Die neu­en Kar­ne­vals­hits im Test

Rheinische Post Stadtteilausgabe Duesseldorf-Nord/Ost - - Düsseldorf - VON HELENE PAWLITZKI

Zum Ses­si­ons­be­ginn ha­ben wir uns die CD „Düsseldorf is me­ga­jeck 2019“mal kri­tisch an­ge­hört. Die wich­tigs­ten Er­kennt­nis­se.

Das ist der of­fen­sicht­li­che Hit Was pas­siert auf „Zim­mer 111“? So ei­ni­ges! Hal­ly Gal­ly be­schrei­ben das wil­de Kar­ne­valsto­hu­wa­bo­hu im gleich­na­mi­gen Song. Ein ech­ter Kra­cher, sou­li­ger Poprock vom Feins­ten, da­zu ein wit­zi­ger Text mit schlau­en Rei­men. Die zü­gi­gen 140 Beats pro Mi­nu­te eig­nen sich wun­der­bar zum Tan­zen.

Das ist der ge­hei­me Hit Ein Song, der nicht von Fei­ern, jeck sein oder von der Hei­mat Düsseldorf han­delt – das fin­det man sel­ten im Kar­ne­val. Die Fet­zer steu­ern mit „Sing mit (Döpp Döpp Döpp)“ein sol­ches Stück bei. Ein Song übers Song­schrei­ben, der text­lich durch­aus ei­ne Ge­schich­te er­zählt, mit pfif­fi­ger Pfeif­me­lo­die gu­te Lau­ne macht und trotz­dem sim­pel ge­nug zum Mit­sin­gen ist – so­was muss man erst mal schrei­ben. (Und das Gan­ze hat Gott­sei­dank auch nichts mit Scoo­ter zu tun.)

Die­sen Text soll­te man aus­wen­dig ler­nen Für größt­mög­li­chen Ef­fekt ist es wahr­schein­lich am sinn­volls­ten, den Text des Mot­to­lie­des „Je­me­en­sam Jeck“von The Jol­ly Fa­mi­ly aus­wen­dig zu kön­nen. Das wird ein­fach am häu­figs­ten ge­spielt. Zum Glück ist der Re­frain selbst für ein Kar­ne­vals­lied nicht über­kom­plex: „Na, nanana­na, ehe­jo, na, nanana­na, ehe­jo, na, nanana­na, wir sin’ je­me­en­sam jeck!“Beim Stro­phen­text wird es dann al­ler­dings schon schwie­ri­ger. Der ist näm­lich kom­plett in Mun­d­art. Aber wie im­mer gilt: fes­te ge­schun­kelt ist schon halb mit­ge­sun­gen.

Das ist der rich­ti­ge Song für den Ka­rao­ke-Abend Ide­al für al­le, die sich nicht al­lei­ne auf die gro­ße Play­back-Büh­ne trau­en, ist auf je­den Fall „Tanz den Jupp“von Jeck United. Ob Frau­en oder Män­ner – die bas­si­gen Hin­ter­grund­chö­re ma­chen rich­tig Spaß und las­sen sich auch bei er­höh­tem Al­ko­hol­pe­gel text­si­cher mit­sin­gen: Man singt ein­fach im­mer ab­wech­selnd „dö­d­ö­d­öp“, „hey“, „ho“, „la la la la la“und „nein nein nein nein nein“und „ja ja ja ja ja“. Es braucht nur ei­nen Vor­sän­ger, der et­was Show­ta­lent hat und Zei­len wie „Der Jo­sef liebt Mu­sik/’nen gei­len Bass, der schiebt“mit Cha­ris­ma ab­lie­fern kann. Die­ser Song könn­te auch auf der Ku­schel­rock sein „Do bes ons Hee­mot“be­singt nicht di­rekt die Lie­be zu Part­ner oder Part­ne­rin, son­dern eher zu Düsseldorf. Aber die Bal­la­de der Düsseldorf All Stars kann man durch­aus auch bei Ker­zen­licht oder zu­min­dest Feu­er­zeug­ge­fla­cker hö­ren. Und wer sei­ner Liebs­ten die An­fangs­zei­len „Du bes cool on bes ele­jant,/ mi­ens­tens fair, för je­de Jeck char­mant./Du bes ons Jlöck, mäks ons em­mer wid­der neu ver­röck“ins Ohr haucht, macht da­mit ro­man­tik­tech­nisch be­stimmt nichts falsch. Das ist der Song zum Hüp­fen und Sprin­gen Was pas­siert, wenn Seed, Schnei­der Wib­bel und ein Kar­ne­vals­prinz ein Kind zeu­gen? Wahr­schein­lich singt es die­sen Song, wenn es auf die Welt kommt: „Kanns­te kein Rhei­nisch“von Lin­sen­ding stampft, bringt den Po­po zum Wa­ckeln und lässt sich da­bei so­gar mit­grö­len. Der Text ist (na­tür­lich) in schöns­tem Rhei­nisch ver­fasst, er­teilt aber al­len mit Au­gen­zwin­kern die Ab­so­lu­ti­on, die es bis­her nicht ge­schafft ha­ben, die­se spe­zi­el­le Spra­che zu ler­nen. Das ist der po­li­tischs­te Song Es gibt ei­nen Song auf „Düsseldorf is me­ga­jeck 2019“, bei dem das ak­tu­ell et­was schwie­ri­ge, stark po­la­ri­sier­te Ge­sell­schafts­kli­ma the­ma­ti­siert wird: „Herz ge­gen Hass“von Alt Schuss. Die Band hat ein ganz un­pa­the­ti­sches, da­für aber au­then­ti­sches Lied ge­gen rech­te und sons­ti­ge Het­ze kom­po­niert. Gar nicht so ein­fach, da­zu ei­nen Kar­ne­vals­hit zu ma­chen. Den Bo­gen kriegt die Band gera­de noch so mit der Zei­le „Form ein Herz ge­gen Hass, für die Lie­be und den Spaß“.

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Die Band „de Fet­zer“lie­fern ver­läss­lich Hits. Auch in die­sem Jahr ist wie­der ei­ner da­bei.

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