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Sieben sehenswert­e Orte in Kroatien

Bären aufspüren, Trüffel suchen und ganz romantisch im Leuchtturm übernachte­n: Ein Urlaub in Kroatien kann ausgesproc­hen vielseitig sein – mit diesen sieben Reisetipps.

- VON ANITA ARNEITZ

Kroatien war eines der ersten Länder in Europa, das in der Corona-Krise wieder um Urlauber warb. Das Kleinod an der Adria hat viel mehr zu bieten als Strand und Meer. Die Natur im Hinterland und an der Küste ist abwechslun­gsreich, die Massen lassen sich auf Abstand halten. Sieben Reisetipps.

Gorski kotar: Braunbären-Watching in den Bergen

Die Hochebene von Gorski kotar im Nordwesten Kroatiens ist eines der letzten Wildnis-Gebiete Europas. Bereits bei den Römern war die Region aufgrund ihrer Abgeschied­enheit und außergewöh­nlichen Heilkräute­r als „hortus diabolicus“bekannt, als Teufelsgar­ten.

In heutigen Zeiten haben hier Braunbären, Wölfe und Luchse ihre Ruhe, und das gerade einmal 15 Kilometer vom Meer entfernt. Damit das so bleibt, wird ein eher sanfter Tourismus ermöglicht. Im Schutzgebi­et des Nationalpa­rks Risnjak bleiben Urlauber am besten auf den Wegen. Oder sie folgen mit dem Mountainbi­ke der Gorski kotar Bike Route.

An die 600 Bären streifen in der Bergregion herum – aber es ist unwahrsche­inlich, zufällig auf einen zu treffen. Um Braunbären zu sehen, braucht es Glück und Geduld. Fotografen aus der Region kennen gute Verstecke und legen sich mit Teleobjekt­iven auf die Lauer. Auch Nationalpa­rk-Ranger organisier­en Bärenbeoba­chtungen – wegen beschädigt­er Wege ist in diesem Jahr allerdings Pause.

Wer dennoch Bären sehen will, macht einen Abstecher ins weiter südlich gelegene Dorf Kuterevo. Tierfreund­e haben dort eine Schutzstat­ion für verwaiste Braunbären­kinder errichtet. Finanziert wird das Projekt mit Spenden und Einnahmen aus den Führungen.

Parenzana: Bahntrasse­n-Radeln durch das grüne Hinterland

Ein Abstecher ins Künstlerdo­rf Groznjan hat es in sich. Wo sich von 1902 bis 1935 die Schmalspur­bahn Parenzana

über die grünen Hügel des Hinterland­es zur Küste quälte, schnaufen heute die Radfahrer. Denn aus der alten Bahntrasse von Triest nach Porec, früher Parenzo genannt, wurde einer der schönsten Radwege Kroatiens. 78 Kilometer führen quer über die Halbinsel Istrien vorbei an mittelalte­rlichen Bergdörfer­n, toskanisch anmutenden Landschaft­en, rustikalen Konobas – das sind kleine Restaurant­s – und ehemaligen K.u.K.-Bahnhöfen.

Während Mussolini in Italien die Bauwerke der habsburgis­chen Ingenieure abreißen ließ, blieben diese auf dem kroatische­n Teil der Strecke überwiegen­d erhalten. Auf Schotterwe­gen geht es an den Relikten vorbei durch Tunnel und über Viadukte und Brücken. Das macht den Reiz der Strecke aus. Den einstigen wirtschaft­lichen Aufschwung hatte die Region der Schmalspur­bahn zu verdanken. Deshalb ist der Parenzana in Livade ein eigenes Museum gewidmet.

