NRW bei Bau­in­ves­ti­tio­nen weit hin­ten

Maro­de Stra­ßen und Schu­len sind po­li­ti­sche Auf­re­ger-The­men. Ei­ne Stu­die zeigt, dass die meis­ten Bun­des­län­der ih­re Bau­in­ves­ti­tio­nen auch im ver­gan­ge­nen Jahr nicht ge­stei­gert ha­ben.

Rheinische Post - - VORDERSEITE - VON REINHARD KOWALEWSKY UND BIRGIT MARSCHALL

BERLIN/KÖLN NRW ge­hört ne­ben Berlin und Bre­men im Län­der­ver­gleich wei­ter­hin zu den Schluss­lich­tern, wenn es um staat­li­che In­ves­ti­tio­nen in Stra­ßen, Schu­len, Breit­band­net­ze und öf­fent­li­che Ge­bäu­de geht. Das zeigt ei­ne noch un­ver­öf­fent­lich­te Stu­die des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW), die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Dem­nach ha­ben das Land und die Kom­mu­nen in NRW zwi­schen 2010 und 2016 durch­schnitt­lich pro 100 Eu­ro Haus­halts­mit­tel nur drei Eu­ro in die In­fra­struk­tur ge­steckt. Die Spit­zen­rei­ter Bay­ern, Ba­den-Würt­tem­berg und Sach­sen in­ves­tier­ten da­ge­gen pro 100 Eu­ro über sie­ben Eu­ro in Bau­maß­nah­men und da­mit mehr als das Dop­pel­te. In NRW er­höh­ten Land und Kom­mu­nen die Bau­in­ves­ti­ti­ons­quo­te auch 2017 nur mi­ni­mal ge­gen­über den Jah­ren da­vor. Dies soll sich aber 2018 än­dern.

Die un­ter­durch­schnitt­li­chen öf­fent­li­chen In­ves­ti­ti­ons­quo­ten in NRW, aber auch in Berlin, Bre­men, Rhein­land-Pfalz, Hes­sen, Nie­der­sach­sen, im Saar­land und Bran­den­burg, sind seit Jah­ren ein Auf­re­ger-The­ma. Das schlech­te Ab­schnei­den von NRW geht zwar noch auf das Kon­to der rot-grü­nen Vor­gän­ger­re­gie­rung. Al­ler­dings kann auch Schwarz-Gelb nach ei­nem Jahr Re­gie­rungs­zeit noch nicht mit ein­deu­ti­gen Er­fol­gen punk­ten.

„Nur fünf Bun­des­län­der hat­ten 2017 ei­ne hö­he­re Bau­in­ves­ti­ti­ons­quo­te als im Schnitt der Jah­re 2010 bis 2016“, schrei­ben die Stu­di­en­au­to­ren To­bi­as Hent­ze und Mar­tin Bez­nos­ka. Sie nen­nen Ba­den-Würt­tem­berg, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Hamburg, Schles­wig-Hol­stein und Bre­men. Die ge­rin­ge In­ves­ti­ti­ons­quo­te in NRW lässt sich vor al­lem da­mit er­klä­ren, dass hier vie­le Kom­mu­nen un­ter ei­ner schwie­ri­gen Fi­nanz­la­ge, et­li­che in Haus­halts­not­la­gen, lei­den. „Al­ler­dings ist das Land für die Fi­nanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen ver­ant­wort­lich“, so Hent­ze. „Es steht in der Pflicht, die Kom­mu­nen bes­ser aus­zu­stat­ten, da­mit sie in die In­fra­struk­tur in­ves­tie­ren kön­nen.“

Vor al­lem beim Breit­band-Aus­bau hinkt NRW hin­ter­her. Die Kom- mu­nen hat­ten im April die­ses Jah­res zwar im­mer­hin 487 Mil­lio­nen Eu­ro vom Bund für Breit­band-Pro­jek­te ge­neh­migt be­kom­men, doch ab­ge­ru­fen wur­den nur 1,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Ein Grund war, dass die al­te Lan­des­re­gie­rung die Kom­mu­nen we­nig da­bei un­ter­stütz­te, über­haupt An­trä­ge zu stel­len.

Um im Stra­ßen­bau die Wen­de zu schaf­fen, hat­te NRW-Ver­kehrs­mi­nis­ter Hen­drik Wüst (CDU) 70 wei­te­re Stel­len für Pla­ner ge­neh­migt – doch es fällt schwer, die Stel­len auch zu be­set­zen. Im neu­en Mas­ter­plan zum Fern­stra­ßen­bau hat das Land fest­ge­legt, den Aus­bau der A3 zwi­schen Köln und Dinslaken be­vor­zugt vor­an­zu­trei­ben. Im Fo­kus ste­hen fer­ner die A57 zwi­schen Köln und Neuss und die A59 so­wie die A42 und A40 durch das Ruhr­ge­biet.

Auch an den NRW-Schu­len kommt die Mo­der­ni­sie­rung nur lang­sam vor­an. 240 Städ­te und Ge­mein­den hät­ten aus dem Pro­gramm „Gu­te Schu­le 2020“ins­ge­samt 222,5 Mil­lio­nen Eu­ro er­hal­ten, teil­te die NRW-Bank mit. ZurVer­fü­gung stan­den 500 Mil­lio­nen Eu­ro.

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