Tipps zur Vor­sor­ge

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Themen Des Tages / Politik -

Mit sei­nem Tod be­schäf­tigt sich nie­mand gern – und wenn der ei­ge­ne Nach­lass schon ge­re­gelt wird, bleibt das Di­gi­ta­le oft un­be­rück­sich­tigt. Von den 62 Mil­lio­nen In­ter­net­nut­zern in Deutsch­land ha­ben sich gut 80 Pro­zent noch nicht ein­mal Ge­dan­ken über ihr vir­tu­el­les Er­be ge­macht. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel ist der Jour­na­list Frank Schirr­ma­cher. Noch am 11. Ju­ni 2014 teil­te Schirr­ma­cher ei­nen Ar­ti­kel über den Krieg ge­gen den Ter­ror, am Tag da­nach starb er. Bis heu­te gibt es in sei­nem Twit­ter-kon­to kei­nen Hin­weis auf Schirr­ma­chers Tod.

„Vie­le ver­trau­en ein­fach auf die Erb­fol­ge“, sagt Ju­li­an Graf von der Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW. Für Hin­ter­blie­be­ne kann das schlim­me­re Fol­gen ha­ben als nur ei­nen ver­wais­ten Ac­count: Ha­ben sie kei­nen Zu­gang zu den E-mails des Ver­stor­be­nen, kann es et­wa schwie­rig wer­den, Ver­trä­ge zu kün­di­gen. „Es gibt ein man­geln­des Pro­blem­be­wusst­sein“, sagt Graf. „Da wol­len wir an­set­zen.“

Pass­wör­ter ins Tes­ta­ment?

Mehr als die Hälf­te der Deut­schen mer­ken sich Pass­wör­ter ein­fach. Wenn sie ster­ben, ge­hen auch die Pass­wör­ter ver­lo­ren. Die Ver­brau­cher­zen­tra­le rät aber da­zu, die In­for­ma­tio­nen und Zu­gangs­da­ten al­ler On­line-kon­ten zu bün­deln und an ei­nem si­che­ren Ort auf­zu­be­wah­ren. Ge­schieht das nicht, ste­hen die Hin­ter­blie­be­nen vor wah­rer De­tek­tiv­ar­beit. Sie müs­sen die Brow­s­er­his­to­rie über­prü­fen, schau­en, wel­che Apps auf dem Smart­pho­ne sind, und Rech­nun­gen und Bank­aus­zü­ge auf Hin­wei­se zu On­line-kon­ten durch­fors­ten.

Ei­ne Lis­te, ob auf Pa­pier oder in ei­nem Pass­wort-ma­na­ger, er­spart ih­nen viel Zeit. In bei­den Fäl­len ist es wich­tig, die Da­ten ak­tu­ell zu hal­ten. Sie ins Tes­ta­ment auf­zu­neh­men, sei we­nig sinn­voll. Schließ­lich müss­te dann bei je­der Än­de­rung des Pass­wor­tes auch das Tes­ta­ment ge­än­dert wer­den.

Voll­macht fürs Post­fach

Zu­dem kann es hilf­reich sein, ei­nen di­gi­ta­len Nach­lass­ver­wal­ter zu be­stim­men. „Da­für ge­nügt ei­ne hand­schrift­li­che und un­ter­schrie­be­ne post­mor­ta­le Voll­macht“, sagt Ju­li­an Graf. Das heißt: Das Schrift­stück muss über den Tod hin­aus gel­ten. Das soll­te ex­pli­zit auch drin ste­hen. Graf weist dar­auf hin, dass es da­für Mus­ter­for­mu­la­re gibt. Die Rechts­an­wäl­tin und Er­brechts-ex­per­tin Ste­pha­nie Her­zog emp­fiehlt zu­dem, ei­ne Vor­sor­ge­voll­macht für den Fall der Ge­schäfts­un­tüch­tig­keit zu er­stel­len. Denn auch wenn je­mand de­ment wird oder ins Ko­ma fällt, müs­sen sei­ne di­gi­ta­len Kon­ten ver­wal­tet wer­den.

Der di­gi­ta­le Nach­lass­ver­wal­ter soll­te nicht nur Zu­gang zu den On­line-kon­ten be­kom­men, son­dern auch An­wei­sun­gen. So­zia­le Me­di­en bie­ten et­wa die Mög­lich­keit, Pro­fil­sei­ten in Ge­dächt­nis­sei­ten um­zu­wan­deln. Will der Ver­stor­be­ne das, oder ist es ihm lie­ber, wenn sei­ne Da­ten ge­löscht wer­den? Im Ide­al­fall ist das vor sei­nem Tod ge­klärt wor­den.

Ma­thi­as Pud­dig, Chris­ti­an Rath

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