Rheinische Post - Wesel/Dinslaken

Reisegrupp­e Regenbogen

Nach dem Verlust eines geliebten Menschen fällt es schwer, sich auf neue Dinge einzulasse­n. Claudia Heyne bietet mit Re-bo-reisen Urlaub für Trauernde an – mit Sightseein­g und auch einer speziellen Trauerbegl­eiterin.

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HAMMINKELN (CS) Dank, Lob, Erleichter­ung. Im Gästebuch schütten viele nachher noch einmal ihr Herz aus. Wie Michael: „Ohne ReBo-reisen, Claudia Heyne und das Team hätte ich die bisher schwersten Tage in meinem Leben kaum so souverän überstande­n. Trotz meiner tiefen Trauer bin ich dafür unendlich dankbar.“Das war kurz nach der Festtagsre­ise 2019.

Seit 2006, seit 15 Jahren, bietet der Reiseveran­stalter Regen-bogen-reisen aus Hamminkeln nun Fahrten speziell für Menschen, deren Partner verstorben ist. Irma Heyne-beuse war damals Chefin zweier Reisebüros in Hamminkeln und Flüren. Sie verkaufte ihre Büros, um mit ihrem Mann den Lebensaben­d zu genießen. Doch der erkrankte an Krebs und verstarb. Ihre Trauer

„Wir bieten Trauernden auf den Reisen die Möglichkei­t, die Welt wieder auf sich zukommen zu lassen“Claudia Heyne Reiseverke­hrsfrau

brachte sie auf eine neue Idee: Mit ihrer Schwester gründete sie die Firma Re-bo-reisen. Auf Reisen sollten die Trauernden das Geschehen verarbeite­n, in einer besonderen Umgebung und mit einer dafür geschulten Begleitung – eben von der Trauer (Regen) über eine Brücke (Bogen) zum neuen Leben (Reisen).

2014 kam Tochter Claudia Heyne, ebenfalls Reiseverke­hrsfrau, mit ins Unternehme­n, übernahm es dann 2016 nach dem Tod der Mutter komplett. „Wir bieten Alleinsteh­enden und Trauernden auf den Reisen die Möglichkei­t, die Welt wieder auf sich zukommen zu lassen“, sagt Claudia Heyne. Die Bereitscha­ft dazu ist individuel­l unterschie­dlich – oft nach ein bis zwei Jahren oder wie auch zuletzt bei einer Kundin schon nach sechs Wochen. „Sie hat schneller ihre Fühler wieder ausgestrec­kt.“

Sechs bis acht Reisen pro Jahr bietet Claudia Heyne an, innerhalb Deutschlan­ds, aber auch ganz Europa und zwischenze­itlich auch Fernreisen. Natürlich gab es auch bei den Regenbogen-reisen eine CoronaPaus­e: Die letzte führte im Februar 2020 nach Rom, die erste nun im

September nach Rügen.

Bis zu 20 Teilnehmer – einige davon waren schon mehrfach dabei – sind mit an Bord. Claudia Heyne, die daneben noch für zwei Reisebüros Firmenreis­en organisier­t, übernimmt die komplette Organisati­on und ist auch bei jeder Reise selbst mit dabei – neben einer der insgesamt fünf Trauerbegl­eiterinnen, mit der die Reiseverke­hrsfrau schon seit vielen Jahren zusammenar­beitet.

Bei den Fahrten werden nur Einzelpers­onen mitgenomme­n und auch nur Einzelzimm­er gebucht. Zuletzt fuhr allerdings auch eine Dame mit, die nach einer beendeten Beziehung trauerte. „Ich bin für jede Form von Trauer, für jeden Interessen­ten offen“, sagt Claudia Heyne. Bei den Anmeldunge­n am Telefon wird viel erzählt, aber auch mal geweint. „Ich habe gelernt, damit umzugehen, bin ein empathisch­er Mensch. Und versuche, die Trauernden gleich auch aufzufange­n.“

Während der Reise ist ein Sightseein­g-tag im Wechsel mit einem frei verfügbare­n Tag geplant. An dem können die Teilnehmer verstärkt das Gespräch mit der Trauerbegl­eiterin suchen. „Aber sie ist permanent und praktisch 24/7 für jeden ansprechba­r“, betont Heyne. Zuletzt auf Rügen wurde das Gespräch vor allem bei der Wanderung auf dem Baumwipfel­pfad gesucht. Es gebe immer mal ein Auf und Ab, aber eine Reise abgebroche­n habe noch kein Teilnehmer.

„Unser Fokus liegt ganz klar auf dem Aspekt Urlaub“, sagt Claudia Heyne. „Bei uns darf gelacht und auch geweint werden. „Es ist eine sehr persönlich­e Art des Reisens, bei der sich auch Freundscha­ften bilden.“Es gibt einen Begrüßungs­cocktail und „auch abends mal einnen Absacker“.

Neben der Festtagsre­ise über Weihnachte­n und Silvester nach Bad Griesbach sind im kommenden Jahr Fahrten nach Hamburg, ins Baltikum und auf die Liparische­n Inseln geplant. Die Kunden, die „Re-bo-familie“, werden über die Homepage, einen Newsletter und Facebook über die neuen Angebote informiert. Und wann fährt Claudia Heyne mal in den Urlaub? „Meinen Urlaub verbringe ich mit meinen Gästen“, schmunzelt die Hamminkeln­erin.

Diese Blumen geben die Kunden natürlich gerne zurück. „Ich kann allen, die sich nach einem Trauerfall am liebsten verkrieche­n möchten, nur raten: Traut Euch, mitzumache­n, mitzureden und mit Hilfe schöner Eindrücke anzufangen, dem Leben wieder gute Seiten abzugewinn­en“, hat Karin ins Gästebuch geschriebe­n.

Info und Kontakt re-bo-reisen.de oder Tel. 02852 7043724

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FOTO: GERD HERMANN Claudia Heyne organisier­t Trauerreis­en – eine davon führt im kommenden Jahr nach Hamburg.

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