CDU-Che­fin warnt vor Per­so­nal­de­bat­te

Kramp-Kar­ren­bau­er pocht auf ihr Vor­schlags­recht für Kanz­ler­kan­di­da­ten.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - VORDERSEITE - El­len Ha­sen­kamp zur Kli­ma­po­li­tik der CDU leit­ar­ti­[email protected]

Ber­lin/Pots­dam. CDU-Che­fin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er hat ih­re Par­tei vor Per­so­nal­de­bat­ten ge­warnt. Mit Hin­weis auf Äu­ße­run­gen über die nächs­te Kanz­ler­kan­di­da­tur poch­te Kramp-Kar­ren­bau­er auf ihr Vor­schlags­recht. „Das galt für al­le Vor­sit­zen­den der CDU und das wird auch für mich gel­ten“, sag­te sie der „Welt am Sonn­tag“. Die CDU-Spit­ze be­gann ges­tern Abend in Pots­dam ih­re zwei­tä­gi­ge Klau­sur und will dort un­ter an­de­rem ih­ren Kurs für die Eu­ro­pa­wahl und die Land­tags­wah­len in die­sem Jahr ab­ste­cken.

Erst­mals fin­det die Klau­sur un­ter Füh­rung von Kramp-Kar­ren­bau­er statt, die sich auf dem Ham­bur­ger Par­tei­tag im De­zem­ber knapp ge­gen Ex-Uni­ons­frak­ti­ons­chef Fried­rich Merz durch­ge­setzt hat­te. Vie­le in der Par­tei wün­schen sich den­noch ei­ne wei­ter­hin wich­ti­ge Rol­le für Merz. Kramp-Kar­ren­bau­er hat­te sich vor we­ni­gen Ta­gen mit Merz dar­auf ver­stän­digt, dass er Mit­glied in ei­nem Ex­per­ten­kreis zur so­zia­len Markt­wirt­schaft wer­den und an füh­ren­der Stel­le den The­men­be­reich „Zu­kunft der trans­at­lan­ti­schen Be­zie­hun­gen“be­glei­ten soll.

Kramp-Kar­ren­bau­er kün­dig­te zugleich ei­ne ge­ne­rel­le Über­prü­fung sämt­li­cher Maß­nah­men rund um die Mi­gra­ti­on an. „Wir wer­den uns die ge­sam­te Ein­wan­de­rungs­fra­ge von dem Schutz der Au­ßen­gren­ze über die Asyl­ver­fah­ren bis zur In­te­gra­ti­on un­ter dem Ge­sichts­punkt der Wirk­sam­keit an­schau­en“, sag­te sie.

Die Kli­malü­cke Deutsch­lands lässt sich ziem­lich ge­nau be­zif­fern: Im Mo­ment liegt sie bei rund 150 Mil­lio­nen Ton­nen. Um so viel liegt der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen der­zeit über dem Ziel­wert, der 2020 er­reicht sein soll. 2020, das ist üb­ri­gens nächs­tes Jahr.

Ein ähn­li­ches Del­ta zwi­schen An­spruch und Wirk­lich­keit klafft auch bei der Uni­on. Hier geht es al­ler­dings nicht um Koh­len­di­oxid-Äqui­va­len­te, son­dern um die Fra­ge, auf wel­che Wei­se sich CDU und CSU dar­an be­tei­li­gen, ei­nes der drän­gends­ten Pro­ble­me der Ge­gen­wart zu lö­sen: Wie kön­nen wir den Pla­ne­ten er­hal­ten, oh­ne auf Frei­heit und Wohl­stand zu ver­zich­ten? Die Ant­wort dar­auf dürf­te min­des­tens so wich­tig sein wie die auf Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung.

Na­tür­lich sagt auch die Uni­on seit Jahr­zehn­ten, dass Na­tur- und Um­welt­schutz ers­tens exis­ten­zi­ell sind und zwei­tens kein Wachs­tums­hemm­nis sein müs­sen. Nur was dar­aus kon­kret folgt, ist un­klar. Die Po­si­ti­on von CDU und CSU zum Koh­le­aus­stieg ist dif­fus, in der Die­sel-Kri­se schien es bei­den Par­tei­en lan­ge ein­zig um die Ver­mei­dung von Fahr­ver­bo­ten zu ge­hen und in der Kli­ma­po­li­tik ver­ließ man sich auf den gu­ten Ruf der Kanz­le­rin, den die­se vor über zehn Jah­ren mit be­herz­ten Ver­spre­chen und ei­ner si­gnal­ro­ten Ja­cke vor schmel­zen­dem Grön­land-Glet­scher er­wor­ben hat­te.

Die­se Kli­ma- und Um­welt­lü­cke der Uni­on lässt sich viel­leicht nicht in Emis­si­ons­ton­nen, wohl aber in Ver­lustein­hei­ten von Wäh­ler­stim­men in Bay­ern und Hes­sen be­mes­sen, Wäh­ler­stim­men, die Rich­tung Grü­ne ge­wan­dert sind. Auch des­we­gen sind CDU und CSU nun alar­miert.

Der ei­gent­lich als Grü­nen-Fres­ser be­kann­te Alex­an­der Do­brindt war ei­ner der ers­ten, der im ver­gan­ge­nen Herbst „Nach­hol­be­darf in der Fra­ge der Öko­lo­gie­the­men“ein­räum­te. Wirt­schafts­flü­gel­idol Fried­rich Merz ging auch mit der For­de­rung nach ei­nem schär­fe­ren Um­welt­pro­fil ins Ren­nen um den Par­tei­vor­sitz. Und CSU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der stell­te den Kli­ma­schutz jüngst in den Mit­tel­punkt sei­ner Neu­jahrs­an­spra­che. Das ge­schah nach dem ka­ta­stro­pha­len Dür­re­som­mer – und noch ehe

Wie kön­nen wir den Pla­ne­ten er­hal­ten, oh­ne auf Frei­heit und Wohl­stand zu ver­zich­ten?

der Schnee in Bay­ern zum nächs­ten Ka­ta­stro­phen­fall wur­de.

Er­staun­li­cher­wei­se be­ließ es die CSU auf ih­rer Klau­sur in See­on dann al­ler­dings weit­ge­hend da­bei, die Grü­nen als „Angst­par­tei“und „Öko-Po­pu­lis­ten“zu brand­mar­ken. Pro­ble­me an­zu­pran­gern und die po­li­ti­sche Kon­kur­renz zu be­schimp­fen, hilft aber – wie schon im Flücht­lings­streit – nicht wei­ter.

Die CDU könn­te es auf ih­rer Klau­sur nun bes­ser ma­chen. Vie­les an der schwar­zen Grü­nen-Kri­tik ist ja auch nicht völ­lig falsch: Öko-Land­wirt­schaft al­lein wird die Mensch­heit vor­erst nicht satt­krie­gen, Öko-Strom al­lein kann die nö­ti­ge Netz­span­nung der­zeit nicht ge­währ­leis­ten und Öko-Au­tos sind noch im­mer we­der se­ri­en­reif noch be­zahl­bar.

Es geht letzt­lich um nicht we­ni­ger als die Aus­söh­nung von Öko­lo­gie und Öko­no­mie. Ob die Uni­on die­se Mensch­heits­auf­ga­be löst, ist of­fen. Sie könn­te aber mal da­mit an­fan­gen.

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