Kri­tik an Heil­für­sor­ge für Po­li­zei

Der Lan­des­rech­nungs­hof rät, die spe­zi­el­le Ver­sor­gung ein­zu­spa­ren.

Rheinische Post Viersen - - Politik - VON THO­MAS REISENER

DÜSSELDORF Der Lan­des­rech­nungs­hof (LRH) emp­fiehlt der Lan­des­re­gie­rung aus Kos­ten­grün­den die Ab­schaf­fung der frei­en Heil­für­sor­ge für die rund 43.000 Po­li­zis­ten in NRW. In ei­nem Be­richt für den Haus­halts­kon­troll­aus­schuss am Diens­tag schrei­ben die obers­ten Rech­nungs­prü­fer: „Freie Heil­für­sor­ge gibt es schon seit mehr als 100 Jah­ren. Al­ler­dings be­ste­hen die ihr zu­grun­de lie­gen­den Rah­men­be­din­gun­gen, wie die Ka­ser­nie­rung der Po­li­zei­voll­zugs­be­diens­te­ten und ih­re al­lei­ni­ge Be­treu­ung durch Po­li­zei­ärz­te, seit Lan­gem nicht mehr.“

Im Haus­halts­jahr 2018 hat das Land für die Mög­lich­keit der NRW-Po­li­zis­ten, sich oh­ne jeg­li­chen Kos­ten­bei­trag ärzt­lich be­han­deln und mit Me­di­ka­men­ten ver­sor­gen zu las­sen, 90,8 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt. „Der Bund-Län­der-Ver­gleich hat­te er­ge­ben, dass ne­ben NRW nur noch Ba­den-Würt­tem­berg al­len Po­li­zei­voll­zugs­be­diens­te­ten ei­ne Heil­für­sor­ge oh­ne jeg­li­che Kos­ten­be­tei­li­gung ge­währt“, schreibt der LRH, der sei­ne Kri­tik dar­an ver­steckt auch schon im Jah­res­be­richt ge­äu­ßert hat.

In­zwi­schen ha­ben so­wohl das Fi­nanz- als auch das In­nen­mi­nis­te­ri­um dar­auf re­agiert. Bei­de Häu­ser leh­nen ei­ne Neu­re­ge­lung ka­te­go­risch ab. NRW-In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (CDU) sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Po­li­zis­tin­nen und Po­li­zis­ten sind in ih­rem Di­enstall­tag ganz be­son­de­ren Be­las­tun­gen und Ge­fah­ren aus­ge­setzt. Um uns al­le zu schüt­zen, le­ben sie qua­si täg­lich mit dem Ri­si­ko, sich im Dienst zu ver­let­zen. Aus die­sem Grund hal­te ich es für rich­tig, ih­nen – ge­nau­so wie Sol­da­ten – ei­ne freie Heil­für­sor­ge zu ge­wäh­ren.“Po­li­zei­ge­werk­schaf­ten, SPD und Grü­ne leh­nen die Ab­schaf­fung eben­falls ab und ar­gu­men­tie­ren ähn­lich. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand ge­ben zwei Land­tags­ab­ge­ord­ne­te zu, dass ih­re Par­tei­en an­dern­falls um die Wäh­ler­schaft der 43.000 Po­li­zis­ten und ih­rer An­ge­hö­ri­gen ban­gen müss­ten.

Nur Heinz Wirz, NRW-Chef des Bun­des der Steu­er­zah­ler, kri­ti­siert die Lan­des­re­gie­rung: „Der Vor­schlag des Lan­des­rech­nungs­ho­fes ist sach­lich rich­tig“, sagt Wirz. Die schwarz-gel­be Lan­des­re­gie­rung wür­de oh­ne­hin so gut wie kei­ne ei­ge­nen Spar­vor­schlä­ge ent­wi­ckeln. „Es ist sehr be­dau­er­lich, dass sie nun nicht ein­mal mehr be­reit ist, von Be­hör­den selbst ent­wi­ckel­te Spar­vor­schlä­ge um­zu­set­zen.“

Kon­kret emp­fiehlt der Lan­des­rech­nungs­hof ei­ne pau­schal am Grund­ge­halt be­mes­se­ne Be­tei­li­gung in Hö­he von 1,3 Pro­zent, was im Schnitt ei­ne mo­nat­li­che Be­las­tung von 46 Eu­ro je Heil­für­sor­ge­be­rech­tig­ten er­ge­ben wür­de. Das wür­de das Land jähr­lich um rund 23,7 Mil­lio­nen Eu­ro ent­las­ten.

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