Von Jes­se kam die Art

KLINGELBEUTEL

Rheinische Post Xanten - - Gott Und Die Welt - PFAR­RER STE­FAN VOGT, PFAR­RER DER EVAN­GE­LI­SCHEN KIR­CHEN­GE­MEIN­DE VLUYN

Ad­vent und Weih­nach­ten ist auch die Zeit der Lie­der. Viel­leicht ist Ih­nen auf­ge­fal­len, dass es in vie­len christ­li­chen Weih­nachts­lie­dern auch Be­zü­ge auf das Al­te Tes­ta­ment und den jü­di­schen Glau­ben gibt. Be­grif­fe wie „Zi­on“und „Je­ru­sa­lem“ste­hen dort im Kon­text der Hoff­nung auf das Kom­men des Er­lö­sers. „Toch­ter Zi­on freue dich, jauch­ze laut, Je­ru­sa­lem“heißt es in dem be­kann­ten Ad­vents­lied. Mit „Jes­se“ist in dem Lied „Es ist ein Ros ent­sprun­gen“der Va­ter von Kö­nig Da­vid aus dem Al­ten Tes­ta­ment ge­meint. Sol­che Be­zü­ge auf das Al­te Tes­ta­ment und den jü­di­schen Glau­ben woll­ten die Na­zis un­term Weih­nachts­baum nicht dul­den. 1933 er­schien ei­ne Schrift des Kie­ler Alt­tes­ta­ment­lers Wil­helm Cas­pa­ri mit dem be­zeich­nen­den Ti­tel: „Über alt­tes­ta­ment­li­che Be­zug­nah­men im evan­ge­li­schen Ge­s­ang­buch und ih­re Be­sei­ti­gung“. Ganz sys­te­ma­tisch wur­den al­le jü­di­schen Be­zü­ge aus dem Ge­s­ang­buch ent­fernt um ei­ne „Ent­ju­dung“der Lie­der zu voll­zie­hen. Da­ge­gen reg­te sich nur we­nig Wi­der­stand wie et­wa vom Köl­ner Kir­chen­mu­si­ker Ju­lio Gos­lar, der auf­grund sei­ner jü­di­schen Ab­stam­mung sei­nen Be­ruf bis zum En­de des Krie­ges nicht mehr aus­üben durf­te. Elf Lan­des­kir­chen ha­ben dann am 6. Mai 1939 auf der Wart­burg ein „In­sti­tut zur Er­for­schung und Be­sei­ti­gung des jü­di­schen Ein­flus­ses auf das kirch­li­che Le­ben“ge­grün­det. Ein trau­ri­ges Ka­pi­tel der Kir­chen­ge­schich­te. Ein dunk­ler, Schat­ten der über un­se­rem deut­schen Weih­nachts­fest liegt. Das soll­ten auch all die­je­ni­gen be­den­ken, die in Dres­den bei Pe­gi­da Weih­nachts­lie­der ge­gen Mus­li­me an­stim­men.

Wenn wir Weih­nachts­lie­der sin­gen, dann soll­te uns un­se­re Ge­schich­te zu den­ken ge­ben. Je­sus war Ju­de. Er kam als jü­di­scher Mes­si­as zum jü­di­schen Volk. An­ti- se­mi­tis­mus hat in der christ­li­chen Kir­che kei­nen Platz, weil wir un­se­re ei­ge­ne Exis­tenz nicht oh­ne un­se­re Glau­bens­wur­zeln im Al­ten Tes­ta­ment ver­ste­hen kön­nen. Un­se­re Weih­nachts­lie­der sind al­so ein Aus­druck un­se­rer Ver­bun­den­heit mit Is­ra­el. „Von Jes­se kam die Art“- das soll­ten wir nie­mals ver­ges­sen, wenn wir, wie un­se­re Kanz­le­rin emp­foh­len hat, Weih­nachts­lie­der an­stim­men und ei­nen fin­den, der da­zu Block­flö­te spielt.

Ei­nen be­sinn­li­chen Ad­vent!

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