„Ich spü­re das Ver­trau­en des Trai­ners“

Bo­rus­si­as Schwei­zer spricht über sei­ne Spiel­an­tei­le im Mit­tel­feld, die WM und sei­ne Start­elf-Bi­lanz.

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - Sport Lokal -

Es ist Ih­re zwei­te Sai­son im Bo­rus­sia-Park. Glau­ben Sie, dass die­se für Sie schwie­ri­ger ist als die ers­te? ZAKARIAJa, das kann schon sein, aber wir ha­ben auch ei­ne bes­se­re Mann­schaft die­ses Jahr. Wir Spie­ler wol­len uns ver­bes­sern und ha­ben viel Kon­kur­renz. Das ist gut für den Ver­ein, das Team und die Fans. Es ist ein Jahr, in dem ich viel ar­bei­ten muss, noch mehr als letz­tes Jahr. Aber ich den­ke auch, dass es ei­ne po­si­ti­ve Sai­son sein kann, weil ich mehr ma­chen muss, um den nächs­ten Schritt zu ge­hen.

Fällt Ih­nen das schwer, jetzt et­was we­ni­ger zu spie­len, nach­dem Sie ver­gan­ge­ne Sai­son 30 Bun­des­li­ga­spie­le ge­macht ha­ben?

ZAKARIA Das ist nor­mal. Al­le Spie­ler wol­len mehr spie­len und Stamm­kraft sein. Ich blei­be ru­hig und ge­be wei­ter al­les, auch im Trai­ning. Es ist aber klar, dass ich mehr spie­len will.

Jetzt gibt es ein neu­es Sys­tem. Sie sind mal Ach­ter, mal Sech­ser. Müs­sen Sie sich da mehr rein­fin­den? ZAKARIA Ich muss auch erst mei­nen Rhyth­mus fin­den. Wenn du oft spielst, be­kommst du Selbst­ver­trau­en und Au­to­ma­tis­men. Das fehlt mir noch.

Spü­ren Sie das Ver­trau­en des Trai­ners?

ZAKARIA Ja. Wir ha­ben vie­le gu­te Spie­ler, und der Trai­ner muss ent­schei­den. Für mich ist das okay, ich wer­de ein­ge­wech­selt oder spie­le von An­fang an. Al­so ja: Ich spü­re das Ver­trau­en des Trai­ners. Auch wenn ich am liebs­ten im­mer von Be­ginn an spie­len wür­de.

Ist die Un­be­küm­mert­heit, die Sie ver­gan­ge­ne Sai­son hat­ten, noch da? ZAKARIA Ich ha­be im­mer mit Selbst­ver­trau­en ge­spielt und ver­su­che in je­dem Spiel, mein Bes­tes zu ge­ben. Ich will noch mehr ma­chen, mehr To­re, mehr As­sists. Aber das kann nur kom­men, wenn ich spie­le.

Chris­toph Kra­mer ist ver­letzt, Jo­nas Hof­mann auch. Jetzt könn­te Ihr Rhyth­mus kom­men mit ein paar Spie­len am Stück, oder?

ZAKARIA Das stimmt. Wir ha­ben zwei, drei Ver­letz­te und je­der muss sei­ne Chan­ce nut­zen, wenn sie da ist. Viel­leicht ist das jetzt mei­ne Zeit.

Im Schwei­zer Na­tio­nal­team spie­len Sie auf der Dop­pel-Sechs mit dem Ex-Bo­rus­sen Gra­nit Xha­ka. Fällt das Um­den­ken zwi­schen Na­tio­nal­mann­schaft und Ver­ein schwer? ZAKARIA Nein. Ich kann schnell zwi­schen den Sys­te­men wech­seln.

Kön­nen Sie von Xha­ka lernen? ZAKARIA Mit ei­nem sol­chen Spie­ler zu­sam­men­zu­spie­len, bringt ei­nen wei­ter. Er hat sehr viel Er­fah­rung, das kann mir nur hel­fen. Ich will ir­gend­wann sein Ni­veau er­rei­chen.

