Er­nüch­te­rung in Wa­shing­ton

Nord­ko­rea Re­pu­bli­ka­ner und Mi­li­tärs kri­ti­sie­ren, Do­nald Trump ha­be ge­gen­über Kim Jong Un zu vie­le Zu­ge­ständ­nis­se ge­macht.

Südwest Presse (Ulm) - - Themen Des Tages / Politik -

Wa­shing­ton. We­ni­ger als 24 St­un­den nach dem Gip­fel­tref­fen zwi­schen Us-prä­si­dent Do­nald Trump und Nord­ko­reas Staats­chef Kim Jong Un ist der ver­hal­te­ne Op­ti­mis­mus nüch­ter­ner Er­kennt­nis ge­wi­chen. Denn of­fen ist, wie schnell und in wel­chem Um­fang Nord­ko­reas Atom­waf­fen­ar­se­nal ab­ge­baut wer­den soll. Zu­dem bleibt die Fra­ge der Ve­ri­fi­zie­rung ein zen­tra­les aber un­ge­lös­tes An­lie­gen.

Es sind aus­ge­rech­net Re­pu­bli­ka­ner, die ver­su­chen, den Prä­si­den­ten auf den Bo­den der Rea­li­tät zu­rück­zu­ho­len. Sie neh­men An­stoß dar­an, dass Trump ei­nen Dik­ta­tor mit Lob über­häuft. Ins­be­son­de­re er­in­ner­ten sie aber an die zahl­rei­chen Ver­stö­ße des Re­gimes in Pjöng­jang ge­gen Ver­spre­chen der Ver­gan­gen­heit. Mehr­fach hat­ten sich Kim Jong Il und Kim Il Sung, der Va­ter und der Groß­va­ter von Kim Jong Un, der Den­u­kle­a­ri­sie­rung ver­pflich­tet und da­mit den Wes­ten hin­ters Licht ge­führt. Be­son­ders ekla­tant war der Um­gang mit dem 1994 ge­schlos­se­nen Rahmenabkommen, in dem Nord­ko­rea auf die An­rei­che­rung von Plu­to­ni­um ver­zich­te­te. Dar­auf folg­ten acht Jah­re der Ent­span­nung. In der­sel­ben Zeit wur­de al­ler­dings die Uran­an­rei­che­rung ehr­gei­zig vor­an­ge­trie­ben, wo­durch die Be­zie­hun­gen zwi­schen Pjöng­jang und Wa­shing­ton er­neut ei­nen Tief­punkt er­reich­ten.

Sta­bi­li­tät in Ge­fahr?

Als ver­häng­nis­voll könn­ten sich Trumps Zu­ge­ständ­nis­se nach An­sicht von Ex­per­ten des­we­gen er­wei­sen, weil sich der Prä­si­dent im Stre­ben nach dem „ul­ti­ma­ti­ven De­al“den mög­li­chen Kon­se­quen­zen ver­schließt. Der re­pu­bli­ka­ni­sche Se­na­tor Lind­sey Gra­ham gei­ßelt die Ver­ein­ba­rung als „lä­cher­lich, weil die ge­mein­sa­men Übun­gen eben­so wie un­se­re Mi­li­tär­prä­senz Sta­bi­li­tät in der Re­gi­on ga­ran­tie­ren“. Der Dreis­ter­ne-ge­ne­ral Tom Spo­ehr von der kon­ser­va­ti­ven He­ri­ta­ge Foun­da­ti­on warnt vor ei­ner län­ge­ren Un­ter­bre­chung der Ma­nö­ver mit Süd­ko­rea. Die Übun­gen wer­den mehr­mals im Jahr un­ter Ein­bin­dung von bis zu 17 500 Us-sol­da­ten und 290 000 süd­ko­rea­ni­schen Sol­da­ten ab­ge­hal­ten. Ei­ne Un­ter­bre­chung, so lan­ge bei­de Sei­ten ver­han­deln, kön­ne man ver­kraf­ten, sagt Spo­ehr. „Nach meh­re­ren Mo­na­ten sam­melt sich aber Staub an, es fehlt dann am not­wen­di­gen Trai­ning, der Fein­ab­stim­mung un­ter den Trup­pen und Vor­be­rei­tung auf ei­nen mög­li­chen Erst­schlag durch Nord­ko­rea.“

Im Pen­ta­gon, wo man Trumps Ent­ge­gen­kom­men skep­tisch sieht, herrscht Ner­vo­si­tät, weil un­klar ist, ob er auch ein En­de der ge­mein­sa­men Übun­gen plant, an de­nen die USA, Süd­ko­rea so­wie Ja­pan be­tei­ligt sind. Dass Trump „nun Ja­pan über­las­sen will, sich um Ko­rea zu küm­mern, ist schon his­to­risch ge­se­hen ein un­rea­lis­ti­scher An­satz“, sagt ein lei­ten­der Be­am­ter des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums.

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