Wie aus To­ni­to ein Clown wird

Jon­ny Cass­sel­ly jr. und sei­ne Ar­tis­ten ge­währ­ten ei­nen Blick hin­ter die Ku­lis­sen des Weih­nacht­scir­cus. Bei ei­nem Früh­stück un­ter an­de­rem für RP-Le­ser spra­chen sie über Lam­pen­fie­ber, Schu­le für Zir­kus­kin­der und schlech­te Lau­ne.

Rheinische Post Xanten - - Xanten/sonsbeck - VON MAR­KUS WERNING

XAN­TEN Bei­na­he täg­lich ste­hen sie in der Ma­ne­ge und brin­gen das Pu­bli­kum zum La­chen, ver­set­zen es in Er­stau­nen oder las­sen es den Atem an­hal­ten. Für ein paar St­un­den ho­len sie ih­re Zu­schau­er aus dem All­tag und ent­füh­ren sie in ei­ne Welt vol­ler Freu­de und Fan­ta­sie. Aber wie sind sie ei­gent­lich ge­wor­den, was sie sind: Ar­tis­ten?

Jon­ny Cas­sel­ly jr. und sei­ne Mit­ar­bei­ter ga­ben dar­auf ei­ne Ant­wort. Bei ei­nem Früh­stück be­ant­wor­te­ten sie Fra­gen ih­rer Zu­schau­er. Es war ei­ne ex­klu­si­ve Run­de: Die Plät­ze da­für

„Wenn man nicht mehr auf­ge­regt ist, nimmt man sei­nen Job nicht mehr ernst“

To­ni­to Al­exis

Clown im Weih­nacht­scir­cus

wa­ren ver­lost wor­den, un­ter an­de­rem von der Rhei­ni­schen Post. Bei Bröt­chen und Kaf­fee spra­chen die Ar­tis­ten dar­über, wie sie zum Zir­kus ge­kom­men sind und wie sie sich auf ih­re Vor­stel­lun­gen vor­be­rei­ten. Wir do­ku­men­tie­ren ei­ni­ge Fra­gen und Ant­wor­ten.

Sind Sie vor ei­nem Auf­tritt noch auf­ge­regt? „Lam­pen­fie­ber ist ein Muss“, sagt Clown To­ni­to Al­exis. „Wenn man nicht mehr auf­ge­regt ist, nimmt man sei­nen Job nicht mehr ernst und soll­te die Show sein las­sen.“Denn als Clown tra­ge er ei­ne Ver­ant­wor­tung: Sein Pu­bli­kum wol­le un­ter­hal­ten wer­den, er dür­fe aber nie­man­den mit sei­nen Scher­zen ver­let­zen oder be­lei­di­gen. „Es darf kein Witz un­ter die Gür­tel­li­nie ge­hen und es darf kein Witz zu viel sein.“An­fang Ja­nu­ar wer­de er noch et­was auf­ge­reg­ter sein als sonst, er­zählt To­ni­to Al­exis: Sei­ne El­tern hät­ten sich an­ge­kün­digt und woll­ten ei­ne Vor­stel­lung be­su­chen. „Sie sind ja nicht nur mei­ne El­tern, son­dern auch mei­ne Leh­rer.“Sein Va­ter ist eben­falls ein Clown.

Ist es an­stren­gend, im­mer lus­tig zu sein? Für ihn nicht, ver­si­chert Clown To­ni­to Al­exis. „Ich den­ke im­mer dar­an, die Leu­te glück­lich zu ma­chen, et­was an­de­res möch­te ich nicht ma­chen.“Wenn er in die Ma­ne­ge ge­he, stel­le er sich vor, dass un­ter sei­nen Zu­schau­ern auch ei­ni­ge Men­schen sei­en, die ei­nen schwe­ren Tag ge­habt hät­ten und auf­ge­mun­tert wer­den woll­ten. „Dann möch­te ich es schaf­fen, dass sie ih­ren grau­en All­tag ver­ges­sen.“

Ha­ben Sie auch ein­mal ei­nen schlech­ten Tag? „Na­tür­lich!“, sagt To­ni­to Al­exis en­er­gisch. Schließ­lich sei auch er nur ein Mensch. „Al­so ha­be ich auch mal schlech­te Lau­ne.“Aber an sol­chen Ta­gen wen­de er ei­nen Trick an: „Ich ha­be ei­ne ma­gi­sche Kis­te in der Gar­de­ro­be, und vor ei­ner Vor­stel­lung pa­cke ich al­le schlech­ten Erlebnisse in die­se Kis­te“, be­rich­tet der 26-Jäh­ri­ge. Die­se Kis­te las­se er in der Gar­de­ro­be und da­mit auch die schlech­te Lau­ne, be­vor er das Zir­kus­zelt be­tre­te. „Und wenn ich in die Ma­ne­ge kom­me, und das Pu­bli­kum freut sich, dann kann ich so­wie­so nur gu­te Lau­ne ha­ben.“

Ha­ben die Men­schen schon ein­mal nicht über Sie ge­lacht? „Bis jetzt nur in mei­nen Alb­träu­men“, ver­rät Clown To­ni­to Al­exis. „Meis­tens weiß ich, wor­über die Men­schen la­chen.“Manch­mal lach­ten sie wäh­rend sei­nes Auf­tritts aber auch an Stel­len, an de­nen er es nicht er­war­tet ha­be. „Und es kann sein, dass ein Witz in der Vor­stel­lung am Mit­tag funk­tio­niert, am Abend aber nicht.“Hu­mor las­se sich eben nicht pla­nen. Sein Auf­tritt le­be des­halb von sei­ner Spon­ta­ni­tät. Die nö­ti­ge Er­fah­rung, um auf sein Pu­bli­kum je­der­zeit ein­ge­hen zu kön­nen, hat er: Seit 23 Jah­ren tritt er als Clown auf – hier in Deutsch­land, aber auch in an­de­ren Län­dern.

