Lan­ge Haft für Mes­ser-An­griff auf Lebensgefährtin

Rheinische Post Moenchengladbach - - Lokales Die Stadt Katzbuckelt Nicht Mehr - VON EVA-MA­RIA GEEF

Ein 23-jäh­ri­ger So­ma­li­er muss we­gen Nö­ti­gung, zwei­fa­cher ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung so­wie schwe­rer Ver­ge­wal­ti­gung in zwei Fäl­len für acht Jah­re und drei Mo­na­te in Haft. Die Kam­mer sah es als er­wie­sen an, dass der Mann sei­ne Lebensgefährtin kon­trol­liert, ein­ge­sperrt und un­ter Vor­halt ei­nes Mes­sers mehr­fach ver­ge­wal­tigt ha­be. Als sie ihn ver­las­sen woll­te, griff er sie mit ei­nem Mes­ser an und ver­letz­te sie schwer am Bein und im lin­ken Brust­be­reich. Die Frau muss­te not­ope­riert wer­den. Der An­ge­klag­te be­stritt die Über­grif­fe, gab nur den Stich in das Bein zu.

Bei die­ser Si­tua­ti­on sei zu prü­fen, wem mehr zu glau­ben sei, so die Kam­mer. Die 19-jäh­ri­ge So­ma­lie­rin, die auch als Ne­ben­klä­ge­rin auf­trat, ha­be je­doch „wi­der­spruchs­frei und de­tail­liert zu den Vor­wür­fen aus­ge­sagt“. Der An­ge­klag­te hin­ge­gen ha­be sich in sei­ner Ge­samt­ein­las­sung un­glaub­haft dar­ge­stellt. Als Bei­spiel nann­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Lothar Be­ckers des­sen Er­klä­rung, das Op­fer „sei ihm in das Mes­ser ge­fal­len“.

Für die Rich­tig­keit der vom Op­fer ge­mach­ten Aus­sa­gen spre­che auch das, was an­de­re Zeu­gen aus­ge­sagt hät­ten. So sei es in der so­ma­li­schen Ge­mein­schaft be­kannt ge­we­sen, dass die 19-Jäh­ri­ge ein­ge­sperrt ge­we­sen sei. Sie sei „in Leib- ei­gen­schaft“ge­hal­ten wor­den, der An­ge­klag­te ha­be „ge­glaubt, mit ihr ma­chen zu kön­nen, was er will“. Im Raum ste­he noch die Fra­ge, war­um sich das Op­fer kei­ne Hil­fe ge­holt ha­be. Doch es sei nach­voll­zieh­bar, dass die aus ei­nem frem­den Kul­tur­kreis stam­men­de Zeu­gin nicht ge­wusst ha­be, an wen sie sich wen­den sol­le. Dies zeig­ten die Ge­scheh­nis­se am Tat­tag: Sie ha­be ei­ne so­ma­li­sche Freun­din um Hil­fe ge­be­ten, die­se ha­be so­fort ih­ren Mann an­ge­ru­fen, um ihm mit­zu­tei­len, dass die Frau bei ihr sei. Und die­ser ha­be „nichts Bes­se­res zu tun ge­habt, als so­fort den An­ge­klag­ten zu in­for­mie­ren“.

Der An­ge­klag­te ver­such­te am letz­ten Pro­zess­tag, durch ei­nen Arzt­be­richt aus dem Jahr 2014 ei­ne Dia­gno­se als De­pres­siv-Er­krank­tem zu er­hal­ten. Dies ließ die Kam­mer nicht zu, be­grün­de­tet dies da­mit, dass De­pres­si­ve eher ge­neigt sei­en, sich selbst et­was an­zu­tun. Die Ver­tre­te­rin der Staats­an­walt­schaft for­der­te in ih­rem nicht öf­fent­li­chen Plä­doy­er acht Jah­re und drei Mo­na­te, der Ver­tei­di­ger vier Jah­re. Die Ne­ben­kla­ge-Ver­tre­te­rin ver­such­te ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen ver­such­ten Tot­schlags zu er­rei­chen, die­sem er­teil­te die Kam­mer ei­ne Ab­sa­ge: Im Aus­gangs­punkt sei der Vor­satz vor­han­den ge­we­sen. Doch der Mann ha­be dem Op­fer mit­ge­teilt, er wis­se, er ge­he da­für ins Ge­fäng­nis, und wer­de sie da­nach tö­ten. Dies wer­te­te die Kam­mer als „er­folg­ten Rück­tritt“.

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