Er­in­ne­run­gen

Freund­schafts­ver­trag

Rheinische Post Viersen - - Leserbriefe -

Die Un­ter­zeich­nung des neu­en deutsch-fran­zö­si­schen Freund­schafts­ver­tra­ges am 22. Ja­nu­ar 2019 in Aa­chen weck­te bei mir Er­in­ne­run­gen aus mei­ner frü­hen Kind­heit. Schon als Klein­kind hör­te ich von mei­nen El­tern des Öf­te­ren die Vor­na­men Max und Mo­ritz. Max, ein „On­kel“von mir, Mo­ritz, ein „Fran­zo­se“– so sind sie mir im frü­hen Ge­dächt­nis ge­blie­ben. Erst Jah­re spä­ter nahm ich zur Kennt­nis, dass es sich bei dem „Fran­zo­sen“um ei­nen fran­zö­si­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen han­del­te. Er soll­te mei­nen Groß­el­tern, die in Nie­der­schle­si­en da­mals ei­nen Bau­ern­hof be­wirt­schaf­ten, bei der Feld- und Stall­ar­beit un­ter­stüt­zen. Mei­ne Mut­ter und mei­ne Tan­ten er­zähl­ten oft, dass Mo­ritz beim Es­sen am Fa­mi­li­en­tisch sit­zen durf­te, was für ei­nen Kriegs­ge­fan­ge­nen strengs­tens ver­bo­ten war, und sie ihn vor schwe­ren, un­ge­wohn­ten Feld- und Stall­ar­bei­ten ver­schon­ten. Mei­ne Groß­el­tern be­han­del­ten Mo­ritz in ge­wis­ser Hin­sicht wie ei­nen Sohn. Sie dach­ten be­stimmt auch an ih­re ei­ge­nen zwei Söh­ne, die in ei­nem schreck­li­chen, grau­sa­men Krieg ih­re Pflicht ver­rich­ten muss­ten. So gab es al­so be­reits wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges de­usch-fran­zö­si­sche Freund­schaft in ei­nem klei­nen Kreis. Und kei­ne Erb­fein­de!

Wer­ner Klein­wäch­ter Rheurdt

FO­TO: DPA

Je­an-Yves Le Dri­an, Em­ma­nu­el Ma­cron, An­ge­la Mer­kel und Hei­ko Maas (von links) nach der Ver­trags­un­ter­zeich­nung im Aa­che­ner Rat­haus.

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