„99 Pro­zent rei­chen nicht“

Bo­rus­si­as Links­ver­tei­di­ger ver­gleicht Bo­rus­sia 2015 und sagt, war­um es so schwer ist, in der Bun­des­li­ga Er­folg zu ha­ben.

Rheinische Post Moenchengladbach - - Sport -

Os­car Wendt bleibt Bo­rus­si­as Dau­er­bren­ner. In die­ser Sai­son hat er kei­ne Li­ga-Se­kun­de ver­passt, nur im Po­kal­spiel beim BSC Has­tedt wur­de er aus­ge­wech­selt. Sein Ver­trag en­det im Ju­ni 2019, doch dem Ver­neh­men nach wird sich der Kon­trakt au­to­ma­tisch ver­län­gern, wenn der 33-Jäh­ri­ge ei­ne ge­wis­se An­zahl von Spie­len macht. Über sei­ne Zu­kunft, of­fe­ne Räu­me und das Spiel bei Wer­der Bremen am Sams­tag (15.30 Uhr) sprach der Schwe­de im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on.

Herr Wendt, wie gut kann man in der Ka­bi­ne des neu­en We­ser­sta­di­ons fei­ern?

WENDT Sehr gut. Sie mei­nen si­cher we­gen 2015, als wir 2:0 in Bremen ge­won­nen ha­ben. Das war ein gro­ßer Mo­ment für uns, als wir da den drit­ten Platz ge­schafft ha­ben und uns erst­mals di­rekt für die Cham­pi­ons Le­ague qua­li­fi­ziert ha­ben. Da war na­tür­lich ei­ne ziem­lich gu­te Stim­mung nach dem Spiel. Nicht nur in der Ka­bi­ne, son­dern auch auf der nor­ma­ler­wei­se sehr lan­gen Rück­fahrt im Bus. Die Fahrt war da ziem­lich an­ge­nehm.

Muss­te der Bus oft an­hal­ten? WENDT Nicht oft ge­nug. (lacht) Es war top. Es ist ei­ne schö­ne Er­in­ne­rung, aber Ver­gan­gen­heit.

War es ei­ner der schöns­ten Mo­men­te, die Sie in Glad­bach er­lebt ha­ben?

WENDT Auf je­den Fall. Es war ein Ziel von uns, die Cham­pi­ons Le­ague zu schaf­fen. Das war nicht nur für mich schön, son­dern für die gan­ze Mann­schaft, den Ver­ein, die Fans. Das ers­te Mal Cham­pi­ons Le­ague zu spie­len, war et­was Groß­ar­ti­ges, vor al­lem weil wir uns di­rekt qua­li­fi­ziert hat­ten und gu­ten Fuß­ball ge­spielt ha­ben. Es war ei­ne gu­te Sai­son mit ei­ner schö­nen Krö­nung am En­de.

Da­mals hat­ten Sie nach zehn Spiel­ta­gen 20 Punk­te…

WENDT Ach ja? Und jetzt ha­ben wir? (grinst) 20, ge­nau. Ich weiß aber nicht, ob es da Par­al­le­len gibt. Je­de Sai­son hat ihr ei­ge­nes Le­ben. Da­mals war es ei­ne ganz an­de­re Mann­schaft als heu­te, vie­le Spie­ler sind in den drei Jah­ren seit­dem ge­kom­men und ge­gan­gen. Aber die po­si­ti­ve Stim­mung in der Mann­schaft und drum­her­um ist schon ver­gleich­bar. Wir spie­len im Mo­ment auch ei­nen ziem­lich gu­ten Fuß­ball. Ich hof­fe na­tür­lich, dass wir so ei­ne Sai­son wie­der­ho­len kön­nen. Das wä­re fan­tas­tisch.

Bo­rus­sia spielt ei­nen an­de­ren Fuß­ball als 2015. Was hat sich ver­än­dert? WENDT Das Sys­tem ist ein biss­chen an­ders. Wir spie­len vi­el­leicht mit mehr Ri­si­ko, et­was mu­ti­ger, mit mehr Zug zum Tor. Das macht das Spiel ein biss­chen of­fe­ner. Mit Aus­nah­me des Po­kal­spiels ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen krie­gen wir die Ba­lan­ce zwi­schen Of­fen­si­ve und De­fen­si­ve schon ganz gut hin.

Ist das für Sie und Ih­re Po­si­ti­on schwie­ri­ger, weil die Räu­me grö­ßer sind?