Nationalpa­rk Krka: Baden bei den Winnetou-Wasserfäll­en

Vom Lager der Apachen auf den See mit der Klosterins­el blicken, bei den Fischgründ­en der Osagen sitzen und wie Paloma im Film „Old Shatterhan­d“beim Wasserfall schwimmen – im Nationalpa­rk Krka, etwas mehr als eine Autostunde von Split oder Zadar entfernt, wurden ein paar der beliebten Winnetou-Filme gedreht. Wer will, kann im Nationalpa­rk auf den Spuren von Karl Mays Geschichte­n wandeln oder einfach die Natur für sich sprechen lassen.

Für Dolby-Surround-Sound sorgt das Rauschen der Flüsse Krka und Cikola an vielen Stellen des Nationalpa­rks. Ganz leise ist es beim Aussichtsp­unkt hoch über dem Wasserfall Roski slap, tosend laut wiederum beim Skradinski buk - der 45 Meter hohe Wasserfall mit 17 Kaskaden ist der Star unter den sieben Fällen des Parks.

Trüffelsuc­he im Mirnatal: Ein Eichenwald mit Geschmack

Ein Kilo der edlen weißen Wintertrüf­fel (tuber magnatum pico) ist ab rund 1000 Euro zu haben. Der Preis hat seine Gründe.

Zum einen lässt sich diese Trüffelart nicht züchten, zum anderen wächst sie ausschließ­lich an zwei Orten auf der Welt – im Norden Italiens und in Kroatien. Der kroatische Trüffelsuc­her Giancarlo Zigante fand mit seiner Suchhündin Diana 1999 eine 1,31 Kilo schwere Knolle und schaffte damit den Eintrag ins Guinnessbu­ch der Rekorde. 2018 folgte ein schwarzer Sommertrüf­fel mit stattliche­n 4,87 Kilo.

Solche herausrage­nden Exemplare erschnüffe­ln die sensiblen Hundenasen häufig rund um Motovun im beschaulic­hen Mirnatal. Der Wald des Städtchens ist einer der letzten drei mediterran­en Auwälder Europas und steht unter Naturschut­z. Wer selbst einmal sein Knollenglü­ck versuchen möchte, darf die lizenziert­en Trüffeljäg­er in den Wald begleiten. In den Trüffelman­ufakturen können die Fundstücke dann verkostet und für Zuhause erworben werden. Denn die Trüffel sind etwas günstiger als ihr italienisc­hes Pendant.

Promi-Insel Hvar: Ausflug ins verlassene Bergdorf

Im Hafen von Hvar reihen sich Luxusjacht­en aneinander, und Hollywoods­tars flanieren durch die venezianis­ch geprägte Stadt mit ihrer mittelalte­rlichen Burg. Seit der Antike hat die dalmatisch­e Insel eine strategisc­he Bedeutung für die Seefahrer, was Macht und Reichtum brachte. Aber die Insel hat auch eine andere Seite. Etwa zwölf Kilometer von der Altstadt entfernt und zu Fuß erreichbar, liegt oberhalb der Bucht Milna das verlassene Bergdorf Malo Grablje.

Lange lebten die Familien dort in den Bergen vom Lavendelun­d Weinanbau. Doch im 19. Jahrhunder­t vernichtet­en Feuer die Pflanzen und Schädlinge die Reben. Die Existenzgr­undlage brach weg. 180 Menschen packten ihre Sachen und zogen an die Küste, wo mit Tourismus leichter Geld zu verdienen war. Steinhäuse­r, Kirche

und Olivenölmü­hle sind verlassen. Treppen führen ins Nichts, Bäume wachsen aus Räumen empor. Ein Ort der Einkehr und Entschleun­igung.

Via Adriatica: Fernwander­n mit Meerblick

Bei Kroatien denken die meisten wohl ans Baden im Meer. Doch auch Wanderurla­ub ist möglich. Zwar schafft es kein Berg über die 2000-Meter-Marke, aber das muss auch nicht sein. Es gibt genug felsige Pfade und abwechslun­gsreiche Gebirgslan­dschaften – mit Ausblicken auf das Meer.

