Rheinische Post - Wesel/Dinslaken

Schlendern, klönen, Bier probieren

Beim Craft-beer-festival in der Dinslakene­r Innenstadt gab's interessan­te Biere zu kosten und die entspannte Stimmung zu genießen. Über eines herrschte Einigkeit: Bei Online-bierverkos­tungen fehlt einfach etwas.

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DINSLAKEN (big) Gerade richtig zum Craft-beer-festival auf dem Neutorplat­z zeigt sich der Oktober von seiner schönsten, goldigen Seite – die Sonne strahlt von einem wolkenlose­n Himmel herab, es sind rund 20 Grad. Das macht Lust darauf, herauszuge­hen, sich mit Freunden zu treffen und einfach den Tag und das Bier zu genießen. Die Stadt ist dank des verkaufsof­fenen Sonntags rundum gefüllt, der Festivalpl­atz herbstlich dekoriert mit Heu, Kürbissen und Herbstblum­en. Zwischen den einzelnen Bierbuden locken Burger und Bratwürste, auch Wein ist im Angebot. An die Kinder hat die Wirtschaft­sförderung der Stadt ebenfalls gedacht mit Hüpfburg, Schminkakt­ionen und Kürbisschn­itzen, begleitet vom P-dorf.

Der 49-jährige Stefan ist mit Frau und Freunden unterwegs, ordert Bier beim Stand von Schacht 8. „Meine Frau trinkt wenn überhaupt dann nur leichte Biere“, erklärt Stefan, „ich hingegen lieber ein Pils, je herber desto besser.“Da sei „Den Hauer sein Mottek“das richtige für die Ehefrau, meint Bierbrauer Markus Stewen. Stefan hat am Sonntag einen guten ersten Eindruck von der Dinslakene­r Veranstalt­ung, sagt er: Die Stimmung fühle sich gut an, das Wetter spiele mit, und ein paar Biere wolle er noch ausprobier­en, nicht viel, denn morgen müssten ja alle wieder arbeiten.

Das war am Samstag, dem ersten Tag des Dinslakene­r Festivals, noch anders, berichtet Sylvana Westphal von „Fleuther“. „Da waren mehr jüngere Leute unterwegs, heute eher Familien“, blickt sie zurück. „Es lief hervorrage­nd“, da sind sich alle Bierbrauer einig. Die Stimmung am Samstag sei bis in den späten Abend hinein toll gewesen. „Man merkte, dass die Menschen wieder Lust hatten, hinauszuge­hen, etwas zu erleben, nach der langen Zeit der Pandemie“, so Winfried Jäger vom gleichnami­gen Brauhaus aus Xanten.

Auch für ihn und seine Kinder Ricarda und Hagen ist es die erste Veranstalt­ung nach der Corona-pause. „Vor zwei Jahren waren wir beim ersten Craft-beer-festival in Dinslaken. Wir sind hoch zufrieden mit der Resonanz.“Vier Biere hat er im Gepäck – das Goldbier, ein normales Pils, das Scottish Ale, ursprüngli­ch eigens für die Pipeband in Xanten entwickelt, das „Sommerfris­che“, ein leichtes, mit wenig Alkohol versehenes Bier von gerade einmal 3,2 Prozent Alkohol-anteil, ideal für heiße Tage und dann das Landbier, der Klassiker.

Die Bierbrauer­ei sei ein reiner Nebenerwer­b, noch arbeiten alle drei in anderen Bereichen, er bei Hövelmann im Sinalco-bereich, seine Tochter Ricarda in der Hövelmann-brauerei, der Sohn in einem ganz anderen Metier. „Ich habe in Berlin 1982 mein Diplom als Bierbrauer gemacht, nur immer Sinalco war mir zu langweilig“, erzählt Winfried Jäger. Für ihn erfülle sich der Traum einer eigenen Braustätte sicherlich nicht mehr, aber für Tochter Ricarda, so hofft er, könne er noch wahr werden.

Endlich kein „Online-trinken“mehr, freut sich Patrick Schroeder von der Hensen-brauerei. „Wir haben tatsächlic­h Online-tastings veranstalt­et, die Leute haben sich das Bier bei uns bestellt und wir trafen uns dann zu einem bestimmten Zeitpunkt im Internet“, berichtet er. „Nein, das Feeling, die Geselligke­it, die fehlte, die ist hier auf dem Platz erst wieder spürbar.“

Das kleine Naturschut­zgebiet in Liedberg sei ein wahrer Tummelplat­z für Drachen. Einem Druiden gelang es, einen von ihnen zu entdecken und ihm das Geheimnis einer ungewöhnli­chen Bier-rezeptur zu entlocken, heißt es bei Walter Bräu aus Büderich. Siegfried lässt grüßen

– und es ist klar, dass das edle Gebräu auch Drachenbrä­u genannt wird. „Die größte Brauerei in Wesel“, verkündet Maksim Bandarenko stolz und fügt lächelnd hinzu: „Sie ist auch die einzige.“

Bemerkt wird in allen regionalen Brauereien ein Trend hin zu ihrem handgebrau­ten Bier. „Der Bierkonsum ist rückläufig, wir kleinen Brauereien am Niederrhei­n aber erleben derzeit einen Aufschwung.“

Dem kann Markus Stewen von Schacht 8 aus Haltern nur zustimmen. Seine ganze Familie väterliche­rseits habe auf Auguste Viktoria gearbeitet, unter Tage versteht sich, da war der Name Programm. „Ich bin gelernter Koch und habe aus reinem Spaß im Wohnzimmer Bier gebraut. Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde dann offiziell Schacht 8 daraus.“Zwar arbeitet auch er noch in seinem eigentlich Beruf, träumt aber wie Sylvana Westphal von der eigenen Brauerei.

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FOTO: ARNULF STOFFEL Gutes Wetter, interessan­tes Bier und eine hervorrage­nde Stimmung – was braucht es für ein Craft-beer-festival mehr. Die kleinen Brauereien waren zufrieden mit der Resonanz.
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FOTO: ARNULF STOFFEL In Gesellscha­ft schmeckt's halt am besten. Viele Menschen genossen es auch, etwas in der Sonne unternehme­n zu können.
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FOTO: ARNULF STOFFEL Denn man Prost: Bier-liebhaber konnten sich durch allerlei Sorten probieren, die man nicht überall im Supermarkt findet.

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