michael Vas­si­lia­dis un­se­rer Re­dak­ti­on. „Es gibt al­ler­dings Er­läu­te­rungs­be­darf in ein­zel­nen Punk­ten wie dem vor­ge­se­he­nen Min­dest­ab­stand zur Ab­bau­gren­ze. Des­sen Be­grün­dung wer­den im wei­te­ren Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren zu klä­ren sein.“

Das ist lang­wie­rig: Am 29. Sep­tem­ber stellt NRW die Plä­ne den Bür­gern vor, die zwei Mo­na­te lang Ein­wän­de vor­brin­gen dür­fen. Dann wird der Braun­koh­len-Plan laut Land ge­än­dert und in ei­nem mehr­jäh­ri­gen (!) Ver­fah­ren um­ge­setzt. Den Um­welt­schüt­zern geht al­les nicht weit ge­nug: „Die Lan­des­re­gie­rung ka­pi­tu­liert ein­mal mehr vor den Berg­bau-In­ter­es­sen des RWE“, er­klär­te der BUND. Ihn stört der Satz der Re­gie­rung, der RWE so freut: „Der Braun­koh­len­ab­bau ist zur Ener­gie­ver­sor­gung auch nach 2030 wei­ter­hin er­for­der­lich.“

Ob wirk­lich nach 2030 noch Braun­koh­le im rhei­ni­schen Re­vier ab­ge­baut wird, darf in­des be­zwei­felt wer­den. Das Land legt nur die För- der­men­ge fest, nicht die Zeit. Doch die Sen­kung der För­der­men­ge ent­spricht (ge­mes­sen an der ge­gen­wär­ti­gen För­der­men­ge) ei­ner Ver­kür­zung der Ab­bauzeit um vier Jah­re. Of­fi­zi­ell geht RWE zwar da­von aus, dass sei­ne Ta­ge­baue Garz­wei­ler und Ham­bach bis Mit­te des Jahr­hun­derts aus­ge­kohlt wer­den, In­den bis 2030. In­tern rech­net man aber längst mit ei­nem weit frü­he­ren En­de, zu­mal vie­le Braun­koh­le­Kraft­wer­ke aus Kli­ma­schutz­grün­den vom Netz müs­sen und im­mer we­ni­ger Braun­koh­le be­nö­tigt wird.

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