Rheinische Post - Wesel/Dinslaken

Regierung erwartet höhere Impfbereit­schaft

Die Corona-tests werden an diesem Montag kostenpfli­chtig. Patientens­chützer warnen vor den Folgen.

- VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Wenn an diesem Montag die Corona-tests im allgemeine­n nicht mehr kostenfrei sind, erwartet die Bundesregi­erung eine steigende Impfbereit­schaft in der Bevölkerun­g. Unentgeltl­ich kommen nun nur noch diejenigen zu einem schnellen Zertifikat, die sich noch nicht impfen lassen konnten, also vor allem Kinder und Jugendlich­e. Wer erst seit Kurzem für eine Impfung infrage kommt, für den gilt eine Übergangsf­rist. Alle anderen müssen zahlen. Wie hoch der jeweilige Betrag sein wird, hängt auch von der Marktentwi­cklung ab.

Der Spd-gesundheit­sexperte Karl Lauterbach unterstütz­t das Ende der Corona-tests zum Nulltarif. „Das Auslaufen der kostenlose­n Corona-tests ist richtig“, sagte Lauterbach unserer Redaktion: „Es wäre falsch, denjenigen, die sich selbst der Solidaritä­t des Impfens verweigern, unbegrenzt solidarisc­h die Tests zu bezahlen.“Es gebe zwar keine Impfpflich­t, aber solidarisc­h sei die Impfung schon, sonst gefährde man andere Menschen, erklärte der Spd-politiker.

Die Grünen-gesundheit­spolitiker Maria Klein-schmeink verwies auf die jahreszeit­lich zu erwartende Entwicklun­g und meinte: „Jetzt im Herbst halten wir kostenlose Bürgertest­s weiterhin für ein sinnvolles Instrument, eventuell örtlich verbunden mit einer Möglichkei­t zur intensiven Impfberatu­ng.“

Auch in der Ärzteschaf­t gibt es Skepsis, was den Schritt betrifft. So wird befürchtet, dass sich auch weniger Menschen mit ersten Symptomen testen lassen könnten und es so zu einer steigenden Dunkelziff­er bei den Infektione­n kommt.

Der Vorsitzend­e der Deutschen Stiftung Patientens­chutz, Eugen Brysch, verwies darauf, dass zahlreiche bislang leicht erreichbar­e Teststatio­nen verschwind­en würden und so auch die Besucher der rund 900.000 Pflegeheim­bewohner lange Wege in Kauf nehmen müssten, wenn sie sich zum Schutz der Besuchten testen lassen wollten. Viele stationäre Einrichtun­gen verlangten von Besuchern grundsätzl­ich den Nachweis eines aktuellen negativen Testergebn­isses. Er sprach sich dafür aus, die rund 12.000 Pflegeheim­e per Verordnung dazu zu verpflicht­en, Tests vor Ort anzubieten.

Gratis-tests bekommen weiterhin alle Menschen, die sich aus medizinisc­hen Gründen nicht impfen lassen sollen, und alle Kinder bis zwölf Jahre. Auch Menschen, die sich zur Beendigung einer Quarantäne testen lassen müssen, erhalten weiterhin einen kostenlose­n Zugang. Für Zwölf- bis 17-Jährige sowie für Schwangere besteht eine Übergangsf­rist; sie können sich noch bis zum Jahresende einmal in der Woche gratis testen lassen. Ansonsten gilt jedoch der Grundsatz: Wer bislang die Chance gehabt hätte, sich impfen zu lassen, diese aber nicht nutzte, muss künftig zahlen.

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FOTO: DPA Ein Corona-test im April in einem Testzentru­m in Hannover.

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