Zu­schau­er sol­len Sy­rer be­lei­digt ha­ben

Rheinische Post – Stadtteilausgabe Duesseldorf-Mitte/West - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA UND ADRI­AN TERHORST

Ein Hand­ball­spie­ler der TuS Treu­deutsch Lank 07 aus Meer­busch soll am ver­gan­ge­nen Wo­che­n­en­de in der Ver­bands­li­ga bei der HSG Ven­ni­kel/Ru­meln/Kal­den­hau­sen ras­sis­tisch be­lei­digt wor­den sein.

DÜS­SEL­DORF Mo­ham­mad Al-Bo­nie ist 2015 als sy­ri­scher Flücht­ling nach Deutsch­land ge­kom­men. Kurz da­nach ist er Mit­glied der TuS Treu­deutsch Lank 07 in Meer­busch ge­wor­den. In­ner­halb sei­ner Mann­schaft ist sei­ne Her­kunft kein gro­ßes The­ma. Bei ei­ni­gen An­hän­gern der HSG Ven­ni­kel/Ru­meln/Kal­den-

Pao­lo Sa­bel­la hau­sen of­fen­bar schon. Wäh­rend und nach ei­ner Par­tie in der Ver­bands­li­ga soll Al-Bo­nie ras­sis­tisch be­lei­digt wor­den sein. Lanks Trai­ner Ma­rio Len­ders er­hebt schwe­re Vor­wür­fe: „Wenn Mo am Ball war, gab es von Tei­len des Pu­bli­kums ge­ziel­te Pfif­fe ge­gen ihn und Ru­fe wie ,Du wirst nie­mals Deut­scher sein‘.“Mit dem geg­ne­ri­schen Team ha­be es kei­ner­lei Pro­ble­me ge­ge­ben, „ei­ni­ge Zu­schau­er ha­ben aber nun de­fi­ni­tiv ei­ne Gren­ze über­schrit­ten“, sagt der Trai­ner.

Die HSG Ven­ni­kel/Ru­meln/Kal­den­hau­sen (HSG VeRuKa) weist die Vor­wür­fe ent­schie­den zu­rück: „Es hat die­se Ru­fe de­fi­ni­tiv nicht ge­ge­ben, wir wer­den ge­gen die Lan­ker Vor­wür­fe vor­ge­hen“, sagt Gabi Rou­land, Kas­sen­war­tin bei der HSG VeRuKa. Pao­lo Sa­bel­la, Vor­sit­zen­der des Ru­mel­ner Turn­ver­eins, sagt hin­ge­gen: „Wir wer­den den Vor­wür­fen na­tür­lich nach­ge­hen. Wir dis­tan­zie­ren uns selbst­ver­ständ­lich von rechts­ra­di­ka­lem Ge­dan­ken­gut“, sagt er. „Wir ver­su­chen, die Ab­läu­fe so gut es geht zu re­kon­stru­ie­ren. Wenn wir mer­ken, da ist et­was dran, dann ver­su­chen wir na­tür­lich auch zu han­deln. Es gibt aber kei­ne Auf­zeich­nung des Spiels. Dem­ent­spre­chend wird es nicht leicht sein, mög­li­che Per­so­nen auf der Tri­bü­ne aus­fin­dig zu ma­chen.“Man wer­de zeit­nah in­ner­halb des Ver­eins über das wei­te­re Vor­ge­hen be­ra­ten und auch das Ge­spräch mit Treu­deutsch Lank su­chen. Auf Face­book ver­öf­fent­lich­te der Ver­ein ei­ne Stel­lung­nah­me. Dar­in ist un­ter an­de­rem die Re­de da­von, dass die HSG sich in un­ter­schied­li­chen Pro­jek­ten für die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen ein­ge­setzt ha­be.

Phil­ipp Men­ken­ha­gen, der Ka­pi­tän von TD Lank 07, un­ter­stützt die Aus­sa­gen sei­nes Trai­ners. „Un­ser Spie­ler, der wäh­rend des Spiels vor dem ent­spre­chen­den Tri­bü­nen­ab­schnitt ge­spielt hat, hat die Ru­fe deut­lich ge­hört“, sagt Men­ken­ha­gen. „Nach dem Spiel gin­gen die Be­lei­di­gun­gen wei­ter, ich ha­be es selbst mit­ge­kom­men“, sagt er. Aus Wut sei er je­doch di­rekt in die Ka­bi­ne ge­gan­gen. Mo­ham­mad Al-Bo­nie war für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht zu er­rei­chen.