WENDT Manch­mal ja, manch­mal nein. Das ist schwer zu sa­gen. Je­des Spiel ist an­ders, je­der Geg­ner un­ter­schied­lich. Mal spie­len wir ge­gen ei­ne Mann­schaft, die sich zu­rück­zieht und auf Kon­ter spie­len will, mal ge­gen Mann­schaf­ten, die gern hö­her ste­hen und uns frü­her at­ta­ckie­ren wol­len. Dann gibt es auch grö­ße­re Räu­me für uns und kür­ze­re We­ge zum Tor, manch­mal eben wei­te­re We­ge und grö­ße­re Räu­me zu ver­tei­di­gen. Aber wir sind mit der Art und Wei­se, wie wir Fuß­ball spie­len, zu­frie­den und je­der ge­nießt die Zeit.

Das Po­kal­spiel war auch für Sie ein ex­trem schwe­res Spiel, oder? WENDT Dass wir am En­de fünf Ge­gen­to­re ge­kriegt ha­ben, war zu viel. Aber wenn die 2:0 füh­ren und wir den An­schluss­tref­fer ma­chen wol­len, gibt es viel Raum für die Le­ver­ku­se­ner, die vor­ne vie­le schnel­le Leu­te ha­ben. Al­ler­dings müs­sen wir man­che Si­tua­tio­nen ein­fach bes­ser ver­tei­di­gen, das ist klar. Es war nicht un­ser Tag. Aber es ist wie mit dem Spiel in Bremen, das uns da­mals den drit­ten Platz ge­si­chert hat: Auch Le­ver­ku­sen ist Ver­gan­gen­heit, wir ha­ben das gut ana­ly­siert und be­spro­chen. Das Wich­tigs­te ist, dass wir dar­aus ler­nen.

Sie ha­ben in Mönchengladbach ein 4-4-2-, ein 3-4-3- und jetzt ein 4-3-3-Sys­tem er­lebt. Ha­ben Sie ein Lieb­lings­sys­tem?

WENDT Nein, ei­gent­lich nicht. Ich will nur Fuß­ball spie­len. Am En­de des Ta­ges geht es dar­um, ein Tor mehr zu schie­ßen als der Geg­ner. Das än­dert sich nicht. Die Vor­aus­set­zun­gen im Fuß­ball sind ja sehr gleich. Es gibt zwar ein paar De­tails, die an­ders sind, wenn man mit Drei­er- oder Vie­rer­ket­te spielt, mit ei­nem oder mit zwei Stür­mern. Da gibt es ver­schie­de­ne Ab­läu­fe. Aber wenn man als Mann­schaft gut zu­sam­men ar­bei­tet und gut spielt, ist es ziem­lich egal, in wel­chem Sys­tem. Al­le sind mit dem Sys­tem zu­frie­den. Es macht Spaß.

Da ha­ben Sie na­tür­lich Glück. Sie ste­hen in je­dem Spiel auf dem Platz und kön­nen Ih­ren Spaß aus­le­ben. Andre­as Poul­sen soll­te Ihr Kon­kur­rent wer­den, aber er ist noch nicht so weit, oder?

WENDT Andre­as hat al­le Mög­lich­kei­ten und das Po­ten­zi­al, ein gu­ter Spie­ler für Bo­rus­sia zu wer­den. Er ist jung und kommt aus Dä­ne­mark – ich ha­be ja fast den­sel­ben Schritt ge­macht, war aber ein biss­chen äl­ter und hat­te schon mehr Spie­le, auch in­ter­na­tio­na­le, weil wir mit Ko­pen- ha­gen auch je­des Jahr Eu­ro­pa­po­kal ge­spielt ha­ben, hin­ter mir. Der Schritt in die Bun­des­li­ga ist aber schon groß. Fuß­ball in Deutsch­land ist noch et­was an­de­res als in Dä­ne­mark. Aber Andre­as wird das auf je­den Fall schaf­fen.

Ihr Ver­trag läuft im Som­mer aus. Es war zu le­sen, dass er sich au­to­ma­tisch ver­län­gert?

WENDT Das müs­sen Sie die­je­ni­gen fra­gen, die das ent­schei­den. Ich ha­be in mei­ner Kar­rie­re nie et­was über mei­ne Ver­trä­ge ge­sagt oder das kom­men­tiert. Und das wer­de ich jetzt nicht an­ders ma­chen. Es ist al­ler­dings kein Ge­heim­nis, dass ich ger­ne bei Bo­rus­sia blei­ben will. Da­für wer­de ich auch al­les tun. Aber ich ha­be in mei­nen Jah­ren als Fuß­ball­spie­ler ge­lernt, dass nur das wich­tig ist, was jetzt pas­siert. Zu­kunft ist Zu­kunft, und im Fuß­ball ha­be ich mehr­mals er­lebt, dass man nie weiß, was sie bringt. Da­her ist für mich nur wich­tig, was ich jetzt be­ein­flus­sen kann und was jetzt ist. Und da ist am Sams­tag Bremen. Al­les an­de­re klä­ren wir in der Zu­kunft.