Wie weit sind Sie auf die­sem Weg? ZAKARIA Ich den­ke nicht, dass ich schon so weit bin wie Gra­nit. (lacht) Aber er hat ei­nen su­per Schritt ge­macht von Glad­bach nach Ar­senal Lon­don. Die­sen Weg will ich auch ma­chen. Nicht, dass ich von Glad­bach weg­ge­hen will, aber ich will auf das Ni­veau kom­men, das Gra­nit er­reicht hat.

Bei Bo­rus­sia ha­ben Sie im Mit­tel­feld viel Kon­kur­renz. Was zeich­net De­nis Zakaria im Be­son­de­ren aus? ZAKARIA Ich den­ke, dass ich ein ro­bus­ter Spie­ler bin, der de­fen­siv gu­te Ar­beit ma­chen, aber auch nach vor­ne ge­hen kann. Was hat Ih­nen die WM in Russ­land ge­bracht?

ZAKARIA Das war ei­ne sehr gu­te Er­fah­rung. Es ist ein­fach toll, so ein Tur­nier zu spie­len. Ich ha­be vie­le Sa­chen ge­lernt in Russ­land. Zum Bei­spiel über Druck. Der war bei ei­ner Welt­meis­ter­schaft noch ein­mal an­ders, sehr hoch. Es war ein biss­chen ein ko­mi­sches Ge­fühl, weil ich nor­ma­ler­wei­se ein Spie­ler bin, der nicht viel Druck ver­spürt, son­dern ein­fach spielt. Aber bei der WM war es wirk­lich ko­misch, weil ich plötz­lich auf­ge­regt war. Ich ha­be aber dar­aus ge­lernt.

Ge­gen Bra­si­li­en wur­den Sie das ers­te Mal ein­ge­wech­selt in Russ­land. Was geht ei­nem da durch den Kopf? ZAKARIA Es war ein Traum, ge­gen Spie­ler wie Ney­mar zu spie­len, ge­gen ei­nen der Bes­ten der Welt. Und in Bra­si­li­en gibt es vie­le gro­ße Spie­ler – ge­gen die die ers­ten WM-Mi­nu­ten zu ha­ben, war wirk­lich un­glaub­lich. Ich ha­be die­se Mi­nu­ten wie ei­nen Traum ge­lebt und mein Bes­tes ge­ge­ben.

Durch die WM sind Sie al­ler­dings spä­ter zu­rück nach Glad­bach ge­kom­men. Hat Ih­nen die Vor­be­rei­tungs­zeit dann hier ge­fehlt mit der Sys­tem­um­stel­lung?

ZAKARIA Ja, ein biss­chen. Die an­de­ren hat­ten schon vie­les über das Sys­tem ge­lernt und ich war et­was spä­ter dran. Ich ha­be dann auch nicht di­rekt ge­spielt, aber wie ich ge­sagt ha­be: Die Mann­schaft hat das auch gut ge­macht, und wenn sie ge­winnt, gibt es kei­nen Grund zu wech­seln. Aber es ist schwer, wenn du von ei­ner Welt­meis­ter­schaft, von ganz oben, zu­rück­kommst und dann bei dei­nem Ver­ein auf der Bank sit­zen musst. Das ist ein ko­mi­sches Ge­fühl.

Bo­rus­sia woll­te vor der Sai­son wie­der mehr Spaß ma­chen. Macht es denn auch den Spie­lern mehr Spaß, so zu spie­len?

ZAKARIA Ja, auf je­den Fall. Es ist wirk­lich schön: Wenn wir aufs Feld ge­hen, ha­ben wir Spaß am Spiel, Spaß dar­an, To­re zu schie­ßen. Wir ma­chen ja auch mehr To­re als letz­tes Jahr. Da war es ein biss­chen schwe­rer, weil wir wirk­lich sehr vie­le ver­letz­te Spie­ler hat­ten. Das war schlecht. Jetzt sind fast al­le da.

Hat der Trai­ner Ih­nen grund­sätz­lich mal ge­sagt, was er von Ih­nen er­war­tet und wie Sie ste­hen?

