PER­SÖN­LICH

Rheinische Post Moenchengladbach - - Sport Lokal - VON THO­MAS GRULKE

RU­DERN Ste­fa­nie Weigt muss sich in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten ei­ner har­ten Prü­fung un­ter­zie­hen. Und das be­zieht sich nicht nur auf ih­ren Hoch­schul­ab­schluss in Me­di­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten, den die 22-Jäh­ri­ge als fes­tes Ziel 2019 hat. Nein, um sich auf die Uni in Ham­burg kon­zen­trie­ren zu kön­nen, lässt die ge­bür­ti­ge Mön­chen­glad­ba­che­rin bis zum kom­men­den Herbst auch ih­re Kar­rie­re im Ru­dern ru­hen. „Das Stu­di­um hat jetzt Vor­rang. Ich ma­che lie­ber ei­ne Sa­che rich­tig als zwei mit hal­ber Kraft. An­fangs ha­be ich die Zeit oh­ne har­tes Trai­ning rich­tig ge­nos­sen. Aber mitt­ler­wei­le krib­belt es wie­der in den Fin­gern“, sagt Weigt.

Die Ru­der-Pau­se bie­tet ihr al­ler­dings auch die Ge­le­gen­heit, auf die bis­he­ri­ge Lauf­bahn zu­rück­zu­bli­cken, denn die war kei­nes­wegs ge­wöhn­lich. Erst im Jahr 2012 kommt Weigt erst­mals über ei­ne Schul-Ak­ti­on mit dem Ru­der­sport in Kon­takt, schnell stel­len sich die ers­ten Er­fol­ge ein, und be­reits drei Jah­re spä­ter ge­winnt das Ta­lent des Ru­der­club Ger­ma­nia Düs­sel­dorf ih­re ers­te Me­dail­le bei Deut­schen Meis­ter­schaf­ten. Zwar gibt es nach ih­rem Wech­sel nach Ham­burg ei­nen klei­nen Durch­hän­ger, der ein­her­geht mit ei­nem Band­schei­ben­vor­fall so­wie der knapp ver­pass­ten Qua­li­fi­ka­ti­on für die U23-Welt­meis­ter­schaft 2016 in Rot­ter­dam. Doch dann geht es für die Mön­chen­glad­ba­che­rin wie­der auf­wärts.

„In mei­nem zwei­ten Jahr in Ham­burg ha­be ich mich rich­tig in der neu­en Hei­mat ein­ge­lebt. Und die Ru­der-Ge­sell­schaft Han­sa Ham­burg, für die ich seit 2016 star­te, ist wie ei­ne Fa­mi­lie für mich“, sagt Weigt. Mit ih­rem neu­en Heim­trai­ner Ste­phan Fro­el­ke ar­bei­tet sie fort­an so­wohl an der Phy­sis als auch an der Psy­che – und kommt noch­mals ent­schei­dend vor­an: Bei den U23-Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten 2017 im pol­ni­schen Krus­zwi­ca ge­winnt sie mit der Stutt­gar­te­rin Ja­ni­ka Kölb­lin die Sil­ber­me­dail­le im Leicht­ge­wichts­dop­pel­zwei­er. „Wir wa­ren vor dem EM-Fi­na­le un­glaub­lich ent­spannt, das war un­glaub­lich. Und dann wer­den wir Zwei­ter hin­ter dem Duo, das im Jahr dar­auf so­gar A-Welt­meis­ter wird. Da auf dem Trepp­chen zu ste­hen, war ein tol­les Ge­fühl, das mit nichts zu ver­glei­chen ist“, sagt Weigt.

