Kom­mu­nal­po­li­tik: Auf­trag mit Ver­fas­sungs­rang

Rheinische Post Krefeld - - Stadtpost -

(vo) Die Wür­de der Kom­mu­nal­po­li­tik ist im Grund­ge­setz ver­an­kert. In Ar­ti­kel 28 heißt es: „Den Ge­mein­den muss das Recht ge­währ­leis­tet sein, al­le An­ge­le­gen­hei­ten der ört­li­chen Ge­mein­schaft im Rah­men der Ge­set­ze in ei­ge­ner Ver­ant­wor­tung zu re­geln.“Die Selbst­ver­wal­tung ge­hört zur Ge­wal­ten­tei­lung in un­se­rem Land und ver­dankt sich prag­ma­ti­schen wie bit­te­ren his­to­ri­schen Über­le­gun­gen: Zum ei­nen wis­sen die Leu­te im Dorf am bes­ten, wie man die Kir­che im Dorf lässt; zum an­de­ren ha­ben die Na­zis vor­ge­macht, dass to­ta­li­tä­re Macht­über­nah­me nach al­len Ebe­nen greift, auch nach der kom­mu­na­len.

Phi­li­bert Reu­ters ist ei­nes von 58 Rats­mit­glie­dern in Kre­feld und Vor­sit­zen­der der CDU-Frak­ti­on. Er kam zur Kom­mu­nal­po­li­tik wie der Sohn zur Mut­ter: Sie war im­mer schon da. „Mein Groß­va­ter war Bür­ger­meis­ter in Hüls; ich kom­me aus ei­nem sehr po­li­ti­schen Haus­halt,“be­rich­tet er. Vor 40 Jah­ren ist der 56-jäh­ri­ge Hül­ser in die Hül­ser Jun­ge Uni­on ein­ge­tre­ten. Auch sol­ches En­ga­ge­ment hat er von klein auf prak­ti­ziert: „Ich war in der christ­li­chen Ju­gend­ar­beit bei den Hül­ser St. Ge­org-Pfad­fin­dern al­les vom Wöl­fling bis zum Ro­ver.“Zur JU kam er auf Ein­la­dung ei­nes Freun­des; es ge­fiel ihm und er blieb. „Ich ha­be mich nie sehr da­mit be­schäf­tigt, war­um es mir Spaß macht – ich ma­che es“, re­sü­miert er.

Kom­mu­nal­po­li­tik hat Reu­ters von der Pi­ke auf ge­lernt: Er be­gann als Hül­ser Be­zirks­po­li­ti­ker, wur­de 1999 Rats­mit­glied und vor fast fünf Jah­ren CDU-Frak­ti­ons­chef. Auch wenn die Rats­mit­glied­schaft ein Eh­ren­amt ist: Folgt man Reu­ters, ist Kom­mu­nal­po­li­tik spä­tes­tens auf die­ser Füh­rungs­ebe­ne fak­tisch ein Full­time-Job. „Wenn man es rich­tig macht und ernst nimmt, ist es ein Acht-, manch­mal ein 14-St­un­den-Tag“, sagt Reu­ters. Sit­zun­gen, die Vor­be­rei­tun­gen dar­auf, Ge­sprä­che, Netz­werk­pfle­ge, Gre­mi­en­ar­beit. Reu­ters kann dies mit sei­nem Be­ruf ver­ein­ba­ren; er ist als Fir­men­be­ra­ter selbst­stän­dig und kann sich sei­ne Zeit ein­tei­len. Die Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für die Rats- und Gre­mi­en­ar­beit be­zeich­net er als „or­dent­lich“.

Die Ba­lan­ce aus Be­ruf und Kom­mu­nal­po­li­tik zu wah­ren ist schwie­rig; im­mer we­ni­ger Men­schen fin­den sich be­reit, in die­sen Spa­gat zu ge­hen und die Mehr­ar­beit zu stem­men. Das Land NRW hat da­her 2017 das „Lan­des­ge­setz zur Stär­kung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung“be­schlos­sen; da­zu ge­hör­ten Er­hö­hun­gen der Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen für kom­mu­na­le Funk­ti­ons­trä­ger. Der Grund ist evi­dent: Kom­mu­nal­po­li­tik ist ein Pfei­ler un­se­res Staa­tes.

RP-AR­CHIV: T.L.

Phi­li­bert Reu­ters (56), CDU-Frak­ti­ons­chef.

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