Wie sind Sie zum Zir­kus ge­kom­men? Als er drei Jah­re alt ge­we­sen sei, ha­be sein Va­ter ihn zum ers­ten Mal mit in die Ma­ne­ge ge­nom­men, er­zählt To­ni­to Al­exis. „Die Leu­te ha­ben ge­tobt, ich be­kom­me heu­te noch Gän­se­haut, wenn ich dar­an den­ke.“Seit­dem tre­te er auf. Zur Schu­le sei er trotz­dem ge­gan­gen zum Zir­kus Kro­ne, für den sein Va­ter da­mals ar­bei­te­te, hät­ten Leh­rer ge­hört, die die Kin­der un­ter­rich­tet hät­ten. Von 8 bis 13 Uhr ha­be er Un­ter­richt ge­habt, ab 14 Uhr im Zir­kus ge­ar­bei­tet, zwi­schen 18.30 und 20 Uhr die Haus­auf­ga­ben ge­macht und zu Abend ge­ges­sen, be­vor die Abend­vor­stel­lung be­gon­nen ha­be, an der er mit ei­ner Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung trotz sei­nes jun­gen Al­ters ha­be mit­ma­chen dür­fen. Um 23 Uhr sei er dann ins Bett ge­gan­gen.

Man hört so viel von Zir­kus­fa­mi­li­en? Gibt es auch Sei­ten­ein­stei­ger? Sein Ur­ur­groß­va­ter war Clown, sein Ur­groß­va­ter eben­falls, ge­nau­so wie sein Groß­va­ter und sein Va­ter: To­ni­to Al­exis ist Clown in der fünf­ten Ge­ne­ra­ti­on. Jon­ny Cas­sel­ly jr. lebt den Zir­kus so­gar schon in der ach­ten Ge­ne­ra­ti­on. Zir­kus­fa­mi­li­en sei­en sehr ver­brei­tet, sagt Clown Bo­bo­ri, ein lang­jäh­ri­ger Freund von Jon­ny Cas­sel­ly jr. Er selbst da­ge­gen sei ein Sei­ten­ein­stei­ger: Sei­ne El­tern hät­ten nicht im Zir­kus ge­ar­bei­tet, aber er ha­be sich das schon als klei­ner Jun­ge ge­wünscht.

Wie hat sich die Zir­kus­welt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­än­dert? Es wer­de mehr Licht- und Ton­tech­nik ein­ge­setzt, die Prä­sen­ta­ti­on sei mo­der­ner ge­wor­den, sagt Clown Bo­bo­ri. Aber wo­für der Zir­kus ste­he, was er ver­kör­pe­re, das ha­be sich nicht ge­än­dert. Für ihn ge­hör­ten auch wei­ter­hin Tie­re da­zu. Die­ses Mal hät­ten sie zwei Ti­er­num­mern im Weih­nacht­scir­cus: ei­ne Num­mer mit ei­nem Po­ny und ei­ne mit ei­nem Hund.

Ma­chen Sie mit dem Mit­mach­zir­kus wei­ter? Ja, es wer­de auch 2019 ei­nen Mit­mach­zir­kus ge­ben, ver­si­chert Jon­ny Cas­sel­ly jr. „Wir lie­ben es, aus den Kin­dern Ar­tis­ten zu ma­chen und zu se­hen, wie ih­re Au­gen dann leuch­ten.“Die ge­nau­en Termine und wei­te­re In­for­ma­tio­nen wür­den in den nächs­ten Wo­chen be­kannt­ge­ge­ben. Dann sei auch ei­ne An­mel­dung mög­lich.

Der Weih­nacht­scir­cus gas­tiert noch bis zum 6. Ja­nu­ar in Xan­ten. Es gibt nur noch ver­ein­zelt Kar­ten. Ti­cket-Hot­li­ne: 01578-7783530.

Die Plät­ze für das Früh­stück mit den Ar­tis­ten wa­ren ver­lost wor­den, und sie hat­ten un­ter an­de­rem ge­won­nen: Ga­b­rie­le und Ro­land Rau­mann (l.) so­wie Mo­ni­ka und Wer­ner Diep­mann.

Et­was wei­ße Schmin­ke, et­was ro­te Schmin­ke, dann die Kon­tu­ren nach­zie­hen, et­was Pu­der aufs Ge­sicht und ein an­de­rer An­zug - und aus To­ni­to wird ein Clown.

FO­TOS: AR­MIN FI­SCHER

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.