Die­ses Ge­fühl darf sie im Som­mer 2018 bei der U23-WM in Po­sen nicht wie­der er­le­ben. Nach ei­nem Ver­kehrs­un­fall ver­passt sie zwei wich- ti­ge Re­gat­ten, schafft es aber im­mer­hin noch in den deut­schen Ka­der. „So wie das Jahr ver­lau­fen ist, war die WM-Teil­nah­me ein gu­ter Ab­schluss. Ich ha­be mich über das Ver­bands­trai­nings­la­ger an­bie­ten kön­nen, zu­dem hat wohl mei­ne An­pas­sungs­fä­hig­keit für mich ge­spro­chen“, sagt Weigt. Nicht ganz un­er­heb­lich wird da­bei je­doch auch ihr Fleiß und ihr Ehr­geiz ge­we­sen sein. „13 Mal in der Wo­che zu trai­nie­ren und schon um 6.30 Uhr mor­gens auf dem Was­ser zu sein – da­für muss man auch ein biss­chen ver­rückt sein“, sagt Weigt.

Und der Auf­wand wird im kom­men­den Jahr si­cher­lich nicht ge­rin­ger, wenn sie der U23 ent­wach­sen sein wird. Weigt will nach ih­rer Pau­se auf je­den Fall neue Rei­ze set­zen und den Wech­sel vom Skul­len, bei dem die Ath­le­ten je­weils ein Skull in der Hand ha­ben, zum beid­hän­di­gen Rie­men­ru­dern aus­pro­bie­ren. Ei­nes wird sie in­des nicht ver­än­dern: Ih­re Zu­kunft sieht Weigt wei­ter­hin im Leicht­ge­wichts­ru­dern, auch wenn die­se Boots­klas­sen nach To­kio 2020 vor dem olym­pi­schen Aus ste­hen. „In die schwe­ren Boots­klas­sen über-

FO­TOS: STE­FA­NIE WEIGT (2)

zu­ge­hen, ist für mich kei­ne Op­ti­on“, sagt sie.

Es sei schwer zu sa­gen, ob der Traum von ei­ner Olym­pia-Teil­nah­me noch rea­lis­tisch ist, ein Ziel ist aber auf je­den Fall die eben­falls 2020 statt­fin­den­de WM. „Und ei­ne WM-Me­dail­le fehlt mir noch“, sagt Weigt, die sich nun aber bis zum kom­men­den Herbst ge­dul­den muss, ehe sie wie­der voll ins Trai­ning ein­steigt. Ganz oh­ne Sport wird es aber auch in den kom­men­den Mo­na­ten nicht ge­hen. Sie gibt selbst Ru­der­kur­se, lei­tet das Hal­len­trai­ning bei ih­rem Hei­mat­ver­ein und en­ga­giert sich im Ver­ein „Push-Sport“, der Spit­zen­sport­lern un­ter an­de­rem un­bü­ro­kra­tisch Un­ter­stüt­zung bei der Ver­mark­tung oder dem Be­rufs­ein­stieg an­bie­tet.

Die 22-Jäh­ri­ge ach­tet zu­dem dar­auf, ei­nen ge­wis­sen Fit­ness­stand zu hal­ten. Ne­ben re­gel­mä­ßi­gem Kraft­trai­ning setzt sie sich da­für in Ham­burg auch jetzt ab und an ins Ru­der­boot. Und im Fe­bru­ar will sie ei­nen Halb­ma­ra­thon lau­fen. „Ein­fach so ins Lee­re trai­nie­ren, kann ich nicht“, sagt Weigt. Dar­an än­dert auch die selbst auf­er­leg­te Wett­kampf­pau­se nichts.

Ru­dern für Deutsch­land: Die Mön­chen­glad­ba­che­rin Ste­fa­nie Weigt ist Mit­glied des Bun­des­ka­ders und war zu­letzt bei der U23-Welt­meis­ter­schaft in Po­sen.

13 Trai­nings­ein­hei­ten pro Wo­che, um 6.30 Uhr geht es be­reits aufs Was­ser: Der Ru­der­sport er­for­dert ei­nen ho­hen Trai­nings­auf­wand. Weigt pau­siert in­des nun für ein Jahr.

FO­TO: MEINRUDERBILD.DE

Bei der U23-EM 2017 hol­te Ste­fa­nie Weigt (r.) Sil­ber.

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