Er­kennt­nis­se, die un­ter die Haut ge­hen

Die Ul­mer Der­ma­to­lo­gin Ka­rin Scharf­fet­ter-kocha­n­ek er­hält heu­te ei­nen hoch­ka­rä­ti­gen Preis.

Südwest Presse (Ulm) - - Ulm Neu-ulm -

Ulm/bam­berg. Mit ei­nem der höchst do­tier­ten Prei­se für me­di­zi­ni­sche For­schung in Deutsch­land wird am heu­ti­gen Frei­tag Prof. Ka­rin Scharf­fet­ter-kocha­n­ek aus­ge­zeich­net. Die Di­rek­to­rin der Ul­mer Uni­ver­si­täts­kli­nik für Der­ma­to­lo­gie und All­er­go­lo­gie er­hält in der Oran­ge­rie von Schloss See­hof bei Bam­berg den mit 50 000 Eu­ro do­tier­ten Ro­bert Pfle­ger-for­schungs­preis. Ih­re Er­kennt­nis­se, so heißt es in ei­ner Mit­tei­lung der Dok­tor Ro­bert Pfle­ger-stif­tung, sei­en „als Mei­len­stei­ne auf dem Weg zum For­schungs­ziel ge­sun­des Al­tern an­zu­se­hen“.

Die Preis­trä­ge­rin hat her­aus­ge­fun­den, dass al­te Zel­len im Bin­de­ge­we­be der Haut äl­te­rer Men­schen Ent­zün­dungs­bo­ten­stof­fe pro­du­zie­ren, die oft mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf de­ren Ge­sund­heits­zu­stand ha­ben. Stö­run­gen der Wund­hei­lung und Au­to­im­mun­er­kran­kun­gen kön­nen eben­so die Fol­ge sein wie das Wachs­tum bös­ar­ti­ger Tu­mo­ren.

Scharf­fet­ter-kocha­n­eks er­klär­tes Ziel ist es, ein Me­di­ka­ment zu ent­wi­ckeln, mit dem es ge­lingt, die­se Zel­len zu ent­fer­nen und so den Men­schen zu deut­lich mehr Le­bens­qua­li­tät in den letz­ten 20 Le­bens­jah­ren zu ver­hel­fen. Ein sol­ches Me­di­ka­ment wä­re ein gro­ßer Durch­bruch: für die Ein­däm­mung der Tu­mor­pro­gres­si­on, aber auch für die Be­hand­lung oder Vor­beu­gung an­de­rer Al­te­rungs­er­kran­kun­gen, wie Os­teo­po­ro­se, Ar­te­rio­skle­ro­se, Ar­thro­se und mög­li­cher­wei­se Al­ters­dia­be­tes. „Wir ver­fol­gen die Hy­po­the­se, dass das Bin­de­ge­we­be auch für die Al­te­rung an­de­rer Ge­we­be und Or­ga­ne ei­ne Schritt­macher­funk­ti­on hat“, sagt die Preis­trä­ge­rin.

Kri­tik an Öko­no­mi­sie­rung

Laut Scharf­fet­ter Kocha­n­ek ist der For­schungs­nach­wuchs in der Me­di­zin in Deutsch­land ge­fähr­det. Ein we­sent­li­cher Grund sei die Öko­no­mi­sie­rung der Me­di­zin und die Ein­füh­rung der Fall­pau­scha­len­re­ge­lung. „Es bleibt kaum mehr Zeit, sich mit For­schungs­fra­gen in der Tie­fe zu be­schäf­ti­gen, weil die Me­di­zin auch an den Uni­ver­si­tä­ten zu­neh­mend auf den Er­lös von Geld aus­ge­rich­tet ist.“Das deut­sche Sys­tem ge­ra­te so lang­fris­tig in ei­ne Fal­le, ist die ge­bür­ti­ge Hil­des­hei­me­rin über­zeugt.

In­fo Die Dok­tor Ro­bert Pfle­ger-stif­tung för­dert me­di­zi­ni­sche For­schung so­wie so­zi­al-ca­ri­ta­ti­ve Pro­jek­te und ver­leiht den Ro­bert Pfle­ger-for­schungs­preis seit 1986 al­le zwei Jah­re.

Ka­rin Scharf­fet­ter-kocha­n­ek er­hält den Ro­bert Pfle­ger-preis. Fo­to: Uni-kli­nik

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