Vier Pro­zes­se, die im Ge­dächt­nis blei­ben

Un­se­re Re­dak­ti­on hat in 2018 vie­le Ge­richts­ver­fah­ren jour­na­lis­tisch be­glei­tet. An die­ser Stel­le bli­cken wir auf Fäl­le zu­rück, an die wir uns noch län­ger er­in­nern wer­den – weil sie be­son­ders dra­ma­tisch, furcht­bar oder ku­ri­os wa­ren.

Rheinische Post Moers - - Moers - VON JU­LIA HAGENACKER

GRAF­SCHAFT Mensch­li­che Dra­men, per­sön­li­che Ka­ta­stro­phen und ganz oft ganz viel Leid: Wer ei­nen Straf­pro­zess führt oder ver­folgt, muss viel aus­hal­ten kön­nen. Nicht sel­ten tun sich mensch­li­che Ab­grün­de auf. Un­se­re Re­dak­ti­on hat in 2018 vie­le Ver­fah­ren jour­na­lis­tisch be­glei­tet. An die­ser Stel­le bli­cken wir auf Fäl­le zu­rück, die be­son­ders im Ge­dächt­nis ge­blie­ben sind.

Meer­beck und ein ver­such­ter Mord Zu neun Jah­ren Haft hat die aus­wär­ti­ge Gro­ßen Ju­gend­kam­mer des Land­ge­richts Kle­ve im De­zem­ber ei­nen 32 Jah­re al­ten Mann ver­ur­teilt. Das Ge­richt sah ei­nen ver­such­ten Mord in Tatein­heit mit ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung als er­wie­sen an. Die Tat hat­te im April weit über die Gren­zen von Mo­ers hin­aus für Ent­set­zen ge­sorgt. Ein 13 Jah­re al­ter Jun­ge aus dem Irak wur­de auf dem Weg zur Schu­le auf of­fe­ner Stra­ße in Meer­beck nie­der­ge­sto­chen. Der Tä­ter flüch­te­te, der le­bens­ge­fähr­lich ver­letz­te Jun­ge schafft es noch, sich nach Hau­se zu schlep­pen und den No­t­ruf zu Wäh­len. Dass sich Op­fer und Tä­ter kann­ten, war den Er­mit­teln schnell klar, das kon­kre­te Mo­tiv blieb bis zum Schluss of­fen. Vor Ge­richt stritt der An­ge­klag­te die Vor­wür­fe zwar ab. Sein an­geb­li­ches Ali­bi wur­de aber von Zeu­gen wi­der­legt. Weil das Kind von hin­ten an­ge­grif­fen und über­rascht wur­de, er­ging am En­de ein Ur­teil we­gen heim­tü­cki­schen Mord­ver­suchs.

Ei­ne An­kla­ge, drei Pro­zess­an­läu­fe Zum nun­mehr drit­ten Mal steht ak­tu­ell ein Mo­er­ser Gas­tro­nom we­gen schwe­ren se­xu­el­len Miss­brauchs vor der Aus­wär­ti­ge Gro­ße Straf­kam­mer des Land­ge­richts. Ein ers­ter Ver­hand­lungs­ver­such en­de­te im April 2017 mit der Vor­la­ge ei­nes Ent­lass­scheins aus ei­ner Not­auf­nah­me in Ka­la­bri­en, ein zwei­ter im Früh­jahr 2018, un­ter an­de­rem we­gen ei­ner Er­kran­kung des An­ge­klag­ten. Seit ein paar Wo­chen wird er­neut ver­han­delt. 15 Mal, zwi­schen No­vem­ber 2002 und De­zem­ber 2005, soll der An­ge­klag­te sei­ne da­mals min­der­jäh­ri­ge leib­li­che Toch­ter se­xu­ell miss­braucht und ver­ge­wal­tigt ha­ben. Beim ers­ten Über­griff war das Mäd­chen laut An­kla­ge der Staats­an­walt­schaft elf Jah­re alt. Der An­ge­klag­te strei­tet al­les ab. In sei­ner Ver­si­on der Ge­schich­te geht es in ers­ter Li­nie um Ra­che, sei­ne Ver­tei­di­ger zwei­feln die geis­ti­ge Ge­sund­heit der Toch­ter an. Ein Ur­teil soll vor­aus­sicht­lich An­fang 2019 fal­len.

Can­na­bis-Plan­ta­ge im Ein­fa­mi­li­en­haus Zu Be­wäh­rungs­stra­fen von ei­nem Jahr und sechs so­wie zu ei­nem Jahr und neun Mo­na­ten hat die Aus­wär­ti­ge Gro­ße Straf­kam­mer am Land­ge­richt Kle­ve im Früh­jahr ei­nen 48-Jäh­ri­gen und ei­ne 37-Jäh­ri­ge ver­ur­teilt. Be­grün­dung: ge­mein­schaft­li­cher Be­sitz von Be­täu­bungs­mit­teln. Im April 2017 hat die Po­li­zei We­sel durch Zu­fall ei­ne Dro­gen­plan­ta­ge in ei­nem Ein­fa­mi­li­en­haus in Mo­ers aus­ge­ho­ben. Im Dach­ge­schoss fan­den die Be­am­ten acht Ki­lo kon­sum­fä­hi­ges Can­na­bis, ge­schätz­ter Wert: 80.000 Eu­ro, da­zu Bar­geld, Strom­lei­tun­gen, die am Zäh­ler vor­bei­führ­ten und ei­ne ge­la­de­ne Pis­to­le. Das Ehe­paar, das im Haus leb­te, gab an, die Can­na­bis-Plan­ta­ge nur zum Ei­gen­kon­sum be­trie­ben ha­ben. Hin­wei­se, dass die Dro­gen auch ver­kauft wur­den, gab es schluss­end­lich nicht.

Miss­brauch als Mut­pro­be ver­kauft Kurz vor Weih­nach­ten hat das Land­ge­richt ei­nen Mann aus Kamp-Lint­fort we­gen schwe­ren se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern und Ju­gend­li­chen zu ei­ner Ge­samt­frei­heits­stra­fe von sechs Jah­ren ver­ur­teilt. Mit sei­nen Op­fern kom­mu­ni­zier­te der 45-Jäh­ri­ge über ei­ne Whats­App-Grup­pe, se­xu­el­le Hand­lun­gen wur­den als Mut­pro­be ver­kauft. Das Ver­trau­en sei­ner Op­fer er­schlich sich der we­gen Be­sit­zes von Kin­der­por­no­gra­fie Vor­be­straf­te über den Sohn ei­ner Nach­bars­fa­mi­lie, Nach­hil­fe­stun­den und Com­pu­ter­spie­le.

FO­TO: DPA

Steht für Ge­rech­tig­keit im Rechts­we­sen: die Jus­ti­tia.

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