Ih­nen macht die Ar­beit im­mer noch Spaß

295 Ver­an­stal­tun­gen in 25 Jah­ren: Seit ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert sind Wer­ner Feucht und Kurt Ho­hen­stein aus Hall als Kon­zert­kreis Tri­an­gel ak­tiv.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - Von Bet­ti­na Lo­ber

Schwä­bisch Hall. 295 Ver­an­stal­tun­gen in 25 Jah­ren: Seit ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert sind Wer­ner Feucht und Kurt Ho­hen­stein aus Schwä­bisch Hall als Kon­zert­kreis Tri­an­gel ak­tiv.

Die­se bei­den Hal­ler als ziem­lich bes­te Freun­de zu be­zeich­nen, ist si­cher­lich nicht über­trie­ben: Wer­ner Feucht und Kurt Ho­hen­stein bil­den ge­mein­sam den Kon­zert­kreis Tri­an­gel, der heu­er 25-Jäh­ri­ges fei­ert. Die bei­den or­ga­ni­sie­ren als eh­ren­amt­li­che Kul­tur­ver­an­stal­ter nicht nur Kon­zer­te und Ka­ba­rett-Auf­trit­te. Sie ge­stal­ten auf „Ra­dio StHör­funk“ih­re ei­ge­ne Sen­dung, und sie brin­gen re­gel­mä­ßig mit ih­rer Ü-35-Par­ty in der Kult­bucht al­ler­lei Jung­ge­blie­be­ne zum Tan­zen.

Of­fen­bar ver­bin­det Feucht und Ho­hen­stein ei­ne See­len­ver­wandt­schaft. Je­den­falls ken­nen sie sich seit mehr als 30 Jah­ren. Da­mals ha­ben sie bei Ober­sulm ei­nen Wal­dorf-Kin­der­gar­ten für den Nach­wuchs ge­sucht. Feucht ar­bei­te­te als Hei­l­er­zie­hungs­pfle­ger in der Stif­tung Lich­tens­tern, So­zi­al­päd­ago­ge Ho­hen­stein war schon da­mals bei der evan­ge­li­schen Ju­gend­hil­fe Frie­dens­hort in Öh­rin­gen tä­tig. Im El­tern­kreis ka­men sie ins Gespräch und wa­ren gleich auf ei­ner Wel­len­län­ge. „Wir sind ja auch fast am glei­chen Tag ge­bo­ren“, sagt Ho­hen­stein. Bei­de ka­men 1955 zur Welt – Feucht am 21. Mai, Ho­hen­stein drei Ta­ge frü­her. Und am 1. De­zem­ber be­ginnt für bei­de der Ru­he­stand.

Gleich auf ei­ner Wel­len­län­ge

Die Feuchts zo­gen 1988 nach Hall. Die Ho­hen­steins ori­en­tier­ten sich eben­falls in Rich­tung Hall – und die Kin­der der bei­den Fa­mi­li­en (drei Ho­hen­stein- und vier Feucht-Kin­der) be­such­ten die Hal­ler Wal­dorf­schu­le. Dort lern­ten die bei­den Fa­mi­li­en­vä­ter mit Rein­hard Kett­ner ei­nen wei­te­ren Mu­sik­fan ken­nen. Beim ge­mein­sa­men Hö­ren ei­ner LP des Gi­tar­ris­ten Ralf Il­len­ber­ger ent­stand die spon­ta­ne Idee, ein Kon­zert zu or­ga­ni­sie­ren. Ein An­ruf – und schnell war das Gast­spiel be­schlos­se­ne Sa­che. Am 23. April 1993 war es so weit: „Die Ho­s­pi­tal­kir­che war rap­pel­voll“, er­in­nert sich Wer­ner Feucht. Il­len­ber­ger schreibt im Gäs­te­buch: „Vie­le Grü­ße, wei­ter so ...“

Hand­ge­mach­te Ti­ckets

Die Freun­de wa­ren an­ge­fixt – und mach­ten wei­ter. Feuchts Ehe­frau El­ke ge­stal­te­te das Lo­go und die Ein­tritts­kar­ten. Ho­hen­stein hat di­cke Ord­ner vol­ler Pla­ka­te, auf­wän­dig ge­kleb­ter Ko­pier­vor­la­gen für Ti­ckets und Fly­er ge­sam­melt – al­les hand­ge­macht. Nach zwei Jah­ren und neun Kon­zer­ten gab es aber auch ei­ne Kri­se. Die Tri­an­gel-Leu­te über­leg­ten, al­les hin­zu­schmei­ßen. „Wer­ner stieß die Ka­ba­rett-Schie­ne an“, er­zählt Ho­hen­stein. Kett­ner war skep­tisch, zog sich vom Tri­an­gel-Trio zu­rück. Ho­hen­stein und Feucht be­gan­nen mit der Ka­ba­rett-Spar­te. Ers­ter Gast war 1996 In­go Ap­pelt – „noch vor dem gro­ßen Durch­bruch“, schrieb er da­mals ins Gäs­te­buch. Längst ko­ope­riert Tri­an­gel eng mit dem Hal­ler Kul­tur­bü­ro, „sonst wür­de das gar nicht ge­hen“, sagt Feucht dank­bar.

