Es droht die ers­te Fe­ri­en­le­se

Neu­hau­sen Der Wein wächst so schnell wie nie. Die Wen­ger­ter wur­den nun dar­über in­for­miert, was sie in den Wo­chen bis zur Le­se zu be­ach­ten ha­ben. Von Micha­el Koch

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Vorderseite -

Met­zin­gen. Der Wein wächst so schnell wie nie. Die Wen­ger­ter aus Met­zin­gen und Neu­hau­sen wur­den nun dar­über in­for­miert, was sie in den Wo­chen bis zur Le­se zu be­ach­ten ha­ben.

Je­des Jahr das Glei­che? Von we­gen! Zu­min­dest die Wein­gärt­ner in Met­zin­gen und Neu­hau­sen durch­lau­fen ein Jahr, wie sie es bis­lang noch nie er­lebt ha­ben. Zum ei­nen ist da die frü­he­re Ve­ge­ta­ti­on, zum an­de­ren ein sehr gro­ßer Er­trag. Wie mit bei­den Phä­no­me­nen um­zu­ge­hen ist, er­läu­ter­te Mar­kus Wer­ner von der Würt­tem­ber­gi­schen Zen­tral­ge­nos­sen­schaft rund 60 Wen­ger­ter, die sich am Di­ens­tag­nach­mit­tag für die Tipps vom Fach­mann zu ei­nem klei­nen Rund­gang ver­sam­melt hat­ten. „Ein gu­tes Zei­chen, dass so vie­le ge­kom­men sind“freu­te sich Jörg Wald­ner, Ge­schäfts­füh­rer der Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaft Met­zin­gen-neu­hau­sen zu Be­ginn. Um dann so­gleich auf den Punkt zu kom­men.

Sehr er­trag­reich

„Im Vor­jahr muss­ten wir je­de Trau­be he­gen und pfle­gen, in die­sem Jahr sind wir in der kom­for­ta­blen La­ge, dass wir zu viel ha­ben. Wenn nicht noch Ha­gel- oder Ge­wit­ter­schä­den auf­tre­ten, dann wird es ein un­wahr­schein­lich er­trag­rei­ches Jahr“, pro­phe­zeit Wald­ner.

Da kommt der Ex­per­te ins Spiel, denn wie er­mit­telt man denn über­haupt, wie viel Er­trag ein Stock ab­wirft? Um ei­ne op­ti­ma­le Trau­ben­ver­sor­gung und da­mit ei­ne ho­he Qua­li­tät zu er­rei­chen, sind 120 Ki­lo­gramm pro Ar er­wünscht. Wer­ner zähl­te nun die Trau­ben an ei­nem Stock, kam auf 24. Das Durch­schnitts­ge­wicht sei je nach Sor­te be­kannt, so kön­ne man den Er­trag ganz ein­fach er­rech­nen. Am Bei­spiel kam Wer­ner auf et­wa 170 Ki­lo­gramm, „knapp ein Drit­tel muss al­so raus“. Man kön­ne nun na­tür­lich je­de drit­te Trau­be kom­plett ab­schnei­den, Wer­ner emp­fiehlt aber eher, al­le Trau­ben von un­ten her an­nä­hernd zu hal­bie­ren. „Das sieht schlimm aus, bringt aber Qua­li­tät“, so Wer­ner, der zu­dem noch den Vor­teil sieht, dass die luf­ti­ge­ren Trau­ben we­ni­ger an­fäl­lig für Fäul­nis sind.

Wein wie Was­ser

Wer­ner er­zähl­te von Trol­lin­ger-ge­bie­ten, in de­nen bis zu 400 Ki­lo­gramm pro Ar hän­gen. Schon bei 200 Ki­lo sei der Wein dünn wie Was­ser und ei­gent­lich un­ver­käuf­lich. „Es wird im­mer schwie­ri­ger, schlech­ten Wein zu ma­chen und ab­zu­set­zen“, so Wer­ner. Jörg Wald­ner ap­pel­lier­te des­we­gen ein­dring­lich an sei­ne Ge­nos­sen­schafts­mit­glie­der,

120 Ki­lo­gramm Trau­ben pro Ar dür­fen die Wen­ger­ter der Hof­bühl­stei­ge oh­ne Ab­zü­ge bei der Le­se ab­lie­fern. Mehr scha­det der Qua­li­tät, weil dann der Zu­cker­ge­halt in je­der ein­zel­nen Bee­re sinkt.

in den kom­men­den 14 Ta­gen die Men­gen­re­du­zie­rung durch­zu­füh­ren, so­fern noch nicht ge­sche­hen.