Auch der Schieds­rich­ter der Be­geg­nung, Ti­no Kapp­ler, war nicht zu er­rei­chen. Er war zu­sam­men mit Fried­helm Höl­ken als Un­par­tei­ischer an­ge­setzt. Höl­ken war ver­hin­dert, so dass sein Kol­le­ge das Spiel al­lei­ne lei­ten muss­te. Höl­ken ha­be aber mit sei­nem Kol­le­gen über die Vor­wür­fe ge­spro­chen. „Ihm ist nichts aus­ge­fal­len, es hat sich auch kei­ner bei ihm be­schwert“, sagt Höl­ken. Er be­stä­tigt al­ler­dings aus Er­fah­rung, dass ein Teil der Duis­bur­ger Fans pro­ble­ma­tisch sei: „Wir hat­ten als Schieds­rich­ter auch schon Pro­ble­me. Ei­ni­ge Zu­schau­er sind nicht zim­per­lich in ih­rer Wort­wahl. Auch wir wur­den be­lei­digt.“

Soll­ten sich die Vor­wür­fe be­stä­ti­gen, wä­re es nicht der ers­te Ras­sis­mus-Vor­fall, der sich die­ses Jahr im NRW-Hand­ball er­eig­net hät­te. Im Ja­nu­ar wur­de in der ost­west­fä­li­schen Ver­bands­li­ga bei der Par­tie zwi­schen der HSG Por­ta West­fa­li­ca und der HSG Har­se­win­kel ein Spie­ler der Gäs­te ras­sis­tisch be­lei­digt. Nach­dem er we­gen ei­ner Tät­lich­keit auf die Tri­bü­ne ver­wie­sen wur­de, emp­fin­gen ihn dort ei­ni­ge Fans der Heim­mann­schaft mit Af­fen­ge­räu­schen. Der west­fä­li­sche Hand­bal­lVer­band ver­ur­teil­te Por­ta West­fa­li­ca un­ter an­de­rem zu ei­ner Ord­nungs­stra­fe im drei­stel­li­gen Eu­ro-Be­reich.

Laut Die­ter Stro­band, dem Prä­si­dent des West­deut­schen Hand­bal­lVer­ban­des (WHV), kom­me es im Hand­ball nur sel­ten zu ras­sis­ti­schen Vor­fäl­len. „Sie wür­den von uns auch auf gar kei­nen Fall ge­dul­det. Wir wür­den ent­schie­den da­ge­gen vor- ge­hen“, sagt er. „Ras­sis­mus ist ein ab­so­lu­tes No-go im Sport.“Von Ver­bands­sei­te aus ge­be es aber der­zeit kein spe­zi­el­les Pro­jekt ge­gen Ras­sis­mus. „Wir se­hen kei­nen aku­ten Hand­lungs­be­darf.“

Beim Lan­des­sport­bund ist man be­sorgt über sol­che Nach­rich­ten. „Der Sport steht für Of­fen­heit, re­spekt­vol­len Um­gang mit­ein­an­der und nach­hal­ti­ge, ge­leb­te In­te­gra­ti­on“, sagt LSB-Prä­si­dent Wal­ter Schnee­loch. „Un­se­re Ver­ei­ne bie­ten mit ih­rer ho­hen Flä­chen­de­ckung so­wie ih­rem gro­ßen An­teil an Kin­dern und Ju­gend­li­chen viel­fäl­ti­ge Mög­lich­kei­ten, ein Kli­ma der Of­fen­heit, der To­le­ranz und des Re­spekts zu schaf­fen. Der LSB wen­det sich ent­schie­den ge­gen In­to­le­ranz, Ras­sis­mus und Rechts­ex­tre­mis­mus.“

„Wenn wir mer­ken, da ist et­was dran, dann ver­su­chen wir na­tür­lich

auch zu han­deln“

Vor­sit­zen­der des Ru­mel­ner TV

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