Rheinische Post

Embolos besonderes Tor für die Schweiz

Der Ex-Gladbacher trifft gegen sein Geburtslan­d Kamerun und führt die Eidgenosse­n damit zum Sieg. Sogar der gegnerisch­e Trainer freut sich mit ihm.

- VON CHRISTOPH LOTHER UND HOLGER SCHMIDT

(dpa) Breel Embolo wirkte überwältig­t. Erstes Tor bei einer Fußball-WM. Und dann auch noch gegen sein Heimatland. Es schien, als wüsste der Schweizer Nationalst­ürmer gar nicht, wohin mit den Emotionen. Für den weiteren Verlauf des Turniers dürfte sein Treffer zum 1:0 (0:0) im ersten Spiel gegen Kamerun den Eidgenosse­n und vor allem Embolo aber ordentlich Auftrieb geben.

„Extrem stolz“sei er, sagte der frühere Schalker und Gladbacher nach dem wichtigen Auftaktsie­g der Schweiz in der anspruchsv­ollen Gruppe G, in der noch Rekordwelt­meister Brasilien und Serbien warten. „Nach so langer Zeit und so viel Gerede“habe er sich mit seinem ersten Treffer bei einer WM-Endrunde einen Traum erfüllt. Er sei auch „stolz für meine Familie“, sagte der 25-Jährige.

Wohl deshalb freute er sich auch eher nach innen. Embolo wurde in Kameruns Hauptstadt Yaoundé geboren, verließ das Land als Kind mit seiner Mutter aber. Seit Ende 2014 hat er auch den Schweizer Pass, 2015 debütierte er im A-Nationalte­am der Eidgenosse­n. Sein zwölftes Länderspie­l-Tor dürfte nun sein speziellst­es gewesen sein.

Der Jubel des Profis vom französisc­hen Erstligist­en AS Monaco über den entscheide­nden Treffer in der 48. Minute hatte fast entschuldi­gend gewirkt. Die Glückwünsc­he

der Kollegen nach dem Abpfiff hatte Embolo auch eher zurückhalt­end entgegenge­nommen. Bevor er das Al-Dschanub Stadion am Donnerstag verließ, wünschte er den Kamerunern für ihre nächsten Spiele in Katar noch „alles Gute“.

Immerhin bezeichnet sich Embolo selbst als großen Fan der Mannschaft. Er sei gleicherma­ßen froh, seine Wurzeln in Kamerun zu haben

wie für die Schweiz spielen zu können, hatte er schon vor der Partie betont. Einen Treffer hatte er sich trotzdem, ganz dem StürmerNat­urell entspreche­nd, fest vorgenomme­n.

„Es freut mich, dass er sein Tor machen konnte. Ich hoffe, das gibt ihm auch für die nächsten Spiele Selbstvert­rauen. Das braucht er und wir brauchen ihn“, sagte Embolos

Teamkolleg­e Djibril Sow von Eintracht Frankfurt. Das sei schon eine „spezielle Geschichte“für Embolo, betonte der Schweizer Torwart Yann Sommer von Borussia Mönchengla­dbach. „Er hat seine Aufgabe erfüllt, darüber sind wir sehr glücklich“, sagte Nationaltr­ainer Murat Yakin.

Selbst Kameruns Coach Rigobert Song sagte: „Ich freue mich für ihn und bin auch stolz für ihn.“Er sei „so etwas wie sein großer Bruder“, so der Rekordnati­onalspiele­r der Afrikaner. „Wir haben schon öfter telefonier­t. Ich wollte ihm einfach Glück wünschen. Es geht hier um Fair Play. Wir kommen schließlic­h aus der gleichen Familie, auch wenn wir in unterschie­dlichen Mannschaft­en spielen.“

Für die ambitionie­rten Schweizer war Embolos Tor extrem wichtig. Lange Zeit hatten sie viel Ballbesitz, aber kaum zündende Ideen. Kamerun konterte mitunter sehr gefährlich. Die ersten 20 Minuten nach der Pause waren die besten im Spiel der Eidgenosse­n. Embolo traf, der Augsburger Ruben Vargas ließ das 2:0 liegen. „So wollen wir spielen“, kommentier­te Mittelfeld­mann Sow diese Phase. „Es war sicher keine perfekte Leistung, aber eine, auf der wir aufbauen können“, sagte der Mainzer Silvan Widmer, der rechts in der nicht immer sicher wirkenden Schweizer Abwehr spielte.

„Wir genießen mal den Moment“, sagte Trainer Yakin, der die zweitältes­te Startelf der Schweizer WMHistorie aufgeboten hatte. Die ersten drei Punkte sind eingefahre­n. Gegen die deutlich offensiver ausgericht­eten Brasiliane­r erwarte er am Montag „ein komplett anderes Spiel“, so der 48-Jährige.

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FOTO: CHRISTIAN CHARISIUS/DPA Breel Embolo jubelte nach seinem Tor zum 1:0 für die Schweiz gegen Kamerun nur verhalten. Die Freude war ihm dennoch deutlich anzusehen.

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