Es muss vor al­lem auch des­we­gen schnell ge­hen, da die Ve­ge­ta­ti­on un­ge­wöhn­lich weit ist. „Un­se­re Ab­schluss­sprit­zung ist für den 4. Au­gust ter­mi­niert, weil wir uns dar­auf ein­stel­len müs­sen, dass wir An­fang Sep­tem­ber be­reits mit der Vor­le­se be­gin­nen müs­sen“, sag­te Wald­ner.

„Wein­le­se in den Som­mer­fe­ri­en, das gab’s noch nie“, grum­mel­te ein Wen­ger­ter mür­risch vor sich hin. „Der Kli­ma­wan­del lässt grü­ßen“, ent­geg­ne­te ei­ne an­de­re Da­me.

Auch hier­zu rich­te­ten Wald­ner und Wer­ner an die Wein­gärt­ner, un­be­dingt die Spritz­ter­mi­ne und War­te­zei­ten ein­zu­hal­ten. „Die Pro­ble­ma­tik mit dem frü­hen Ter­min ist be­kannt, des­we­gen wird mit Si­cher­heit sehr streng kon­trol­liert“, ver­si­cher­te Wer­ner. „Bei uns wur­de noch nie et­was ge­fun­den, und wir möch­ten, dass das auch so bleibt. Wenn ihr euch al­so an un­se­re Emp­feh­lun­gen hal­tet, dann kann über­haupt nichts pas­sie­ren“, er­gänz­te Wald­ner.

Oi­di­um- Pilz auf Vor­marsch

Tat­säch­lich ist das The­ma Schäd­lings­be­kämp­fung in die­sem Jahr kein sehr aku­tes, zu­min­dest im Erm­s­tal. Ein­zig der Oi­di­um-pilz, be­kann­ter als Re­ben­mehl­tau, ver­langt bis­lang nach Auf­merk­sam­keit. Er wird bio­lo­gisch sehr gut ein­ge­dämmt durch Sprit­zen mit ei­ner Back­pul­ver-lö­sung.

Ge­mei­ner zeigt sich da ein Pilz na­mens Es­ca. Er dringt durch Schnitt­wun­den ins Holz ein und zer­stört den Stock von in­nen her­aus. Ein pro­ba­tes Mit­tel da­ge­gen gibt es bis­lang noch nicht. Ei­ne Stamm­sa­nie­rung, bei der man das To­t­holz aus dem Stamm her­aus­schnei­det, oder zur Vor­beu­gung ein „sanf­ter Reb­schnitt“, bei dem we­nig Schnitt­wun­den er­zeugt wer­den, gel­ten als nicht un­be­dingt prak­ti­ka­bel. „Ich wür­de ei­nen be­trof­fe­nen Stock kom­plett aus der An­la­ge her­aus­ho­len“, rät Mar­kus Wer­ner. Al­so ab­sä­gen. Be­trof­fen sind vom Es­ca vor al­lem Sil­va­ner, Dorn­fel­der, Ries­ling und Schwarz­ries­ling – ei­ni­ge der ver­küm­mer­ten Stö­cke sind auch schon in den bei­den Met­zin­ger Wein­ber­ge zu fin­den.

Häu­fig fehl­in­ter­pre­tiert

Ein wei­te­res Är­ger­nis sind Fraß­schä­den durch die Er­drau­pe. Hüh­ner oder Fle­der­mäu­se als na­tür­li­che Fein­de emp­fiehlt der Fach­mann, al­ter­na­tiv kön­ne man auch nachts mit der Ta­schen­lam­pe durch die An­la­ge ge­hen und die Rau­pen ein­sam­meln. We­ni­ger pro­ble­ma­tisch dürf­te in die­sem Jahr da­ge­gen die Kirsches­sig­flie­ge wer­den, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Wein­bau­ern auf Tr­ab hielt. „Vie­le Schä­den, die der Kirsches­sig­flie­ge zu­ge­schrie­ben wer­den, stam­men in Wirk­lich­keit von We­spen oder Mäu­sen“, weiß Wer­ner.

Selbst alt­ge­dien­te Wein­gärt­ner ler­nen beim jähr­li­chen Rund­gang mit dem Ex­per­ten der WZG in Mög­lin­gen im­mer noch et­was da­zu. Des­halb wa­ren am Di­ens­tag­nach­mit­tag wie­der rund 60 von ih­nen an den Fuß des Hof­bühls ge­kom­men. Fo­to: Thomas Kiehl

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