„Ich freue mich auf Reus“

In­ter­view Welt­meis­ter Ber­ti Vogts blickt auf die WM – mit An­ek­do­ten von einst und der Ana­ly­se von heu­te. Von Ar­min Gras­muck

Südwest Presse (Ulm) - - Fussball−wm In Russland -

Ber­ti Vogts hat sich ge­nuss­voll im Schwarz­wald auf die Welt­meis­ter­schaft vor­be­rei­tet. In der Bai­ers­bron­ner No­bel­her­ber­ge Trau­be Ton­bach traf der Welt­meis­ter von 1974 und spä­te­re Bun­des­trai­ner auf Weg­ge­fähr­ten wie Jür­gen Koh­ler, Tho­mas Helmer und Stefan Kuntz. Im In­ter­view er­klärt Vogts, was den spe­zi­el­len Reiz ei­ner WM aus­macht, wie die Chan­cen der deut­schen Mann­schaft in Russ­land ste­hen und auf wel­che Spie­ler er sich be­son­ders freut.

Heu­te wird in Mos­kau die WM er­öff­net. Spü­ren Sie schon das Krib­beln? Ber­ti Vogts:

Krib­beln ist et­was über­trie­ben, aber ja, ich freue mich, dass wie­der et­was Ver­nünf­ti­ges im Fern­se­hen über­tra­gen wird. Ich bin ge­spannt auf das Er­öff­nungs­spiel, wie Russ­land sich dar­stellt. Und ich freue mich auf den Fuß­ball, wel­che Trends es im spie­le­ri­schen Be­reich gibt, ob es et­was Neu­es zu ent­de­cken gibt.

Ab wann mer­ken die Spie­ler und Trai­ner kon­kret: Jetzt geht’s los?

Mit der ers­ten Trai­nings­ein­heit in Russ­land, wenn du ab­ge­holt wirst, mit Po­li­zei­es­kor­te zum Platz fährst. Dann das Ab­schluss­trai­ning im Sta­di­on. Du schaust dich um, schaust auf die ho­hen Tri­bü­nen und denkst: Uhhh, jetzt wird es ernst. Der Jun­ge, der vor­her selbst­be­wusst auf­spiel­te, wird plötz­lich lei­se. Die Rou­ti­niers, ge­ra­de die er­folg­rei­chen, er­in­nern sich: Wie schön war es vor vier Jah­ren. Da wol­len wir wie­der hin.

Im letz­ten Test­spiel muss­te sich die deut­sche Mann­schaft am Frei­tag zu ei­nem 2:1 ge­gen Sau­di-ara­bi­en quä­len. Wie weit ist der Ti­tel­ver­tei­di­ger?

Es wä­re nicht nor­mal, wenn wir ge­gen die Ara­ber schon 80 Mi­nu­ten Voll­gas ge­spielt hät­ten. Sie hät­ten nach 30 Mi­nu­ten lo­cker 3:0 füh­ren kön­nen. Dann lie­ßen die Kräf­te nach, was nach zwei Wo­chen Trai­nings­la­ger we­nig über­ra­schend war. Aber am Sonn­tag, wenn es ernst wird, müs­sen sie min­des­tens bei 80 Pro­zent sein.

Il­kay Gün­do­gan ist auf­grund des um­strit­te­nen Tref­fens, das er und Me­sut Özil mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Er­do­gan hat­te, wäh­rend der Par­tie in Le­ver­ku­sen laut aus­ge­pfif­fen wor­den. Ist das Spiel der Deut­schen da­von be­ein­flusst wor­den?

Es geht an kei­nem spur­los vor­bei. Gün­do­gan muss da­mit um­ge­hen. Ich wün­sche ihm, dass er am Sonn­tag das Sieg­tor er­zielt. Da­mit die An­ge­le­gen­heit end­lich er­le­digt ist und er zei­gen kann: Hey, ich bin wirk­lich ei­ner von euch! Über al­les an­de­re will ich nicht mehr groß re­den. Sie sind kei­ne 18 Jah­re mehr. Sie hät­ten wis­sen müs­sen, was auf sie zu­kommt. Auch ih­ren Be­ra­tern ma­che ich ei­nen Vor­wurf. Sie hät­ten ih­re Kli­en­ten bes­ser schüt­zen müs­sen.

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