Was muss man tun in Bremen, um dort er­folg­reich zu sein?

WENDT Ich glau­be, es wird ein sehr gu­tes, sehr span­nen­des Spiel. Bremen hat­te auch ei­nen gu­ten Start in die Bun­des­li­ga. Klar wa­ren die letz­ten bei­den Spie­le nicht so gut, aber Bremen hat ei­ne gu­te Mann­schaft und spielt ei­nen tol­len Fuß­ball. Am Sams­tag gibt es zwei Mann­schaf­ten, die ger­ne Fuß­ball spie­len. Es wird aber schwer. Man sieht ja, wie eng die Sai­son ist, je­des Spiel ist span­nend. Du musst wirk­lich al­les ab­ru­fen, 99 Pro­zent rei­chen nicht. Du musst im­mer an die Gren­ze ge­hen. Es wird ein schwie­ri­ges Spiel, aber wenn wir al­les ab­ru­fen, bin ich da­von über­zeugt, dass wir Punk­te mit­neh­men kön­nen.

Ha­ben Sie dem­nach beim letz­ten Aus­wärts­spiel in Frei­burg beim 1:3 nicht al­les ab­ge­ru­fen?

WENDT Nein, das wür­de ich nicht sa­gen. Wir krie­gen nach zwölf Se­kun­den ei­nen Elf­me­ter ge­gen uns in ei­ner ab­so­lu­ten Pech-Si­tua­ti­on. In 99 von 100 Fäl­len schießt Mat­ze Gin­ter den Ball da aus dem Sta­di­on, jetzt trifft er ei­nen Spie­ler und da­nach gibt es den Elf­me­ter. Aber die Re­ak­ti­on, die wir da­nach ge­zeigt ha­ben, war su­per. Wir ha­ben tol­len Fuß­ball ge­spielt, vie­le Chan­cen kre­iert und das 1:1 ge­macht. In der zwei­ten Halb­zeit ha­ben wir dann al­les ver­sucht mit un­se­rer Art und Wei­se, Fuß­ball zu spie­len. Wir ha­ben bis zum Straf­raum gut ge­spielt, aber der letz­te Pass, die letz­te Flan­ke ha­ben uns an die­sem Tag ge­fehlt. Dann ha­ben die Frei­bur­ger ein­mal gut ge­kon­tert zum 2:1. Es wa­ren nur Klei­nig­kei­ten, die uns ge­fehlt ha­ben. Und es gibt ja auch im­mer noch ei­nen Geg­ner auf dem Platz. Frei­burg hat al­les da­für ge­tan, dass wir kei­ne Chan­cen kre­ieren konn­ten. Die ha­ben mit al­lem ver­tei­digt und die Räu­me für uns eng ge­macht. Am En­de des Ta­ges ha­ben wir da ver­lo­ren, aber man kann nicht sa­gen, dass wir da nicht al­les ab­ge­ru­fen ha­ben.

Was muss man in Bremen an­ders ma­chen?

WENDT Es wird ein völ­lig an­de­res Spiel. Die Bre­mer wer­den uns frü­her at­ta­ckie­ren, hö­her pres­sen, die Räu­me wer­den auf dem gan­zen Platz grö­ßer sein. Sie spie­len zu Hau­se und ha­ben die letz­ten bei­den Spie­le ver­lo­ren – da wer­den sie si­cher et­was tun wol­len. Das wird ein ganz an­de­res Spiel als in Frei­burg. Aber das Gu­te ist: Wir al­le, al­le 26 Spie­ler und der Trai­ner­stab, sind hun­dert­pro­zen­tig über­zeugt von un­se­rer Art, Fuß­ball zu spie­len. Wir wis­sen al­le, was wir auf dem Platz ma­chen müs­sen. Wir müs­sen das nur Spiel für Spiel ab­ru­fen. Das hört sich lang­wei­lig an, aber es ist wirk­lich so. Und wenn wir das je­des Spiel ma­chen, ha­ben wir am En­de ei­ne er­folg­rei­che Sai­son ge­spielt.

Per­so­nal Ni­co El­ve­di, der Pro­ble­me mit dem Sprung­ge­lenk hat­te, hat ges­tern das Ab­schluss­trai­ning vor dem Spiel am Sams­tag bei Wer­der Bremen mit­ge­macht. Das spricht da­für, dass er zu­min­dest im Ka­der ist.

FO­TO: REU­TERS

Os­car Wendt in Ak­ti­on, hier ge­gen Fortu­na Düsseldorf.

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