SPD ge­gen Be­las­tung von Kin­der­lo­sen

Ko­ali­ti­ons­part­ner kri­ti­siert Vor­stoß von Ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - D. Kel­ler, M. Ga­bel, H. Zen­ker

Ber­lin. Der Vor­stoß von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU), Kin­der­lo­sen deut­lich hö­he­re Bei­trä­ge für Pfle­ge- und Ren­ten­ver­si­che­rung ab­zu­ver­lan­gen als El­tern, ist vor­wie­gend auf Kri­tik ge­sto­ßen. Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) be­zeich­ne­te den Vor­schlag als ei­ne „mehr als schrä­ge Idee“. „Kin­der­lo­se ge­gen Fa­mi­li­en aus­zu­spie­len ist falsch“, sag­te er der SÜDWEST PRES­SE. Zu­dem sei Kin­der­lo­sig­keit ja häu­fig un­ge­wollt. Statt­des­sen sol­le man „Wohl­ha­ben­de und Rei­che stär­ker an der Fi­nan­zie­rung des Ge­mein­we­sens be­tei­li­gen“.

Spahn hat­te in ei­nem Gast­bei­trag für die SÜDWEST PRES­SE ge­schrie­ben, dass er hö­he­re Bei­trä­ge für Kin­der­lo­se für ei­ne Ge­rech­tig­keits­fra­ge hal­te, schließ­lich be­kä­men ja „die Al­ten das Geld von den Jun­gen – auch, wenn es die Kin­der nur der An­de­ren sind.“

Für FDP-Pfle­ge­ex­per­tin Ni­co­le Wes­tig will Spahn „wie ei­ne po­li­ti­sche Rau­pe Nim­mer­satt ab­kas­sie­ren“. Man dür­fe we­der be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen ge­gen­ein­an­der aus­spie­len, noch nach­fol­gen­de Ge­ne­ra­tio­nen über Ge­bühr be­las­ten. Spahn sol­le lie­ber ein trag­fä­hi­ges Kon­zept zur künf­ti­gen Fi­nan­zie­rung der Pfle­ge vor­le­gen.

Das for­dert auch Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­rin Pia Zim­mer­mann von der Lin­ken. Sie plä­diert für die Auf­he­bung der Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze, die bis­her Men­schen mit ho­hen Ein­kom­men un­ter­stüt­ze.

Frank­furt. Nach der Land­tags­wahl in Hes­sen deu­te­te al­les auf ei­ne Fort­set­zung der schwarz-grü­nen Ko­ali­ti­on hin. Nun wird plötz­lich auch über ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on aus SPD, Grü­nen und FDP spe­ku­liert. Hin­ter­grund sind mög­li­che Kor­rek­tu­ren beim amt­li­chen En­d­er­geb­nis der Wahl, das am Frei­tag kom­men­der Wo­che vor­ge­legt wer­den soll. Ein Über­blick über Ko­ali­ti­ons­op­tio­nen und den Fahr­plan zur Re­gie­rungs­bil­dung:

Wel­che Ko­ali­ti­ons­op­tio­nen gibt es? Rech­ne­risch mög­lich sind laut dem vor­läu­fi­gen amt­li­chen En­d­er­geb­nis der Wahl vom 28. Ok­to­ber vier Ko­ali­tio­nen: Hauch­dün­ne Mehr­hei­ten von je ei­ner Stim­me gibt es für ein schwarz-grü­nes Bünd­nis, ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on und ei­ne Ko­ali­ti­on von CDU und SPD. Ei­ne deut­li­che Mehr­heit hät­te nur ein Ja­mai­ka-Bünd­nis aus CDU, Grü­nen und FDP. Ei­ne Ko­ali­ti­on von CDU und SPD gilt als un­wahr­schein­lich, weil bei­de Par­tei­en bei der Wahl En­de Ok­to­ber mas­siv Stim­men ein­büß­ten und kaum In­ter­es­se an ei­nem Bünd­nis wie in Ber­lin ha­ben dürf­ten. Für ein Ja­mai­ka-Bünd­nis wie­der­um will die FDP nicht zur Ver­fü­gung ste­hen, weil CDU und Grü­ne die Li­be­ra­len an­ge­sichts ih­rer ei­ge­nen knap­pen Mehr­heit als drit­ten Part­ner nicht brau­chen. Da­mit blei­ben nur noch ei­ne Neu­auf­la­ge von Schwarz-Grün oder ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on.

Wie­so wird plötz­lich wie­der über ei­ne Am­pel spe­ku­liert? Ein Bünd­nis aus SPD, Grü­nen und FDP galt als na­he­zu aus­ge­schlos­sen, weil die Li­be­ra­len ei­ne Am­pel un­ter grü­ner Füh­rung ab­lehn­ten. Nach dem vor­läu­fi­gen Wah­l­er­geb­nis la­gen die Grü­nen 94 Stim­men vor der SPD und könn­ten da­mit An­spruch auf das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten er­he­ben. Als denk­bar gilt aber nun, dass die SPD bei der Vor­la­ge des En­d­er­geb­nis­ses der Wahl wie­der vor den Grü­nen liegt. Span­nend dürf­te in dem Fall vor al­lem sein, wie sich die FDP po­si­tio­niert.

Wie­so sind Ver­schie­bun­gen beim amt­li­chen En­d­er­geb­nis denk­bar? Mi­ni­ma­le Ve­rän­de­run­gen ge­gen­über dem vor­läu­fi­gen Er­geb­nis sind im­mer mög­lich, fal­len aber ei­gent­lich nie ins Ge­wicht. In Hes­sen kann das an­ge­sichts des äu­ßerst knap­pen Aus­gangs an­ders sein. Da­zu kom­men Pan­nen bei der Aus­zäh­lung in Frank­furt. Der Kreis­wahl­aus­schuss kor­ri­gier­te das vor­läu­fi­ge Er­geb­nis nach aus­führ­li­cher Prü­fung.

Wie geht es mit der Re­gie­rungs­bil­dung in Hes­sen wei­ter? Noch vor der Fest­stel­lung des amt­li­chen En­d­er­geb­nis­ses der Land­tags­wahl in Hes­sen wol­len SPD und FDP ein ge­mein­sa­mes Son­die­rungs­ge­spräch mit den Grü­nen über ei­ne Am­pel­ko­ali­ti­on füh­ren. Ei­ne ent­spre­chen­de Ein­la­dung wol­len sie An­fang nächs­ter Wo­che aus­spre­chen. Bis­her woll­ten die Grü­nen eben­so wie die CDU für wei­te­re Ge­sprä­che erst das En­d­er­geb­nis ab­war­ten. Aus­rei­chend Zeit bleibt noch: Der neue Land­tag kon­sti­tu­iert sich am 18. Ja­nu­ar.

Fo­to: Oli­ver Diet­ze/ dpa

Wer mit wem in Hes­sen? Von links: Thors­ten Schä­fer-Güm­bel (SPD), Tarek Al-Wa­zir (Grü­ne), Vol­ker Bouf­fier (CDU) müs­sen sich ge­dul­den.

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