Wer heu­te durch die mitt­ler­wei­le sechs Tri­an­gel-Bü­cher blät­tert, trifft auf das Who-is-Who der deut­schen Ka­ba­rett- und Comedy-Sze­ne. Stun­den­lang kön­nen Feucht und Ho­hen­stein Ka­ba­rett-An­ek­do­ten er­zäh­len. Et­wa, wie sau­er Ge­org Schramm war, als er das akus­ti­sche Zei­chen für sei­nen Auf­tritt in der Gar­de­ro­be des Neu­bau-Saals nicht hör­te, weil dort der Laut­spre­cher ka­putt war. „Der ist ein Per­fek­tio­nist, das hat ihn rich­tig auf­ge­regt und wir wa­ren ganz klein“, er­in­nert sich Ho­hen­stein. „Ich wer­de noch ein­mal kom­men müs­sen. Zur Be­wäh­rung. Da­mit al­les gut wird“, sind aber Schramms ver­söhn­li­che Wor­te im Gäs­te­buch. Mit Ger­hard Polt saß das Tri­an­gel-Duo nach des­sen Auf­tritt 2001 im Neu­bau-Saal bis vier Uhr mor­gens an der Ho­tel­bar – und traf dort auch noch Jo­sef Ha­der. „Seit­her woll­ten wir den Ha­der nach Hall ho­len, für Ok­to­ber 2019 klappt es end­lich“, freut sich Ho­hen­stein.

Bau­stel­le Frau­en­quo­te

El­ke Feucht hat sich ein­mal die Mü­he ge­macht, ei­ne Tri­an­gel-Sta­tis­tik auf­zu­stel­len. Der heu­ti­ge Auf­tritt von Puf­paff wird die 295. Vor­stel­lung in 25 Jah­ren sein. Meis­tens, näm­lich 136 Mal, wur­de in der Ho­s­pi­tal­kir­che kon­zer­tiert oder ge­frot­zelt.

Al­ler­dings sind Frauen un­ter den Ka­ba­rett-Gäs­ten ziem­lich un­ter­re­prä­sen­tiert: In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren war Chris­ti­ne Prayon 2016 die ein­zi­ge So­lo­künst­le­rin. Feucht und Ho­hen­stein be­dau­ern das sehr. Woran liegt’s? „Wir ha­ben et­li­che Na­men auf un­se­rer Wun­sch­lis­te und fra­gen an. Manch­mal wa­ren wir zu spät dran, dann heißt es wie­der, dass ein grö­ße­rer Saal nö­tig wä­re“, er­klärt Ho­hen­stein. Auch bei der Kul­tur­bör­se in Frei­burg hält das Tri­an­gel-Duo re­gel­mä­ßig Aus­schau. Sie sei­en an dem The­ma auf je­den Fall dran, ver­si­chern sie.

Al­so wer­den Feucht und Ho­hen­stein auch wei­ter­hin Ka­ba­ret­tis­ten und Bands nach Hall ho­len. Ob­wohl die An­for­de­run­gen oft schwie­ri­ger wür­den und hin­ter der Or­ga­ni­sa­ti­on al­ler­hand Ar­beit steckt: „Es macht im­mer noch gro­ßen Spaß“, be­teu­ert Ho­hen­stein. Be­son­ders schön sei­en die per­sön­li­chen Be­geg­nun­gen mit den Künst­lern, sagt Feucht: „Und manch­mal ent­ste­hen da auch klei­ne Freund­schaf­ten.“

Fo­to: Bet­ti­na Lo­ber

Ein­ge­fleisch­te Mu­sik- und Klein­kunst­fans: Wer­ner Feucht und Kurt Ho­hen­stein schmö­kern ge­mein­sam im ers­ten von bis­lang sechs Tri­an­gel-Gäs­te­bü­chern, in de­nen sich die vie­len Künst­ler des ver­gan­ge­nen Vier­tel­jahr­hun­derts ver­ewigt ha­ben.

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