Sel­te­ner Geld bei Bahn-Ver­spä­tun­gen

Die EU-Staa­ten wol­len den Ent­schä­di­gungs­an­spruch bei hö­he­rer Ge­walt ab­schaf­fen.

Rheinische Post Mettmann - - Vorderseit­e -

BRÜS­SEL (dpa) Bahn­rei­sen­de in Eu­ro­pa sol­len nach dem Wil­len der EU-Staa­ten künf­tig we­ni­ger Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che bei Ver­spä­tun­gen ha­ben. Die EU-Ver­kehrs­mi­nis­ter ver­stän­dig­ten sich am Mon­tag dar­auf, Bahn­un­ter­neh­men in Fäl­len hö­he­rer Ge­walt – et­wa bei ex­tre­men Wet­ter­be­din­gun­gen – von der Ent­schä­di­gungs­pflicht zu be­frei­en. Be­vor die Än­de­run­gen in Kraft tre­ten kön­nen, müss­te noch ei­ne Ver­stän­di­gung mit dem Eu­ro­pa­par­la­ment ge­fun­den wer­den – und das ist bis­lang frag­lich.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te 2017 vor­ge­schla­gen, dass Bahn­un­ter­neh­men – ähn­lich wie et­wa Air­lines – bei Ver­spä­tun­gen oder Aus­fäl­len nicht zah­len müss­ten, wenn sie die da­für ver­ant­wort­li­chen Um­stän­de nicht hät­ten ver­mei­den kön­nen. Das Eu­ro­pa­par­la­ment hat­te sich be­reits 2018 ge­gen die­se Än­de­rung aus­ge­spro­chen. Mit der Be­frei­ung von der Haf­tung in Fäl­len hö­he­rer Ge­walt wür­den fai­re Wett­be­werbs­be­din­gun­gen ge­gen­über an­de­ren Ver­kehrs­trä­gern ge­schaf­fen, hieß es von den Ver­kehrs­mi­nis­tern nun.

Die EU-Staa­ten ver­stän­dig­ten sich dar­über hin­aus dar­auf, dass die Fir­men Bahn­fah­rer bes­ser über ih­re Rech­te auf­klä­ren soll­ten. Zum Bei­spiel soll­te ei­ne Zu­sam­men­fas­sung der Rech­te künf­tig auf dem Fahr­schein an­ge­ge­ben wer­den.

Der Chef der Bun­des­zen­tra­le Ver­brau­cher­ver­band, Klaus Mül­ler, nann­te die Ein­schrän­kung der Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che ei­ne „fal­sche und pa­ra­do­xe Ent­schei­dung“.

Er warf den Mi­nis­tern so­wie Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er vor, da­mit Fahr­gast­rech­te ab­zu­sen­ken.

Bahn­pas­sa­gie­re hier­zu­lan­de kön­nen der­zeit bei ei­ner ab­seh­ba­ren Ver­spä­tung von 20 Mi­nu­ten am Ziel­bahn­hof ei­nen an­de­ren Zug neh­men. Soll­te die­ser teu­rer sein, er­hal­ten sie die Dif­fe­renz spä­ter zu­rück. Zu­dem er­stat­tet die Bahn ab ei­ner Ver­spä­tung von ei­ner St­un­de am Ziel­bahn­hof ein Vier­tel des Fahr­prei­ses. Ab zwei St­un­den ist es die Hälf­te. Kun­den müs­sen da­für al­ler­dings ein ana­lo­ges For­mu­lar aus­fül­len und die­ses an die Deut­sche Bahn sen­den. Die Bahn hat an­ge­kün­digt, Er­stat­tun­gen auch on­line mög­lich zu ma­chen. Das kann al­ler­dings noch dau­ern.

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