Mo­jo Men­dio­la 63-jäh­rig ge­stor­ben

Rheinische Post Krefeld - - KRE­FEL­DER KUL­TUR -

(vo) Er war ein un­ru­hi­ger Geist, ei­ner, der auf der Gren­ze von Wis­sen­schaft, Kunst, Mu­sik und Jour­na­lis­mus wirk­te. Für die Rhei­ni­sche Post hat er lan­ge Jah­re Mu­sik­kri­ti­ken ge­schrie­ben – ei­ne Kunst für sich. Zu­letzt ha­ben ihn Krank­hei­ten, vor al­lem ei­ne Lun­gen­schwä­che, ge­plagt. Den­noch kam die Nach­richt über­ra­schend: Mo­jo Men­dio­la ist am Frei­tag im Al­ter von 63 Jah­ren ge­stor­ben. Sei­ne Stim­me wird feh­len.

Mo­jo Men­dio­la war sein Künst­ler­na­me; ge­bo­ren wur­de er als Nor­bert Schaaf – die Wahl ei­nes Pseud­onyms zeigt, wie sehr er sich als Künst­ler de­fi­nier­te. Auch sein Le­bens­lauf zeigt, dass er über Jah­re schwank­te, ob er sich nun für ei­nen bür­ger­li­chen Be­ruf oder ei­ner Künst­ler­exis­tenz ent­schei­den soll­te. Ent­schie­den hat er sich am En­de nie.

Men­dio­la stu­dier­te in Düs­sel­dorf Ger­ma­nis­tik und Ang­lis­tik-Ame­ri­ka­nis­tik. Sei­ne Ar­beit als Sän­ger und Song­wri­ter für Folk und Blues führ­te ihn in den 70er Jah­ren nach Ams­ter­dam, Lon­don und New York. Dort zähl­te er 1981 ne­ben Su­zan­ne Ve­ga zu den Ge­win­nern des „New York Song­wri­ters in Con­cert“-Wett­be­werbs. 1983 be­gann er in Ham­burg, als Au­tor und Jour­na­list zu ar­bei­ten, vor al­lem für Mu­sik­fach­zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen. Er schrieb das Kin­der­buch „Pal­le Puz­zle­büx und die Kin­der der of­fe­nen Stadt“so­wie den Sa­ti­re-Band „Hel­mut Lich­ter­gang er­klärt Deutsch­land“.

2007 zog er nach Kre­feld, ver­fass­te 2008 mit Gün­ter Holt­hoff das Buch „50 Jah­re Jazz­kel­ler Kre­feld“und schrieb für un­se­re Re­dak­ti­on vor al­lem Mu­sik­kri­ti­ken – be­son­ders bei sei­nen Tex­ten über Jazz war zu spü­ren, wie tief er die­se Mu­sik kann­te. Künst­le­risch kon­zen­trier­te er sich auf di­gi­ta­ler Ma­le­rei­en und Mi­xed Me­dia Ob­jek­te – mit Aus­stel­lun­gen in Kre­feld, Kem­pen, Mo­ers, Düs­sel­dorf, De­troit und New York.

Bei sei­nen Mu­sik­kri­ti­ken ver­stand er es, bei fei­nem Ge­brauch der deut­schen Spra­che sei­ne Ana­ly­sen am An­spruch der Re­zen­sier­ten aus­zu­rich­ten. So wür­dig­te er mu­si­ka­li­sche Leis­tun­gen kri­tisch mit Lob und Ta­del, oh­ne aus den Au­gen zu ver­lie­ren, wer da an wel­chem Maß­stab zu mes­sen war.

Bei all dem war er zu ein­sa­men Spit­zen­leis­tun­gen fä­hig – et­wa bei sei­nem vor­be­rei­ten­den Stück über die Auf­füh­rung der „Car­mi­na Bura­na“in Kre­feld – was und wie er da über Ge­schich­te, Edi­ti­on, Mu­sik und Re­zep­ti­on ge­schrie­ben hat, war ver­blüf­fend her­aus­ra­gend. Nun ist sei­ne Stim­me für im­mer ver­stummt – zu früh.

RP-AR­CHIV: T. L.

Mo­jo Men­dio­la.

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