EU plant Per­so­nal­aus­weis mit Fin­ger­ab­druck

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - POLITIK -

Bio­me­tri­sche Da­ten sol­len Ter­ro­ris­ten und Kri­mi­nel­len das Fäl­schen von Do­ku­men­ten er­schwe­ren.

BER­LIN/BRÜS­SEL (dpa) Der Fin­ger­ab­druck und an­de­re bio­me­tri­sche Da­ten im Per­so­nal­aus­weis sol­len nach dem Wil­len der EU-Kom­mis­si­on Vor­schrift wer­den. Das wür­de Ter­ro­ris­ten und Kri­mi­nel­len er­schwe­ren, Do­ku­men­te zu fäl­schen, sag­te In­nen­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los der „Welt“. Bis­her sind in Deutsch­land Fin­ger­ab­drü­cke als Merk­mal zur Iden­ti­fi­ka­ti­on in Per­so­nal­aus­wei­sen frei­wil­lig. In deut­schen Rei­se­päs­sen sind Fin­ger­ab­drü­cke seit 2007 Stan­dard.

Die EU-Kom­mis­si­on will den Ge­set­zes­vor­schlag heu­te in Straß­burg vor­stel­len und braucht da­für die Zu­stim­mung des Eu­ro­pa­par­la­ments und der EU-Staa­ten. Das Bun­des­in- nen­mi­nis­te­ri­um er­klär­te: „Deutsch­land steht die­sem Vor­ha­ben po­si­tiv ge­gen­über, da Per­so­nal­aus­wei­se als Rei­se­do­ku­men­te – auch in das au­ßer­eu­ro­päi­sche Aus­land – ge­nutzt wer­den kön­nen und die ver­pflich­ten­de Ein­füh­rung von Fin­ger­ab­drü­cken in Per­so­nal­aus­wei­sen ei­nen zu­sätz­li­chen Si­cher­heits­fak­tor bie­ten kann.“Die Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) be­grüß­te das Vor­ha­ben, ver­wies aber auf den Da­ten­schutz: „Der Vor­schlag nach Aus­wei­tung der bio­me­tri­schen Da­ten lässt sich erst be­wer­ten, wenn das Feh­len bio­me­tri­scher Da­ten tat­säch­lich be­legt ist“, er­klär­te der GdP-Bun­des­vor­sit­zen­de Oliver Mal­chow. Da­ten­schutz sei auch bei der Ter­ror­be­kämp­fung zu be­rück­sich­ti­gen. Der stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen im Bun­des­tag, Kon­stan­tin von Notz, lehn­te die Plä­ne als „wei­te­ren Schritt in Rich­tung ei­ner po­ten­zi­el­len To­tal­über­wa­chung von mehr als 500 Mil­lio­nen EU-Bür­gern“ab.

Notz’ Par­tei­kol­le­ge Jan-Phil­ipp Al­brecht nann­te die Plä­ne „ei­nen tie­fen Ein­schnitt in die Bür­ger­rech­te al­ler Eu­ro­päe­rin­nen und Eu­ro­pä­er“. Es han­de­le sich um ei­ne sym­bo­li­sche Maß­nah­me, die nicht für mehr Si­cher­heit sor­gen wür­de. „Auch Fin­ger­ab­drü­cke las­sen sich fäl­schen, ter­ro­ris­ti­sche At­ten­tä­ter und ih­re Hand­lan­ger be­sor­gen Waf­fen und fi­nan­zi­el­le Mit­tel re­gel­mä- ßig nicht per Vor­la­ge durch den Per­so­nal­aus­weis.“Die SPD-Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te Bir­git Sip­pel be­ton­te, bio­me­tri­sche Da­ten sei­en sen­si­bel. „Ei­ne EU-wei­te Pflicht von Fin­ger­ab­drü­cken in Per­so­nal­aus­wei­sen se­he ich des­halb sehr kri­tisch.“

Av­ra­mo­pou­los hat­te er­klärt: „Wir müs­sen die Schrau­ben an­zie­hen, bis es kei­nen Raum mehr gibt für Ter­ro­ris­ten oder Kri­mi­nel­le und kei­ne Mit­tel mehr, An­schlä­ge durch­zu­füh­ren. Das be­deu­tet, dass ih­nen der Zu­gang zu Geld, ge­fälsch­ten Do­ku­men­ten, Waf­fen und ex­plo­si­ven Stof­fen ver­sperrt wer­den muss, und sie zugleich dar­an ge­hin­dert wer­den müs­sen, un­se­re Gren­zen un­ent­deckt zu über­que­ren.“

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