Der jun­ge Krip­pen­ar­chi­tekt

Por­trät Lars Stolz baut mit 14 Jah­ren per­fek­te Weih­nachts-Sze­ne­ri­en

Rieser Nachrichten - - Ghöart Ond Vrzählt - VON RO­NALD HUM­MEL

Hainsfarth/Nörd­lin­gen

An die­sem Wo­che­n­en­de geht die gro­ße tra­di­tio­nel­le Krip­pen­aus­stel­lung in der Al­ten Schran­ne in Nörd­lin­gen zu En­de, für die man­che Tou­ris­ten von weit­her an­rei­sen, um sich auf un­nach­ahm­li­che Art in Weih­nachts­stim­mung ver­set­zen zu las­sen. Zwei der Mo­dell-Sze­ne­ri­en um die Hei­li­ge Fa­mi­lie stam­men von dem 14-jäh­ri­gen Lars Stolz aus Hainsfarth; ein of­fi­zi­el­ler Ti­ro­ler Be­wer­ter von Meis­ter­krip­pen zeig­te sich vor we­ni­gen Ta­gen bei ei­nem Be­such in der Schran­ne völ­lig be­geis­tert an­ge­sichts der Wer­ke des 14-Jäh­ri­gen. Sein Ta­lent wur­zelt in ei­ner be­son­ders aus­ge­präg­ten Ei­gen­heit: „Ich war schon als Kind auf al­les um mich her­um sehr neu­gie­rig“, sagt Lars Stolz. So sah er der Schä­fe­rin oder dem Schreiner am Ort über die Schul­ter, leg­te sich Bie­nen­kör­be als Hob­by-Im­ker zu. Als die Hains­fart­her Krip­pen­baue­rin Ir­mi Me­bert 2016 in Ti­rol ih­re Aus­bil­dung zur Krip­pen­meis­te­rin ab­sol­vier­te, woll­te er un­be­dingt ei­nen Kurs in ih­rer Werk­statt ma­chen. Von An­fang an fiel ihr sei­ne bo­den­stän­di­ge, viel­sei­ti­ge Be­ga­bung auf, die vom Ku­chen ba­cken bis zum Steck­do­sen re­pa­rie­ren reicht – und eben zum Krip­pen bau­en.

„Es ist ein gro­ßes Ver­gnü­gen, mit ihm zu ar­bei­ten und zu er­le­ben, was in solch ei­nem jun­gen Men­schen schon al­les ste­cken kann“, freut sich Ir­mi Me­bert. Lars be­schreibt, wie pro­fes­sio­nell er un­ter ih­rer An­lei­tung vor­geht: „Zu­erst muss ich fest­le­gen, was zum Mo­dell da­zu ge­hört, al­so L-för­mi­ges Bau­ern­haus, Heu­auf­zug oder seit­li­cher Un­ter­stand Hir­ten; dann ent­schei­de ich, auf wel­che Fi­gu­ren­grö­ße al­les aus­ge­rich­tet wird.“Nun skiz­ziert er ei­nen Plan auf, den er im­mer wie­der op­ti­miert. Als Grund­la­ge mo­del­liert er aus Sty­ro­dur-Plat­ten, ei­ner form­fes­ten Art von Sty­ro­por, die Land­schaft. Aus dem sel­ben Ma­te­ri­al setzt er das Haupt­haus mit Plat­ten zu­sam­men. Zum Teil wer­den Plat­ten mit ei­nem Re­li­ef, das wie Na­tur­stein un­ter ab­brö­ckeln­dem Putz an­mu­tet, aus Gips selbst ge­gos­sen und in Bruch­stü­cken ein­ge­baut. In die Haupt­ge­bäu­de sind üb­ri­gens Spiel­uh­ren in­te­griert, die „Stil­le Nacht“er­klin­gen las­sen. Holz­ge­rüst, Dach­bo­den, Holz­kranz, Sta­del und Hir- ten­un­ter­stand fol­gen als Nächs­tes, dann wer­den die St­ein­tei­le mit Krip­pen­mör­tel ver­putzt, den Ir­mi Me­bert selbst an­rührt.

Ir­mi und Tho­mas Me­bert be­trei­ben schon seit 1995 ih­ren Krip­pen­Stand auf dem Nörd­lin­ger Weih­nachts­markt; das Krip­pen-Hand­werk füh­ren sie ne­ben­be­ruf­lich aus. Sie ha­ben Lars Stolz bei­ge­bracht, dass für den per­fek­ten Stil der urig wir­ken­de Mit­tel­weg zwi­schen ak­ku­ra­tem, ge­rad­li­ni­gem Mo­dell­bau und rui­nen­ar­ti­gem Ver­fall ide­al ist. Für ur­alt wir­ken­de Pa­ti­na wird das Holz ge­beizt, Dach­schin­deln spal­tet man von Holz­schei­ten ab. Zum Schluss wird die Land­schaft voll­der en­det, fei­nes Ge­äst mit ge­trock­ne­ten Pflan­zen wie Schaf­gar­be zu Bäu­men ge­macht, der Fluss­lauf aus Kork ge­formt und mit „Mo­dell­bau­was­ser“ge­füllt, ei­nem halb­fes­ten Gel. Für die un­sicht­ba­ren Lei­tun­gen zum La­ger­feu­er der Hir­ten und an­de­ren Licht­quel­len bohr­te Lars be­reits fei­ne Lö­cher.

Der­zeit geht er Ir­mi und Tho­mas Me­bert in der Krip­pen­aus­stel­lung zur Hand, die sams­tags von 11 bis 20 und am Sonn­tag von 11 bis 19 Uhr ge­öff­net ist. Lars Stolz denkt schon wie­der wei­ter. Er will künf­tig ei­ne ori­en­ta­li­sche Krip­pe oder auch ein­mal ei­ne der ori­gi­nel­len La­ter­nenK­rip­pen in An­griff neh­men.

Fo­to: Ro­nald Hum­mel

Lars Stolz mit Krip­pen­bau-Meis­te­rin Ir­mi Me­bert vor sei­ner neu­es­ten Krip­pe in der Al­ten Schran­ne, die heu­er in 135 Ar­beits­stun­den ent­stand.

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