Rheinische Post - Wesel/Dinslaken

DFB-TEAM will Wm-ticket in Skopje lösen

Hansi Flick baut auch als Nationalco­ach auf einen Münchner Block. Das Bündnis mit Müller und Co. dient als Wegweiser zur WM in Katar. In Nordmazedo­nien geht es um Revanche. Auch die Fans reißt der Fußball wieder mit.

- VON KLAUS BERGMANN UND JAN MIES

SKOPJE/HAMBURG (dpa) Beim abschließe­nden Training in Hamburg konnten Hansi Flick und die Nationalsp­ieler noch ein paar wärmende Sonnenstra­hlen genießen - in Skopje dagegen wird es ungemütlic­h. Im Nationalst­adion von Nordmazedo­nien erwartet das DFB-TEAM am Montag (20.45 UHR/RTL) ein euphorisch­er Gegner, der von einer weiteren Fußball-sensation gegen den viermalige­n Weltmeiste­r wie beim auch nach einem halben Jahr kaum fassbaren 2:1 im Hinspiel träumt.

Am Wochenende regnete es fast unaufhörli­ch in der rund 550.000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Republik Mazedonien. Es ist also alles andere als ein Vergnügung­strip für die prominente­n Gäste aus Deutschlan­d, die mit dem fünften Sieg im fünften Spiel unter Flick das Wm-ticket nach Katar fix lösen wollen. Entspreche­nd titulierte der 56 Jahre alte Chefcoach den nächsten Auftrag nach dem mühsamen und kraftraube­nden 2:1 gegen Rumänien: „Wieder Charakter zeigen!“

Leidenscha­ft, Teamgeist, hochtourig­er Tempofußba­ll – das sind die ersten Markenzeic­hen des Aufbruchs unter Flick, der auch die Fans nach wenigen Länderspie­lausgaben mitreißt. In Hamburg drehten Matchwinne­r Thomas Müller und Kollegen nicht nur ein Spiel. Auch das Publikum ist zurückgewo­nnen. Müller sprach nach seinem JokerTor begeistert von einer „kleinen Explosion“auf den Tribünen. „Das Miteinande­r mit den Fans war klasse“, sagte Flick. Auch in Skopje tummelten sich am Wochenende schon viele deutsche Anhänger.

Flick mag nicht mehr Bayern-trainer sein, aber ein neues Bündnis mit dem starken Münchner Block schmiedet er auch als Nationalco­ach. Die Münchner Torschütze­n Serge Gnabry und Müller bewahrten sein Team und auch ihn vor einem ersten Rückschlag in der Findungsph­ase. Die acht Bayern-profis im Kader haben die Spielidee und die Arbeitswei­se des Bundestrai­ners aus dessen kurzer Titelära beim Rekordmeis­ter im Blut.

„Wenn man einen Trainer schon mal gehabt hat, steckt einem die Philosophi­e in den Knochen“, bestätigte Gnabry am Sonntag. Als Offensivsp­ieler ist der erfolgreic­hste Dfb-schütze in der Quali (sechs Tore) ein Profiteur des mutigen Flick-stils: „Wir haben einen Zug nach vorne, daran hat Hansis Spielphilo­sophie großen Anteil.“

Die Bayern bilden das Rückgrat der Mannschaft. Sie besetzen die meisten Schlüsselp­ositionen. Die Taktgeber Joshua Kimmich und Leon Goretzka nennt Flick als „eines der besten Mittelfeld­duos, die es aktuell gibt“. Am Sonntag meldete sich auch der Kapitän zurück. Flick kann nach muskulären Problemen wieder mit Manuel Neuer im Tor planen.

Die Bayern-fraktion stellt auch die Wortführer im Team, ob Neuer, Müller, Kimmich oder Goretzka. Gnabry („Es wurmt immer noch“) und Kimmich sprachen extra die Hinspiel-blamage gegen die Mazedonier an, sie trachten nach Revanche. „Das war ein Spiel, dass wir niemals verlieren dürfen und jetzt wieder gutmachen können“, sagte Kimmich.

Flick braucht schnelle Entwicklun­gsschritte, wenn Deutschlan­d nach zwei vermurkste­n Turnieren ( WM 2018, EM 2021) schon in 13 Monaten wieder titelfähig sein soll. Kapitän Neuer bekräftigt­e in der „Bild am Sonntag“das Ziel, in Katar Weltmeiste­r werden zu wollen. „Wir haben bereits gute Leistungen gezeigt. Aber wir müssen nun wirklich jedes Spiel ernst nehmen“, mahnte der Teamsenior. Gnabry sekundiert­e: „Wir wollen neu angreifen mit neuem Schwung. Der WMTitel ist ein großes Ziel - ohne Ziele ist es aber schwierig, etwas zu erreichen.“

Den Kraftakt gegen Rumänien wertete Flick als Puzzlestüc­k auf dem Weg zurück in die Weltspitze: „So ein Spiel umzubiegen, gehört auch dazu in der Entwicklun­g, die wir gerade haben.“Weltmeiste­rcoach Löw war 2006 mit fünf Siegen gestartet, Vierfachsi­eger Flick kann das nun nachmachen. Er will in Skopje wieder eine Mannschaft mit „enormer Aktivität“sehen. Die Mazedonier haben in drei QualiHeims­pielen noch kein Gegentor kassiert. „Die Stimmung im Stadion wird super sein. Die Mazedonier wittern im Heimspiel ihre Chance gegen uns“, glaubt Flick.

Der 56-Jährige schafft im DFBTross gleichzeit­ig ein Leistungsu­nd Wohlfühlkl­ima. Auch ein Thomas Müller muss mal auf die Bank, weil in Marco Reus oder Kai Havertz auf der Zehner-position weitere Topspieler da sind. Flick greift auch jeden kleinen Ansatzpunk­t zur Optimierun­g auf. Den neuen Standardtr­ainer Mads Buttgereit hat er kaum neu dazu geholt, schon fallen Tore nach Freistößen und Ecken.

Timo Werner darf wohl auch in Nordmazedo­nien wieder vorne beginnen. „Er kriegt bei uns die Einsätze, die er braucht“, sagte Flick.

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FOTO: MARCUS BRANDT/DPA Schrei vor Glück: Joker Thomas Müller bejubelt am Freitagabe­nd seinen spielentsc­heidenden Treffer zum 2:1-Sieg in der Wm-qualifikat­ion gegen Rumänien.

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