May trom­melt für die Idee ei­ner Frei­han­dels­zo­ne

Br­ex­it Die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin stellt dem Par­la­ment ih­ren Plan vor. Die Sit­zung ver­läuft tur­bu­lent.

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Politik -

London. Nach der Re­bel­li­on in ih­rem Ka­bi­nett hat die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin ih­ren Br­ex­it-plan ins Un­ter­haus ein­ge­bracht. Aus Pro­test ge­gen das Weiß­buch wa­ren be­reits zwei Hard­li­ner in Mays Ka­bi­nett zu­rück­ge­tre­ten, auch die Vor­stel­lung im Par­la­ment star­te­te tur­bu­lent: Die Sit­zung muss­te vor­über­ge­hend un­ter­bro­chen wer­den, nach­dem zahl­rei­che Ab­ge­ord­ne­te die Aus­füh­run­gen des neu­en Br­ex­it-mi­nis­ters Do­mi­nic Ra­ab mit Zwi­schen­ru­fen ge­stört hat­ten.

Die Ab­ge­ord­ne­ten wa­ren ver­är­gert, dass ih­nen das Pa­pier vor Be­ginn der Sit­zung nicht vor­ge­legt wor­den war. Ra­ab warb vor den Par­la­men­ta­ri­ern für Mays Plan: Die­ser sei „in­no­va­tiv“und stel­le ein „Gleich­ge­wicht“zwi­schen bri­ti­scher Ei­gen­stän­dig­keit und wei­te­ren Bin­dun­gen an die EU dar. May selbst sag­te: „Wir set­zen das Vo­tum des bri­ti­schen Vol­kes um.“Da­mit re­agier­te sie auf kri­ti­sche Äu­ße­run­gen von Us-prä­si­dent Do­nald Trump an ih­rer Br­ex­it-po­li­tik.

Die Kri­ti­ker des Vor­ha­bens sit­zen nicht nur in der Op­po­si­ti­on, son­dern auch in Mays ei­ge­ner Par­tei. Br­ex­it-hard­li­ner wer­fen der Pre­mier­mi­nis­te­rin vor, ei­nen ech­ten Bruch mit der EU zu scheu­en und den Br­ex­it zu ver­wäs­sern. Au­ßen­mi­nis­ter Bo­ris John­son und Br­ex­it-mi­nis­ter Da­vid Da­vis wa­ren des­halb un­ter Pro­test zu­rück­ge­tre­ten. John­son hat­te kri­ti­siert, Mays Plan se­he für Groß­bri­tan­ni­en den „Sta­tus ei­ner Ko­lo­nie“der EU vor.

Kaum Chan­cen in Brüssel

Im Zen­trum von Mays Vor­schlag steht ei­ne „Frei­han­dels­zo­ne“mit der EU für den frei­en Aus­tausch von Gü­tern. Da­für strebt May ein „ge­mein­sa­mes Re­gel­buch“mit der EU an, um Standards und Richt­li­ni­en zu har­mo­ni­sie­ren. Ei­ne der­ar­ti­ge An­bin­dung an die EU ist al­ler­dings den Br­ex­it-hard­li­nern in Mays Par­tei ein Gräu­el.

In an­de­ren Be­rei­chen will May die Bin­dun­gen kap­pen: Den Bin­nen­markt und die Zoll­uni­on will Groß­bri­tan­ni­en ver­las­sen. Der freie Per­so­nen­ver­kehr für Eu-bür­ger soll be­en­det wer­den. Im Di­enst­leis­tungs­be­reich will Groß­bri­tan­ni­en aus­sche­ren und ei­ge­nen Re­geln fol­gen.

Dies gilt eben­so für die Fi­nanz­in­dus­trie. Dass bri­ti­sche Ban­ken da­durch ih­ren un­be­schränk­ten Zu­gang zum Eu-markt ver­lie­ren, nimmt die Re­gie­rung in Kauf. Der Recht­spre­chung des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs will May nicht mehr fol­gen.

Dass sich die EU auf ein der­ar­ti­ges Br­ex­it-sze­na­rio ein­lässt, ist un­wahr­schein­lich. Brüssel be­steht auf der un­ge­teil­ten Ach­tung al­ler vier Gr­und­frei­hei­ten – al­so dem frei­en Ver­kehr von Per­so­nen, Wa­ren, Di­enst­leis­tun­gen und Ka­pi­tal. Ein „Ro­si­nen­pi­cken“Groß­bri­tan­ni­ens, bei dem ei­ni­ge Gr­und­frei­hei­ten re­spek­tiert und an­de­re zu­rück­ge­wie­sen wer­den, will Brüssel ver­hin­dern. afp

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