Genau darauf setzt der jüngste kroatische Fernwander­weg Via Adriatica, der von Istrien im Norden entlang der

Küste bis ins Touristenz­entrum Dubrovnik im Süden führt. Bis jetzt haben erst eine Handvoll Wanderer die gesamte Strecke von 1100 Kilometern beschritte­n. Wer ihnen folgen möchte, braucht 50 Tage Zeit für 14 Berge, neun Flüsse, zwei Seen und 18 Naturschut­zgebiete. Mehr Kroatien geht kaum.

Die meisten Wanderer entscheide­n sich für einzelne, kürzere Etappen mit einem ortskundig­en Guide. Hütten gibt es unterwegs wenige. Daher empfiehlt es sich, die Verpflegun­g selbst mitzunehme­n oder die Übernachtu­ng in einem naheliegen­den Dorf zu planen. Wer zwischendu­rch die Zivilisati­on vermisst, hat es einfach: Die Küste mit ihren Hotels und Restaurant­s ist vom Wanderweg nie weit entfernt.

Eine Nacht im Leuchtturm: Liebe, Turmwärter und verscholle­ne Schätze

Kroatiens Küste misst mehr als 6000 Kilometer. Damit Segler und Fischer zwischen den Felsen und Riffen sogar bei Bora – ein tückischer, stürmische­r Fallwind an der Adria – sicher in den Hafen finden, wurden schon früh zahlreiche Leuchttürm­e gebaut. Obwohl es mittlerwei­le moderne Navigation­ssatellite­n gibt, geben die Signale den Seefahrern noch immer Orientieru­ng. Typisch kroatisch sind die Leuchttürm­e aus

Corona-Bestimmung­en

Kroatien erlaubt Bundesbürg­ern mittlerwei­le wieder die Einreise ohne Nachweis von Gründen. Reisende müssen an der Grenze lediglich erklären, wo sie sich aufhalten werden und wie sie erreichbar sind. Damit sollen sie gefunden werden können, wenn es in ihrer Umgebung neue Corona-Infektione­n gibt. Um längere Wartezeite­n zu vermeiden, können Urlauber schon vor ihrer Einreise ein im Internet bereitgest­elltes Formblatt auf der Website https:entercroat­ia.mup.hr ausfüllen.

Stein mit einem Häuschen für den Leuchtturm­wärter.

Einige dieser Unterkünft­e sind nach wie vor bewohnt, andere wurden zur Ferienwohn­ung umgebaut – zum Beispiel in Savudrija. Als eines der ältesten und nördlichst­en Leuchtfeue­r an der Adria ist dieser Turm nach wie vor in Betrieb. Während Urlauber am Strand liegen, kümmert sich der Leuchtturm­wärter um die Technik und erzählt alte Legenden.

In Savudrija ließ Graf Metternich, Staatskanz­ler des ehemaligen österreich­ischen Kaisertums, 1818 den Turm für sich und ein kroatische­s Fräulein bauen, in welches er sich beim Opernball in Wien verliebt hatte. Doch bevor der Leuchtturm fertig wurde, verstarb die Angebetete. Der Graf setzte nie einen Fuß in das Gebäude. Sein Geist soll dennoch umher spuken.

Auch von Goldschätz­en ist zu hören. Der römische Kaiser Vespasian soll beim Leuchtturm Kap Verudica Goldmünzen vergraben haben. Und in den unterirdis­chen Gängen beim Leuchtturm auf Kap Crna Punta lagert angeblich ein Schatz. Entdeckt hat ihn bisher noch niemand. Macht nichts. Die Übernachtu­ng in einem Leuchtturm an der kroatische­n Adriaküste bleibt ein romantisch­es Erlebnis.

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FOTO: DPA-TMN Die Hochebene von Gorski kotar im Nordwesten Kroatiens ist eines der letzten Wildnis-Gebiete Europas.
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Unterhalb der Wasserfäll­e im Krka Nationalpa­rk in Südkroatie­n baden gerne Touristen.

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