KULTURTIPPS

Rheinische Post Moenchengladbach - - Kultur -

RP-Le­ser­tour führt dies­mal nach Frank­furt

Er­in­ne­run­gen der Au­to­rin Vi­cki Baum

RE­PRO: K.A. BE­CKER (RP) So kul­tu­rell star­tet das neue Jahr: Er­le­ben Sie zwei her­aus­ra­gen­de Künst­ler des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts in zwei Aus­stel­lun­gen im Stä­del Mu­se­um in Frank­furt. Die Re­tro­spek­ti­ve zu Vic­tor Vasa­re­ly er­schließt an­hand von 100 Wer­ken sein sechs Jahr­zehn­te um­fas­sen­des Werk. Und Lot­te La­ser­steins OEu­vre ge­hört zu den gro­ßen Wie­der­ent­de­ckun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re und zeich­net sich durch un­ge­mein ein­dring­lich ge­stal­te­te Por­träts aus. Und das ist die Tour: Mit dem Bus geht es nach Frank­furt in­klu­si­ve zwei­er Füh­run­gen, die je­weils et­wa 60 Mi­nu­ten dau­ern wer­den. Drei Alt­meis­ter des „Free“ge­mein­sam auf ei­ner Plat­te: der Schlag­zeu­ger And­rew Cy­ril­le (78), der Gi­tar­rist Bill Fri­sell (67) und der Trom­pe­ter Leo „Wa­da­da“Smith (77). Sie spie­len tat­säch­lich frei­en Jazz, sehr fein in­des, sen­si­bel. Sie schwär­men aus, je­der sucht für sich, und wenn sie Me­lo­di­en ge­fun­den ha­ben, tref­fen sie ein­an­der wie­der und füh­ren ih­re Tro­phä­en vor.

„Le­bro­ba“heißt die Pro­duk­ti­on, die bei ECM er­scheint; der Ti­tel va­ri­iert die An­fangs­buch­sta­ben der Ge­burts­städ­te der Mu­si­ker: Le­land, Brook­lyn, Bal­ti­more. Fri­sell und Smith spie­len hier das ers­te Mal zu­sam­men, das hört man aber nicht, weil sie so fa­mi­li­är mit­ein­an­der wir­ken. Al­le drei Künst­ler steu­ern ei­ge­ne Kom­po­si­tio­nen bei, ein Hö­he­punkt ist das über 17 Mi­nu­ten lang schwe­ben­de Stück „Tu­riya“, mit dem sich Smith vor Ali­ce Col­tra­ne ver­beugt. Es ist ei­ne Rei­se, und wer nun meint, das sei aber ein arg ab­ge­nutz­tes Bild für ei­ne Jazz-Kom­po­si­ti­on, mö­ge sie sich an­hö­ren: ein Trip in die Leich­tig­keit, spi­ri­tu­ell und schwe­re­los. „TGD“ha­ben sie ge­mein­sam im­pro­vi­siert, al­le drei sind als Au­to­ren Buch Sie war ei­ne der er­folg­reichs­ten Schrift­stel­le­rin­nen der Wei­ma­rer Re­pu­blik, weil sie ei­ne un­be­stech­li­che Be­ob­ach­te­rin war und zu­gleich ei­ne wei­se Hu­mo­ris­tin mit ent­lar­ven­dem Witz. All die­sen Fä­hig­kei­ten be­geg­net man auch in den Le­ben­s­er­in­ne­run­gen der Vi­cki Baum, die un­ter dem Ti­tel „Es war al­les ganz an­ders“bei Ki­Wi neu er­schie­nen sind. Ge­bo­ren wur­de Baum 1888 in ei­ne jü­di­sche Fa­mi­lie in Wi­en, sie hei­ra­te­te ei­nen Di­ri­gen­ten, ver­öf­fent­lich­te 1919 ihr ers­tes Werk und wur­de 1926 Zeit­schrif­ten­re­dak­teu­rin bei Ull­stein in Ber­lin. Ihr be­kann­tes­ter Ro­man „Men­schen im Ho­tel“wur­de in Hol­ly­wood ver­filmt und weil sie als Jü­din in Deutsch­land in Ge­fahr war, emi­grier­te sie 1932 in die USA. Ein Jahr spä­ter wur­den bei der Bü­cher­ver­bren­nung auch ih­re Wer­ke ver­nich­tet. Von ih­rem Le­ben in Eu­ro­pa und den USA er­zählt Baum in ih­ren Er­in­ne­run­gen oh­ne Sen­ti­men­ta­li­tät, oh­ne Bit­ter­keit, mit Scharf­sinn und Iro­nie – ei­ne wah­re Rea­lis­tin mit hin­rei­ßen­dem Stil. Do­ro­thee Krings ver­merkt, manch­mal wird das Spiel um elek­tro­ni­sche Ma­ni­pu­la­tio­nen an­ge­rei­chert. Ein biss­chen Blues hört man durch, An­klän­ge an west­afri­ka­ni­sche Sounds, und al­les ge­lingt zwang­los, hei­ter ir­gend­wie; das ist über­haupt die Grund­stim­mung die­ser tol­len Plat­te.

And­rew Cy­ril­le ist zwar der Le­a­der, aber er lässt die Zü­gel lo­cker, er braucht sie im Grun­de nie, denn Dif­fu­si­on ist hier Stil­prin­zip. Das wird sehr schön deut­lich im letz­ten Stück, ei­ner Kom­po­si­ti­on Cy­ril­les mit dem spre­chen­den Ti­tel „Pret­ty Be­au­ty“. Cy­ril­le streicht mit dem Be­sen über die Fel­le, und was Fri­sell da spielt, er­in­nert ganz va­ge und gleich­sam bloß als Luft­hauch an John Len­nons „Ima­gi­ne“. We­ni­ge Re­fe­ren­zen wä­ren tref­fen­der: „Ima­gi­ne all the peop­le / Li­ving li­fe in pe­ace“.

Phil­ipp Hol­stein

Lot­te La­ser­stein: Selbst­por­trät.

Vi­cki Baum: „Es war al­les ganz an­ders“, Ki­Wi, 592 Sei­ten, 13 Eu­ro

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