Lok­füh­rer und das Ge­fühl beim Fah­ren

Lok­füh­rer Micha­el Grü­ter kam über Um­we­ge zur Bahn. Sein Be­ruf bie­tet ihm im­mer wie­der traum­schö­ne Mo­men­te, am Rhein zum Bei­spiel. Das Fah­ren selbst ist auch ei­ne Kunst, zum Bei­spiel um Ener­gie zu spa­ren.

Rheinische Post Krefeld - - Stadtpost - VON JENS VOSS

Micha­el Grü­ter hat ei­nen Be­ruf, der als Traum al­ler klei­nen Jun­gen gilt: Er ist Lok­füh­rer bei der Bahn. Der 38-Jäh­ri­ge ist ein Spät­be­ru­fe­ner. Er war bis vor drei Jah­ren Aus­bil­der für Elek­tro­tech­nik bei Voith Pa­per, bis der Kre­fel­der Sitz des Un­ter­neh­mens auf­ge­löst wur­de. Grü­ter wech­sel­te zur Deut­schen Bahn, DB Re­gio NRW, mach­te ei­ne Aus­bil­dung zum Lok­füh­rer und ist seit ei­nem Jahr im Di­enst. Sein Traum­be­ruf? „Ich hab mich schon als Kind für die Bahn in­ter­es­siert“, sagt er schmun­zelnd.

Ei­ne klas­si­sche Mo­dell­ei­sen­bahn­kar­rie­re vom Typ „War­um ist un­ser Kel­ler so klein, ich brauch mehr Platz für mei­ne Bahn­land­schaft“hat er aber nicht hin­ter sich. „Ich hab mich vor al­lem für die gro­ße Tech­nik in­ter­es­siert“, sagt der Kre­fel­der. Heu­te al­so steu­ert er gro­ße Tech­nik und ge­hört da­mit zu 1750 Re­gio-Lok­füh­rern in NRW, die tag­ein tag­aus, nachts und fei­er­tags den Zug­ver­kehr steu­ern und da­für sor­gen, dass Deutsch­land auf Schie­nen mo­bil ist.

Grü­ter ist auf zwei Lok­bau­rei­hen und ei­nem Trieb­zug aus­ge­bil­det. Mit dem Trieb­zug fährt er auf der Stre­cke der Li­nie RB 33 zwi­schen Aa­chen und Duis­burg. Beim Trieb­zug ist der An­trieb auf al­le Wa­gen des Zu­ges ver­teilt.

Wo frü­her das Zug­fah­ren noch über vie­le Schal­ter ge­re­gelt wur­de, hilft heu­te Kol­le­ge Com­pu­ter. „Die Ge­schwin­dig­keit wird über ei­nen Joy­stick ge­re­gelt“, be­rich­tet Grü­ter. Den­noch sind der Fah­rer und sein Ge­fühl ge­fragt. „Man muss sehr kon­zen­triert sein“, be­rich­tet Grü­ter. So müs­sen Lok­füh­rer per Wach­sam­keits­tas­te si­gna­li­sie­ren, dass sie die Si­gna­le auf der Stre­cke re­gis­triert ha­ben; ver­ges­sen sie das, legt der Zug ei­ne Voll­brem­sung hin. Fah­re­ri­sches Kön­nen ist beim The­ma Ener­gie­spa­ren ge­fragt: „Der Fahr­stil ent­schei­det auch über den Ener­gie­ver­brauch“, be­rich­tet Grü­ter. Über ein ge­fühl­vol­les Wech­sel­spiel von Be­schleu­ni­gung und Aus­rol­len las­sen sich übers Jahr Tau­sen­de Ki­lo­watt­stun­den ein­spa­ren. „Hier fin­det zwi­schen den Lok­füh­rern ei­ne Art Wett­be­werb statt“, sagt Grü­ter.

Er ar­bei­tet in Wech­sel­schicht, hat­te dies­mal auch an Hei­lig­abend bis 14 Uhr und am 1. Weih­nachts­fei­er­tag Früh­schicht ab 3.40 Uhr. Ne­ben der Fas­zi­na­ti­on für Tech­nik gibt es im­mer wie­der schö­ne Mo­men­te in sei­nem neu­en Be­ruf. „Wenn ich auf der Stre­cke zwi­schen Mön­chen­glad­bach und Ko­blenz auf dem RE 8 oder dem RB27 im Ein­satz bin, fährt man ab Bonn-Ober­kas­sel am Rhein ent­lang. Das ist sehr schön. Der Fluss, das Tal, die Bur­gen, das ist im­mer wie­der sehr in­ter­es­sant“, sagt Grü­ter. Lok­füh­rer gilt of­fen­bar nicht zu Un­recht als Traum­be­ruf. Grü­ter wür­de sich auch über neue Kol­le­gen freu­en, die ih­ren Traum zum Be­ruf ma­chen wol­len. Denn die Bahn sucht neue Lok­füh­rer.

FO­TO: ANDRE­AS BI­SCHOF

„Wenn ich zwi­schen Mön­chen­glad­bach und Ko­blenz im Ein­satz bin, fährt man ab Bonn am Rhein ent­lang. Das ist sehr schön.“: Micha­el Grü­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.