Das Haus mit Ge­schich­te hält sie fest

Für Mu­se­ums­be­sit­ze­rin Ma­ria Fassbender be­ginnt mit dem Ak­ti­ons­tag die neue Sai­son.

Rundschau für den Schwäbischen Wald – Der Kocherbote - - KULTUR REGIONAL - Bri­git­te Hof­mann

Ober­rot. Sie hat ein Le­ben lang ge­schuf­tet und könn­te sich in ih­rem Haus in Schwä­bisch Gmünd ge­nüss­lich zu­rück­leh­nen. Aber nein, en­er­gie­ge­la­den wie eh und je star­te­te Ma­ria Fassbender am In­ter­na­tio­na­len Mu­se­ums­tag in ih­rem pri­va­ten Mu­se­um in Ober­rot in die neue Sai­son. Zu sehr hängt ihr Herz an ih­rem Ge­burts­haus, dem heu­ti­gen Äs­ku­la­pIn­fo­zen­trum im ehe­ma­li­gen Frei­en Adels­sitz.

Heil­kund­li­che The­men hat sie sorg­fäl­tig auf­be­rei­tet und im eh­ren­den An­den­ken an ih­re Schwes­ter, die Apo­the­ke­rin, Me­di­zi­ne­rin und Wis­sen­schaft­le­rin Dr. Edel­traut Böltz, dort aus­ge­stellt. Wei­te­re The­men sind Hei­mat­kun­de, In­dus­tria­li­sie­rung, Aus­wan­de­run­gen und auch die Le­bens­ge­schich­te von Her­mann Frasch, der 1851 in Ober­rot ge­bo­ren, als „Schwe­fel­kö­nig“zu welt­wei­tem Ruhm ge­lang­te.

Ei­ne wah­re Au­gen­wei­de ist auch der Kräu­ter­gar­ten hin­ter dem Haus. Er dien­te wie­der als Ku­lis­se für die Kaf­fee­ta­fel mit Schwarz­wäl­der Kirsch und Kä­se­tor­te. Bis weit in die Nacht und mor­gens ab 5.30 Uhr hat­te die Hob­by­bä­cke­rin in der Kü­che ge­wer­kelt, um ih­ren Gäs­ten da­mit ei­ne Freu­de zu ma­chen.

Strei­tig­kei­ten und In­tri­gen

Mit knapp 79 Jah­ren weiß die rüh­ri­ge Mu­se­ums­be­sit­ze­rin na­tür­lich auch, dass ih­re Zeit end­lich ist. Ge­ra­de des­halb war es ihr ein Be­dürf­nis, ih­re ei­ge­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te auf­zu­ar­bei­ten und in ein Re­fe­rat mit dem Ti­tel „Ge­ne­ra­tio­nen, Ge­ne­ra­tio­nen“zu pa­cken. Er­neut hat­te sie viel Zeit da­mit ver­bracht, Kir­chen­bü­cher und Ar­chi­ve zu durch­fors­ten und war da­bei auf ei­ne gan­ze Rei­he von Erb­strei­tig­kei­ten, Zer­würf­nis­sen und In­tri­gen ge­sto­ßen.

Ih­re Auf­zeich­nun­gen be­gan­nen im 16. Jahr­hun­dert mit Ge­org (Jörg) Wel­ler in Glas­ho­fen, der Ka­tha­ri­na, geb. Dietrich aus Schön­bronn, ehe­lich­te. In der fünf­ten Ge­ne­ra­ti­on ver­kauf­te Jo­hann Micha­el Wel­ler im Fe­bru­ar 1764, nach 166 Jah­ren im Fa­mi­li­en­be­sitz, den Bau­ern­hof in Glas­ho­fen, er­stand gleich­zei­tig die Ne­u­müh­le und 20 Jah­re spä­ter das al­te Amts­haus, den ehe­ma­li­gen Adels­sitz. Meh­re­re Schult­hei­ßen sind im Lauf der Ge­ne­ra­tio­nen aus der Fa­mi­li­en­dy­nas­tie der Wel­lers her­vor­ge­gan­gen.

In der zehn­ten Ge­ne­ra­ti­on wur­den Fri­da Mi­na und ihr Mann Ge­org Fried­rich Böltz El­tern von Ma­ria, heu­te Fassbender, und Edel­traut, de­ren Le­ben mit 47 Jah­ren zu En­de war. Mit der elf­ten Ge­ne­ra­ti­on wird dann ir­gend­wann die weib­li­che Li­nie der Ferd­les, so der eins­ti­ge Haus­na­me, er­lo­schen sein. So­weit die Fa­mi­li­en­ge­schich­te in ganz gro­ben Zü­gen, mehr­fach un­ter­bro­chen durch Vor­trä­ge der Gei­ge­rin Ma­rie-Lui­se Wan­ner.

Freun­de und Be­kann­te aus Gmünd, Hall, Backnang, Stutt­gart und der na­hen Um­ge­bung hat­ten sich im Mu­se­um ein­ge­fun­den. Dar­un­ter Ober­rots Bür­ger­meis­ter Da­ni­el Bul­lin­ger mit sei­ner Frau Jes­si­ca. Da­mit mach­ten sie der Be­sit­ze­rin ei­ne rie­sen­gro­ße Freu­de. In die­sem Jahr zieht sie noch­mals ihr Pro­gramm mit mo­nat­lich ei­nem kul­tu­rel­len High­light durch. Wie es da­nach wei­ter­geht, bleibt mo­men­tan noch ein Ge­heim­nis.

Ma­ria Fassbender führt Gäs­te durch das Äs­ku­lap-In­fo­zen­trum.

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