Mil­des Ur­teil – Be­wäh­rungs­stra­fe für Fa­mi­li­en­va­ter

Rheinische Post Langenfeld - - Lokales - VON TO­BI­AS BRÜCKER

LE­VER­KU­SEN Drei Män­ner ge­hen auf Die­bes­tour in Köln und Le­ver­ku­sen, ei­ner aus dem Trio wird in bei­den Fäl­len er­wischt. Jetzt muss­te sich der Fa­mi­li­en­va­ter we­gen der bei­den De­lik­te vor dem Amts­ge­richt in Op­la­den ver­ant­wor­ten. Er zeig­te sich ge­stän­dig und be­reu­te die Ta­ten.

Dem­nach ha­be er am 29. Ju­ni des ver­gan­ge­nen Jah­res in Köln mit den nicht nä­her be­kann­ten Kom­pli­zen in ei­nem Ge­schäft Klei­dung der Mar­ke s.Oli­ver steh­len wol­len. Po­li­zis­ten wur­den auf die Sze­ne­rie auf­merk­sam, als sei­ne Mit­tä­ter T-Shirts und Hem­den in ei­ne vom Be­schul­dig­ten auf­ge­hal­te­ne Ta­sche stopf­ten. „Ich war so hek­tisch, weil ich das vor­her noch nie ge­macht hat­te“, sag­te der 32-Jäh­ri­ge auf der An­kla­ge­bank.

Sei­nen An­fang nahm die gan­ze Ak­ti­on in ei­ner Spiel­hal­le in Gelsenkirchen, dem der­zei­ti­gen Wohn­ort des Man­nes. Seit 2011 bis En­de 2017 sei er ar­beits­los und in Geld­not ge­we­sen. Sei­ne Frau und die drei Kin­der hät­ten teil­wei­se nicht mal et­was Ess­ba­res im Kühl­schrank ge­habt. An den Spiel­au­to­ma­ten ha­be er ver­sucht, Geld zu ver­die­nen – ver­geb­lich. Dort hät­ten die zwei Mit­tä­ter von Köln den Be­schul­dig­ten an­ge­spro­chen und ihm 50 Eu­ro ver­spro­chen. Das Geld ha­be ihn ge­lockt, be­kom­men ha­be er es we­gen des ver­geb­li­chen Dieb­stahls aber nie.

So hät­te die Grup­pe ihn ei­ni­ge Wo­chen spä­ter er­neut „an­ge­hau­en“. „Ich glau­be, die ma­chen das öf­ter – und hat­ten nur zu we­nig Leu­te“, er­klär­te der 32-Jäh­ri­ge. Dies­mal ging es am 6. Ok­to­ber 2017 nach Le­ver­ku­sen – in den Si­destep-Shop der Rat­haus-Ga­le­rie. Der La­den, so wun­der­te sich der Mann jetzt vor Ge­richt, sei aber to­tal of­fen ge­we­sen.

Und so kam es, wie es kom­men muss­te: Wäh­rend die Ban­de, be­ste­hend aus vier Leu­ten, die Schu­he im Gesamtwert von 859 Eu­ro in der Ta­sche ver­schwin­den ließ, wur­de ei­ne Si­cher­heits­kraft auf die Män­ner auf­merk­sam, die dar­auf­hin flo­hen.

Wäh­rend die­ser Flucht ent­stand dann zwi­schen dem Se­cu­ri­ty­mann und dem An­ge­klag­ten ei­ne klei­ne Ran­ge­lei, die auf dem Bo­den des Ein­kaufs­cen­ters en­de­te. Da­bei trug der De­tek­tiv ei­ne Wun­de über dem Au­ge da­von. „Ich woll­te ihn aber nie­mals ver­letz­ten“, be­ton­te der Be­schul­dig­te.

Weil er al­ler­dings ein Mes­ser bei sich hat­te, wur­de ju­ris­tisch aus ei­nem ein­fa­chen Dieb­stahl ein räu­be­ri­scher – auch wenn der Mann be­teu­er­te, nie­mals an das Mes­ser ge­dacht zu ha­ben.

Im Nor­mal­fall kommt man mit so ei­ner Tat nicht un­ter drei Jah­ren Frei­heits­stra­fe weg. Doch so­wohl die Staats­an­walt­schaft als auch die Ver­tei­di­gung be­wer­te­ten die Tat als ei­nen min­der schwe­ren Fall – auf­grund der da­ma­li­gen Le­bens­ver­hält­nis­se des An­ge­klag­ten. Au­ßer­dem ha­be er nun ei­nen Job, sei­ne So­zi­al­pro­gno­se sei gut. Da­her kam er mit ei­nem Jahr und drei Mo­na­ten auf Be­wäh­rung da­von.

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