Ge­mein­sa­mer Chor übt für Weih­nachts­mes­se

Die meis­ten Mit­glie­der des As­ber­ger Kir­chen­cho­res St. Bo­ni­fa­ti­us ha­ben sich dem Kir­chen­chor von St. Qui­ri­nus und St. An­to­ni­us an­ge­schlos­sen. Am ers­ten Weih­nachts­tag ha­ben die Sän­ger ih­ren gro­ßen Auf­tritt.

Rheinische Post Moers - - Gott Und Die Welt - VON PE­TER GOTT­SCHLICH

NEU­KIR­CHEN-VLUYN / MO­ERS Mit dem neu­en Kir­chen­jahr, das mit dem ers­ten Ad­vent be­ginnt, ist der Kir­chen­chor von St. Bo­ni­fa­ti­us As­berg Ge­schich­te. Vie­le der 20 Sän­ger wech­sel­ten zum ge­mein­sa­men Kir­chen­chor von St. Qui­ri­nus und St. An­to­ni­us in Neu­kir­chen-Vluyn, des­sen Vor­sit­zen­der Al­bert Zim­mer­mann ist. Sie folg­ten ih­rer Chor­lei­te­rin Ilo­na Schefc­zyk, die ne­ben dem Kir­chen­chor von St. Bo­ni­fa­ti­us be­reits seit 21 Jah­ren den von St. An­to­ni­us lei­tet, der vor drei Jah­ren mit dem von St. Qui­ri­nus zu­sam­men­ging.

Die Sän­ger be­rei­ten sich ge­ra­de auf den ers­ten Weih­nachts­tag vor, an dem sie um 11 Uhr in der Kir­che St. An­to­ni­us zu ei­ner Weih­nachts­mes­se sin­gen. „Es ist kein Weih­nachts­kon­zert“, sagt die Chor­lei­te­rin. „Ge­mein­de und Chor hal­ten sich beim Sin­gen die Waa­ge. Zum Bei­spiel sin­gen beim Lied ,O Du fröh­li­che‘ Ge­mein­de und Chor die ers­te Stro­phe zu­sam­men. Die zwei­te trägt der Chor vor. Und bei der drit­ten Stro­phe über­la­gert der Chor ge­sang­lich die Ge­mein­de.“

Tei­le ei­ner Mes­se von Max Kel­ler, et­wa ein Ky­rie, singt der Chor al­lei­ne. Die­se Tei­le sind von der Wie­ner Klas­sik ge­prägt, da Max Kel­ler (1770 bis 1853) Schü­ler von Micha­el Haydn, dem Sohn von Jo­seph Haydn, war, um nach sei­ner Aus­bil­dung in Salz­burg Or­ga­nist und Kom­po­nist im ober­baye­ri­schen Alt­öt­ting zu wer­den.

„Ich lie­be die klas­si­sche Mu­sik und pfle­ge die Tra­di­ti­on“, sagt Ilo­na Schefc­zyk. „Gleich­zei­tig baue ich mo­der­ne Mu­sik ein. Ich schrei­be für den Chor neue Sät­ze hin­zu.“Für die Mu­si­ke­rin, die im schle­si­schen Bres­lau Kla­vier­mu­sik stu­dier­te, ist der Chor nicht nur ei­ne Ge­s­angs­ge­mein­schaft, son­dern auch ei­ne Le­bens­ge­mein­schaft. „Ich bin ein biss­chen Seel­sor­ge­rin“, schmun­zelt die Mo­er­se­rin. „Der Chor ist wie ei­ne Fa­mi­lie, in der die Mit­glie­der Freund­schaf­ten auf­bau­en. Sie ha­ben da­durch Kon­takt nach au­ßen. Des­halb sol­len sie wei­ter sin­gen, wenn sie äl­ter wer­den, selbst wenn ih­re Stim­men dann nicht mehr ganz so gut sind wie in jun­gen Jah­ren.“

Wie die Mit­glie­der über den Chor in das Le­ben der Ge­mein­de in­te­griert wer­den, wur­de die Chor­lei­te­rin über das Sin­gen im Chor in das Le­ben in Deutsch­land in­te­griert. „Ich bin 1987 mit mei­ner Fa­mi­lie aus Po­len nach Deutsch­land ge­flo­hen“, er­zählt die deutsch­stäm­mi­ge Schle­sie­rin. „Da­mals trenn­te noch der Ei­ser­ne Vor­hang Ost und West. Ich war 28 Jah­re und konn­te kein Deutsch, weil in Po­len kein Deutsch ge­spro­chen oder un­ter­rich­tet wer­den durf­te. Ich bin mit mei­ner Mut­ter Bri­git­te Tamm zum Chor von St. Bo­ni­fa­ti­us As­berg ge­gan­gen. Ich ha­be den Chor auf dem Kla­vier be­glei­tet und Deutsch ge­lernt. Ich ha­be 1992 mein Ex­amen als Or­ga­nis­tin und Chor­lei­te­rin ab­ge­legt.“

1991 über­nahm sie die Lei­tung des Cho­res von St. Bo­ni­fa­ti­us, die sie bis zum No­vem­ber 2018 in­ne­hat­te, als der Chor das Sin­gen auf­gab. Au­ßer­dem lei­te­te sie in As­berg von 2014 bis 2018 den Chor Gau­dea­mus, der mo­der­ne Kir­chen­mu­sik vor­trug und wei­ter­ma­chen will, wenn er ei­ne neue Blei­be ge­fun­den hat. „Die Kir­chen­chö­re ge­hen zu­sam­men, wie die Ge­mein­den zu­sam­men­ge­hen“, sagt Ilo­na Schefc­zyk et­was trau­rig. „Da­bei macht Sin­gen glück­lich. Ge­sang ist ei­nes der schöns­ten Din­ge un­ter dem Him­mel.“

Der Ge­mein­schaft­schor von St. Qui­ri­nus und St. An­to­ni­us probt je­den Mitt­woch von 20 bis 21.30 Uhr im Pfarr­heim von St. An­to­ni­us am Vluy­ner Nor­dring 60. In­ter­es­sen­ten, die mit­sin­gen wol­len, sind will­kom­men.

FO­TO: PRI­VAT

Chor­lei­te­rin Ilo­na Szef­zyk (hin­ten Mit­te, Bril­le) im Krei­se des As­ber­ger Kir­chen­chors, der sich nach 95. Jah­ren auf­löst. Die Sän­ger und Sän­ge­rin­nen sind voll des Lo­bes für die Mu­si­ke­rin. „Für vie­le war das re­gel­mä­ßi­ge Tref­fen am Mon­tag Abend ein Stück Hei­mat“, sa­gen sie.

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