Das Land soll we­ni­ger für Stutt­gart 21 zah­len

Fi­nan­zie­rung Der Bund will Kos­ten über­neh­men, um den Bau der Gro­ßen Wend­lin­ger Kur­ve zu er­mög­li­chen.

Südwest Presse (Ulm) - - Südwestumschau -

Stutt­gart/wend­lin­gen. Ei­nen „Kunst­griff“nennt der Spre­cher des Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums, Ed­gar Ne­u­mann, die Ide­en zur Fi­nan­zie­rung der Gro­ßen Wend­lin­ger Kur­ve zwi­schen Stutt­gart 21 und der Neu­bau­stre­cke nach Ulm. Wie Bund, Land und Bahn mit Gel­dern zu jon­glie­ren be­reit sind, lässt tat­säch­lich nur ei­nen Schluss zu: Al­le Sei­ten drän­gen auf ei­ne Rea­li­sie­rung.

Das Land soll von sei­nen 930 Mil­lio­nen Eu­ro et­wa 60 Mil­lio­nen we­ni­ger zah­len, be­stä­tigt Ne­u­mann – trotz lau­fen­der Kla­ge der Bahn um die Be­tei­li­gung der Pro­jekt­part­ner an den S-21-mehr­kos­ten. Ju­ris­tisch mög­lich macht dies das Ge­mein­de­ver­kehrs­fi­nan­zie­rungs­ge­setz (GVFG). Mit die­sem för­dert der Bund den Bau re­gio­na­ler In­fra­struk­tur zu 60 Pro­zent, wenn Land und Kom­mu­ne je­weils 20 Pro­zent tra­gen. Der Topf wur­de sei­ner­zeit zur S-21-fi­nan­zie­rung an­ge­zapft.

Ver­ein­bart wur­de auch ei­ne „In­de­xie­rung“: Der Bund kann bei den Gvfg-an­tei­len Bau­preis­stei­ge­run­gen über­neh­men, wo­durch das Land nicht nur wei­ter gleich­viel, son­dern so­gar we­ni­ger zahlt. „Die­ses Ver­fah­ren ist schon da­mals in den Ver­trä­gen fest­ge­hal­ten wor­den“, sagt Ne­u­mann. Was das Land da­durch an Mit­teln be­kommt, soll in ei­ne Gro­ße Wend­lin­ger Kur­ve flie­ßen, aus de­ren Bau sich dann der Bund her­aus­hal­ten kann.

Nun stel­le sich, sagt Ne­u­mann, die nächs­te Fra­ge: „Wen be­kommt man ins Fi­nan­zie­rungs­boot?“Denn die Kur­ve soll, so Lan­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Win­fried Her­mann (Grü­ne), bis zu 100 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Po­ten­zi­el­le Geld­ge­ber wä­ren als Pro­fi­teu­re zu­nächst die Krei­se Tübingen, Reut­lin­gen und Zol­ler­nalb.

Die­se sieht Jür­gen Wurmtha­ler, Lei­ten­der Di­rek­tor des Ver­bands Re­gi­on Stutt­gart (VRS), vor­ran­gig in der Pflicht. Aber auch der Groß­raum Stutt­gart hät­ten ein In­ter­es­se dar­an we­gen des S-bahn-ver­kehrs: Die Gro­ße Kur­ve wür­de ei­ne kos­ten­güns­ti­ge Op­ti­on of­fen hal­ten, vom Flug­ha­fen aus nach Kirch­heim oder Nür­tin­gen wei­ter­zu­fah­ren. Der­zeit prü­fe man, ob die S-bah­nen mit ih­ren 140 St­un­den­ki­lo­me­tern und dem er­wart­ba­ren Ver­kehrs­auf­kom­men die Schnell­bahn­tras­se tat­säch­lich nut­zen kön­nen.

Die Bahn drückt der­weil aufs Tem­po. Noch in die­sem Mo­nat wol­le man das Plan­än­de­rungs­ver­fah­ren für den S-21-bau­ab­schnitt be­an­tra­gen. Land, Re­gi­on und Krei­se müss­ten „bis Herbst“ei­nen Fi­nan­zie­rungs­ver­trag vor­le­gen, sagt Pro­jekt­spre­cher Jörg Ha­mann. Dann wür­de die Bahn zu­nächst die Klei­ne Wend­lin­ger Kur­ve mit Er­wei­te­rungs­op­ti­on bau­en. Für die Gro­ße Wend­lin­ger Kur­ve braucht es ein ei­ge­nes Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Rea­lis­tisch könn­te die Gro­ße Kur­ve 2025 oder 2026 fer­tig sein.

Ne­u­mann hält ei­nen Fi­nan­zie­rungs­ver­trag bis Jah­res­en­de für mög­lich: „Ich den­ke, wir be­kom­men das hin.“

Bei Wend­lin­gen wird an der Neu­bau­tras­se schon kräf­tig ge­baut.

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