ZAKARIA Es ist al­les okay bei mir. Ich trai­nie­re gut, ich ma­che al­les gut. Aber wir ha­ben eben auch gu­te Spie­ler, die vie­le Sco­r­er­punk­te ge­macht ha­ben mit As­sists und To­ren. Bei­des ist wich­tig für ei­nen Fuß­bal­ler. Ich kann al­so nur dar­an ar­bei­ten, dass ich mehr spie­le und dann auch mehr To­re und As­sists ma­che.

In die­ser Sai­son hat Bo­rus­sia nur ein­mal ge­won­nen, wenn Sie an­ge­fan­gen ha­ben – ge­gen Schal­ke. Ist das ei­ne Sta­tis­tik, die Sie in­ter­es­siert?

ZAKARIA Ich le­se die­se Din­ge nicht, al­so ist das für mich kein Pro­blem. Ich blei­be fo­kus­siert auf mei­ne Ar­beit, mein Team und ge­be ein­fach mein Bes­tes. Ich den­ke nicht, dass ich, wenn wir ver­lie­ren, der Schwach­punkt die­ser Mann­schaft bin. Wir ver­lie­ren als Mann­schaft und wir ge­win­nen als Mann­schaft.

Am Sonn­tag kommt Stutt­gart. Was muss Bo­rus­sia ma­chen, um zu ge­win­nen?

ZAKARIA Wir wis­sen, dass Stutt­gart die­ses Jahr ei­ne schwie­ri­ge Sai­son hat. Und wir sind ein­fach gut zu Hau­se,

ha­ben al­le sechs Heim­spie­le bis­lang ge­won­nen. Wir müs­sen das zei­gen, was wir kön­nen. Wenn wir auf uns fo­kus­siert sind und un­se­ren Fuß­ball spie­len, kön­nen wir ein sehr gu­tes Spiel ma­chen und es ge­win­nen.

Bo­rus­sia ist in dem Spiel Fa­vo­rit. Geht die Mann­schaft an­ders mit die­ser Rol­le um als in der Vor­sai­son? ZAKARIA Letz­tes Jahr wuss­ten wir nicht im­mer, was am En­de raus­kommt. Wir konn­ten ein Top-Spiel ma­chen und dann wie­der ein sehr schlech­tes. Die­ses Jahr sind wir kon­stan­ter, wir spie­len ei­nen wirk­lich gu­ten Fuß­ball und ha­ben Spaß. Ich hof­fe, dass wir am Sonn­tag die drei Punk­te ho­len und wei­ter so weit oben da­bei blei­ben. Das ist ei­ne gu­te Mo­ti­va­ti­on für uns.

Platz zwei am Sai­son­en­de wür­de Cham­pi­ons Le­ague be­deu­ten. ZAKARIA Wir dür­fen dar­über noch nicht viel spre­chen. Wir müs­sen es Spiel für Spiel an­neh­men. Dann se­hen wir am En­de, wo wir sind. Wir ha­ben letz­tes Jahr auch ei­ne or­dent­li­che Hin­run­de ge­habt mit Ta­bel­len­platz vier und 28 Punk­ten. Da war al­les gut – und in der Rück­run­de ha­ben wir wirk­lich schlecht ge­spielt. Dar­an sieht man: Es kann al­les pas­sie­ren im Fuß­ball. Wir müs­sen ein­fach ru­hig blei­ben.

Aber als jun­ger Spie­ler will man doch auch ein biss­chen träu­men dür­fen, oder?

ZAKARIA Si­cher träu­men wir al­le. Klar – wenn mir ei­ner sagt: Ihr wer­det Ers­ter oder Zwei­ter, un­ter­schrei­be ich das di­rekt. Wir ha­ben al­le die­sen Traum. Aber erst wir müs­sen die Fü­ße auf dem Bo­den be­hal­ten. Wenn du im­mer denkst, dass du Zwei­ter bist und bleibst, dann wirst du am En­de Sieb­ter, und das wä­re schlecht. Jetzt ha­ben wir ei­ne gro­ße Chan­ce – wenn wir ver­nünf­tig blei­ben.

FO­TO: AP/MEISSNER

Beim 4:1-Heim­sieg ge­gen Han­no­ver 96 durf­te Bo­ri­us­si­as ein­ge­wech­sel­ter Mit­tel­feld­mann De­nis Zakaria sein ers­tes Sai­son­tor fei­ern.

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